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So läuft der 23. Spieltag: Schalke ist keine Kaffeemaschine

Von Tobias Nordmann

Schalkes Keeper Ralf Fährmann liefert erstaunliche Erkenntnisse. Der FC Bayern zeigt in der Champions League zwei Gesichter, aber alle reden nur über Uli Hoeneß. Der BVB hat von den Bayern gelernt und Wolfsburg ist krank.

Was machen Guardiola und der FC Bayern?

So schnell kann's gehen: Da beeindrucken die Bayern in der Champions League 60 Minuten gegen Juventus Turin, um dann plötzlich den total Kontrollverlust zu erleiden - doch die Schlagzeilen bestimmt ein anderer: Uli Hoeneß. Der ist zwar noch im Knast, beziehungsweise gerade auf Hafturlaub, aber ab dem 1. März ein freier Mann. Und jeder Fußball-Fan in Deutschland fragt sich: Was macht der Uli, wenn er Zellenoutfit gegen feinen Zwirn tauscht? Wird er direkt wieder der Macher des FC Bayern? Nein, erstmal nicht. Hat er erklärt, den Kollegen vom "Kicker". Aber was macht er dann? Nun, wir haben die Antwort: "Ich werde Fußball genießen, ins Stadion gehen und wieder Fan sein." Dass dieser Status allerdings nur von kurzer Dauer ist, davon gehen eine ganze Menge Menschen in Deutschland aus.

(Foto: dpa)

Witzig eigentlich, dass die Frage nach der Zukunft des 64-Jährigen derzeit heißer diskutiert wird, als der unerklärliche Leistungsabfall der Guardiola-Elf beim 2:2 in Turin. Dabei böte das Spiel doch eine ganze Menge guter Ansätze, um sich mal wieder intensivst-sportlich mit dem FC Bayern zu beschäftigen. Zum Beispiel die spielfreudige Offensive um Thomas Müller, Arjen Robben und Robert Lewandowski. Die Drei verwuschelten der "Alten Dame" nämlich zunächst derart heftig das Haupthaar, dass der geneigte Spielbeobachter sich an die Gute-Laune-und-viel-Freude-Bayern der Hinrunde erinnert fühlte, als unter anderem der VfL Wolfsburg aus dem DFB-Pokal zelebriert wurde. Und genau auf jenen Klub trifft der FCB am 23. Spieltag. Für die "Wölfe" zu einer absoluten Unzeit. Sportlich ziemlich außer Tritt geraten, ächzt der Kader unter Husten, Schnupfen, Heiserkeit - gleich zwölf Profis drohen vor dem Duell auszufallen. Hecking bleibt dennoch gelassen: "Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen. Wir müssen Bayern attackieren, dürfen nicht nur hinterherlaufen." Eine Frage noch Herr Hecking: Nur wer genau soll die Bayern attackieren? Sind doch fast alle krank.

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

Copy und Paste ist nicht nur beim Verfassen von Haus- und Abschlussarbeiten verboten, auch im Journalismus wird's nicht gern gesehen. Deshalb verzichten wir an dieser Stelle darauf, die Frage wie es beim BVB so läuft, mit einer kopierten Einschätzung der letzten, vorletzten oder vorvorletzten Woche zu beantworten. Denn wir haben beim BVB etwas entdeckt, was eigentlich den Bayern vorbehalten ist: Einfach mal einen dreckigen Sieg erzwingen, egal wie gut oder schlecht die 90 Minuten auf dem Rasen so laufen. Noch in der Hinrunde ging das schief - etwa gegen Hoffenheim (1:1) oder zuhause gegen Darmstadt (2:2).

(Foto: dpa)

In der Winterpause aber hat sich Erstaunliches getan. Gegen die von n-tv.de zum ersten Absteiger der Saison 2015/16 ausgerufenen Hannoveraner gab's ein mühsames 1:0 - Schwamm drüber, drei Punkte. Und gestern Abend, beim Europa-League-Spiel in Porto, war's aus Dortmunder Sicht ebenfalls nicht besonders erquickend - aber auch hier: 1:0, nächste Runde. Eine echte Bewährungsprobe für die neue Abgezocktheit der Schwarzgelben gibt es am Sonntagabend (17.30 im n-tv.de-Liveticker) gegen - Obacht, siehe oben - Hoffenheim. Und die sind derzeit richtig gut drauf. Seit Trainer-Jüngling Julian Nagelsmann die Verantwortung trägt, spielt und wirbelt die Mannschaft so stark auf, dass man glatt vergessen könnte, dass sich das Team noch auf Platz 17 befindet.

Was machen des Verfolgers Verfolger?

Schalkes Torwart Ralf Fährmann überrascht zum Ende der Woche mit einer erstaunlichen Weisheit: "Die Mannschaft ist keine Kaffeemaschine, die man einschaltet - und dann läuft es." Er hat das gesagt, nachdem sich die "Königsblauen" am Donnerstag in heimischer Halle gegen Schachtjor Donezk beim 0:3 ganz ordentlich blamiert haben. Wobei, das Wort Blamage findet Fährmann etwas zu hoch gegriffen. Die Fans dagegen offenbar nicht. Sie flüchteten bereits nach dem zweiten Gegentor in Scharen - oder entluden ihre Wut vor allem am Bald-Liverpooler Joel Matip. Der hatte sich zuvor einige Böcke geleistet und wurde dafür regelmäßig verhöhnt. Das wiederum passte Fährmann nicht. Besser gesagt, es brachte ihn richtig auf die Palme: "Wir stellen uns der Kritik. Aber ich fand die Pfiffe nicht angebracht." Darüber kann man sicher streiten. Fest steht: S04 hat aus den vergangenen drei Spielen lediglich einen Punkt geholt, in der Liga steht das Team nur auf Rang sechs - deutlich zu wenig für die stets ambitionierten Schalker. Die Hoffnung auf eine neue erfolgreiche Ära unter Trainer André Breitenreiter - bislang nicht erfüllt.

Das sei übrigens im Moment auch gar nicht möglich, wie Breitenreiter nach dem Europa-League-Aus erklärte: "Hier träumt man ja immer schon von deutschen Meisterschaften und Champions League. Das ist meiner Meinung nach überhaupt nicht realistisch." Es ist derzeit mächtig ungemütlich auf Schalke, wenn auch noch ohne Trainerdiskussion. Die indes führen sie beim kommenden Gegner: der Eintracht aus Frankfurt. Sie führen sie auf zwei unterschiedlichen Ebenen. Während die Vorstandsebene versichert, dass Armin Veh bombenfest auf seinem Coaching-Stuhl sitze, haben die Fans eine andere Meinung, die sie zunehmend lauter kundtun. Werbung für sich kann Veh am späten Sonntagabend machen, wenn zum ersten Mal in der 53-jährigen Bundesligageschichte ein Spiel um 19.30 Uhr angepfiffen wird.

Den Auftakt der 23. Runde bestreiten am Freitagabend der 1. FC Köln und Hertha BSC. Zwei Teams, die vor allem Wert auf defensive Stabilität legen. Das verleitet den Hauptstadt-Coach zu der Einschätzung, "dass das Spiel von der Papierform wie ein 0:0 aussieht." Da müssen wir, bei allem Respekt vor Pal Dardai, einschreiten. Denn ein Blick in die Historie der Liga verrät: Noch NIE hat es ein torloses Duell gegeben, wenn Berlin beim 1. FC Köln gespielt hat. Und es kommt noch besser - zumindest für die Hauptstädter: Fünf der letzten sechs Spiele am Rhein hat die Hertha gewonnen, riecht verdammt nochmal nach einem 1:0 für den Tabellen-Dritten (!). Ein solch schmales Ergebnis ist in Mainz nicht zu erwarten, denn der stets offensiv eingestellte FSV hat die ebenfalls auf offensive eingestellten, mit einem 3:1-Erfolg gegen Lissabon gestärkten, allerdings derzeit ohne Cheftrainer Roger Schmidt reisenden Leverkusener zu Gast.

Brisanz oder Langeweile - was passiert sonst noch?

Tja, wo wird's brisant? Lassen Sie uns kurz überlegen … - in den folgenden Partien sicher nicht. Machen wir's also kurz. Der FC Augsburg empfängt Borussia Mönchengladbach. Die Schwaben haben sich am Donnerstag in Liverpool (0:1) sehr anständig aus dem Europapokal verabschiedet, was Coach Markus Weinzierl nahe an den Zustand der Euphorie versetzt: "Wir haben eine super Visitenkarte abgeliefert und können sehr viel Selbstvertrauen daraus ziehen. Wir haben gezeigt, dass wir auch international bestehen können. Das war der Höhepunkt unserer Entwicklung." Den hat die Borussia unter André Schubert möglicherweise schon hinter sich. Im Spätherbst 2015 wurde der ewige Interimscoach für jedes Spiel gefeiert. Diese Dauer-Party ist mittlerweile vorbei. Am Niederrhein herrscht zwar keine Katerstimmung, aber zumindest wieder biederer Alltag.

So wie beim Hamburger SV, der hatte Mitte der Hinrunde kurzzeitig Europapokal-Duft in der Nase, dümpelt aber derzeit im grauen Mittelfeld vor sich hin. Die positive Lesart: Das Relegations-Triple scheint in dieser Saison unwahrscheinlich. Gegner der Hamburger ist nun Ingolstadt. Eine unangenehme Aufgabe. Denn im heimischen Stadion kann das letzte verbliebene Gründungsmitglied der Bundesliga nicht gegen Aufsteiger gewinnen - die letzten drei Vergleiche gingen jeweils zu null verloren. Nach fünf Siegen in Serie ist auch der VfB Stuttgart wieder geerdet - wobei ein Punkt auf Schalke jetzt auch kein Grund ist, Trübsal zu blasen. Auf dem Weg vom Absteiger zum Europa-League-Teilnehmer war das 1:1 indes ein bitterer Dämpfer. Neue Fahrt will der Schwaben-Express im Heimspiel gegen die seit Wochen überforderten Hannoveraner aufnehmen. Und um zu verhindern, dass Trainerkollege Thomas Schaaf endlich seinen ersten Sieg einfährt, spielt VfB-Coach Jürgen Kramny den höflichen Mahner: Auf seine Männer warte ein "gefährliches Spiel. Hannover zu unterschätzen wäre der falsche Ansatz. Die wissen, dass ihnen die Spiele weglaufen." Jaja, stimmt alles. Aber bitte: Wir reden über Hannover, die selbst schon mehr über die 2. Liga als über den Klassenerhalt reden.

Für welchen Trainer wird's eng?

Wird Sandro Wagner zum Totengräber von Bremen? Sorgt der an der Weser so belächelte Ex-Stürmer dafür, dass Trainer Viktor Skripnik und seine Männer vom Relegations- auf einen Abstiegsrang rutschen? Möglich ist das. Ein Sieg der Lilien in Bremen und ein Erfolg der Hoffenheimer in Dortmund und Werder wäre am Tiefpunkt. Und die Statistik macht den Hansestädtern keine Hoffnung: Der SVW empfängt als schwächstes Heimteam der Liga den drittbesten Klub der Auswärts-Tabelle. In fünf Erstliga-Vergleichen gab's bislang nur einen Sieg gegen die Darmstädter, am 25. November 1978. Für Freunde des unnützen Wissens noch dies: Beim 3:0-Erfolg trafen Klaus Wunder, Jürgen Röber und Per Röntved. Tore hat auch Sandro Wagner für Bremen geschossen. Fünf an der Zahl. Und trotzdem war er nicht gut gelitten an der Weser. Ganz anders als in Darmstadt. Dort besticht der 28-Jährige mit der Form seines Lebens. Vergangene Woche ließ er mit seinem Kopfballtreffer Bayerns Ex-Nationalspieler Serdar Tasci alt aussehen. Es war bereits seine fünfte Bude mit dem Köpfchen (seine siebte insgesamt). Das ist nicht nur in der Bundesliga spitze, sondern auch in Europa. Wie die Kollegen vom "Kicker" herausgefunden haben, hat in den Top5-Ligen Europas nur ein Mann häufiger erfolgreich ins Tor geköpft: Real Madrids Hundert-Millionen-Euro-Mann Gareth Bale.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Was soll ich dazu sagen? Vielleicht haben die Leute gedacht, ich würde schon vor dem Spiel ausflippen." Leverkusens-Trainer Roger Schmidt auf die Frage, wie seine Gefühlslage war, als vor Beginn des Europa-League-Spiels gegen Lissabon ungefähr zwei Dutzend Kameras und Fotoapparate auf ihn gerichtet waren.

Quelle: n-tv.de

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