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Zum 75-jährigen Vereinsjubiläum am 30. Dezember 2015 gab's ein Feuerwerk im winzigen Ipurua-Stadion.
Zum 75-jährigen Vereinsjubiläum am 30. Dezember 2015 gab's ein Feuerwerk im winzigen Ipurua-Stadion.(Foto: imago/Agencia EFE)

Mini-Klub rockt die Primera División: SD Eibar kämpft um seinen Fußball-Traum

Von Volker Petersen

Die SD Eibar hat ein Stadion für gerade einmal 6000 Zuschauer, einen winzigen Etat, belegt aber in der ersten spanischen Liga nach der Hinrunde den sechsten Platz. Jetzt steht dem Mini-Klub eine große Prüfung bevor.

Im spanischen Fußball regiert das Geld und sonst gar nichts – dieser Satz stimmt nur noch teilweise. Zwar dominieren Real, Barca und zurzeit auch Atlético die Primera División, doch nach dem Ende der Hinrunde hat sich auch der Mini-Klub SD Eibar einen Platz im oberen Drittel der Tabelle erkämpft. Der Verein aus dem Baskenland verfügt über ein Stadion mit 6300 Plätzen, hat mit 32 Millionen Euro den geringsten Etat und steht nach 19 Spieltagen auf dem sechsten Tabellenplatz – vor dem FC Valencia, dem FC Sevilla und Athletic Bilbao. Das darf man als Fußball-Wunder bezeichnen, allerdings eines, das sich schon zum zweiten Mal ereignet.

Nicht so zahlreich wie andere Fans, aber mindestens genauso leidenschaftlich: Anhänger der SD Eibar.
Nicht so zahlreich wie andere Fans, aber mindestens genauso leidenschaftlich: Anhänger der SD Eibar.(Foto: imago/AFLOSPORT)

In Eibar ist nichts so wie in anderen Vereinen, schon gar nicht in Spanien. "Für eine Stadt mit 27.000 Einwohnern ist eigentlich die dritte Liga normal", sagte Vereinspräsident Alexa Aranzabal in einer britischen Fernsehdokumentation vor einem Jahr. Stattdessen messen sich die Provinzkicker nun schon im zweiten Jahr in Folge mit Real Madrid und dem FC Barcelona. Dafür sind Kampfgeist, Einfallsreichtum, leidenschaftliche Fans und, auch das muss man sagen, wahnsinniges Glück verantwortlich.

Das fing schon mit dem Aufstieg in die erste Liga im Jahr 2014 an. Nach nur einem Jahr in der zweiten Liga gelang der Mannschaft auf Anhieb der Durchmarsch ins spanische Oberhaus. Zumindest sportlich – denn finanziell erfüllte der Kleinstadtverein die Auflagen der Primera División nicht. Die verlangte eine Kapitalaufstockung von 2,1 Millionen Euro, obwohl der Verein im Gegensatz zu allen anderen schuldenfrei war. Der findige Präsident Aranzabal kam schließlich auf die Idee, das Geld per Crowdfunding einzusammeln.

Doch die Einnahmen daraus reichten nicht aus, obwohl Fußball-Enthusiasten aus ganz Europa Anteilsscheine im Wert von 50 Euro kauften. Die Rettung kam schließlich von einem ehemaligen Spieler – es handelte sich um Xabi Alonso, der als 18-Jähriger seine Karriere bei Eibar begonnen hatte und dessen Vater dort auch als Trainer tätig war. "Ich habe so lange für Eibar gespielt, da war es meine Pflicht, ihnen zu helfen", sagte der Bayern-Star dem britischen Fernsehen.

Die Hinrunde lief super - aber dann

Auf dem Boden bleiben: Trainer José Luis Mendilibar.
Auf dem Boden bleiben: Trainer José Luis Mendilibar.(Foto: imago/AFLOSPORT)

Mit Kampfgeist und der Euphorie der von Problemen geplagten Arbeiterstadt stürzte sich das Team in das Abenteuer Erste Liga. Und das ließ sich überraschend gut an. Nach dem Ende der Hinrunde hatte die Mannschaft des damaligen Trainers Gaizka Garitano 27 Punkte auf dem Konto, die damit einen sensationellen achten Platz belegte. Die europäische Presse wurde auf die Überflieger aufmerksam und huldigte dem bescheidenen Auftreten, den soliden Finanzen und dem Mut des kleinen Vereins, der die Gesetze des Fußballs auszuhebeln schien.

Doch dann passierte das, was Fans und Spieler in dieser Spielzeit auf keinen Fall noch einmal erleben wollen. Die Rückrunde wurde zum Horrortrip in den Tabellenkeller. Sie begann mit einer Serie von acht Niederlagen, am Ende holte die Mannschaft nur acht Punkte aus 19 Spielen und fand sich auf dem 18. von 20 Tabellenplätzen wieder, einem Abstiegsplatz. Damit war das Erstliga-Abenteuer von Eibar zu Ende.

Dachte man. Denn es kam anders. Romantiker würden nun den Fußball-Gott bemühen, der sich einfach noch länger an dem kleinen Klub erfreuen wollte. Tatsächlich zahlte sich indirekt für den Verein aus, dass die anderen Vereine weit weniger solide Finanzen aufwiesen, als man selbst. So wurde dem elftplatzierten FC Elche die Lizenz für die erste Liga entzogen, was die Rettung für Eibar bedeutete. Da Elche die Liga verlassen musste, durften die Basken doch noch bleiben. Sie bekamen nach all den Jahren der harten Arbeit, des Hoffens und Bangens, des aufopferungsvollen Kampfes für den Verein nun die zweite Chance also geschenkt.

Und dank TV-Geld verdoppelte sich der Etat, 15 neue Spieler wurden geholt, der Trainer José Luis Mendilibar übernahm die Mannschaft, nachdem sein Vorgänger Garitano wegen des sportlichen Misserfolgs zurückgetreten war. Und ihre zweite Chance wollte die Mannschaft offenbar unbedingt nutzen. Sie begann die Spielzeit mit einem klaren Auswärtssieg in Granada und beendete die Hinrunde mit einem 2:1-Sieg über Espanyol Barcelona.

Und nun? Am kommenden Wochenende beginnt die Rückrunde. Trainer Mendilibar versucht tapfer, das Positive zu sehen. "Es ist nicht verkehrt, sich an die vergangene Rückrunde zu erinnern", sagte er der Sportzeitung "Marca". "Um auf dem Boden zu bleiben." Er sagt das, was alle Trainer in seiner Lage sagen würden: "Jetzt zählt erstmal nur der Klassenerhalt. Erst wenn wir das geschafft haben, werden wir mehr versuchen." Aber selbst wenn sich die Albtraum-Rückrunde wiederholt – der SD Eibar dürfte sich trotzdem wieder zurückkämpfen.

Quelle: n-tv.de

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