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Trainer Jens Keller unter Druck: Schalke ruft den Notstand aus

Von Stefan Giannakoulis

Eine peinliche Niederlage gegen den FC Bayern, schon brennt beim FC Schalke der Baum. Trainer Jens Keller weiß, dass er enorm unter Druck steht. Schließlich soll er den kriselnden Fußball-Bundesligisten wieder in die Champions League führen.

Jens Keller wusste hinterher durchaus, dass das jetzt nicht so gut war. Auch wenn es sich am Dienstag dieser Woche nur um ein Testspiel in Katar zweier Fußball-Bundesligisten handelte und der Gegner fein aufspielte. Aber dass der FC Bayern München, Test hin, Test her, gleich mit 5:0 gewinnt, war eher nicht der Plan der Gelsenkirchener. Und so sagte Schalkes Trainer: "Das war viel zu wenig. Ich will ein anderes Bild von der Mannschaft sehen." Da hat er Recht. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Wohl kaum. Sein Problem könnte sehr schnell werden, dass andere das auch wollen. Seine Chefs zum Beispiel.

Das Schalker Auftaktprogramm

gegen Hannover 96 am 18. Januar in der Bundesliga
beim FC Augsburg am 26. Januar in der Bundesliga,
gegen die SpVgg Greuther Fürth am 2. Februar in der Bundesliga
beim FC Bayern München am 9. Februar in der Bundesliga
beim FSV Mainz am 16. Februar in der Bundesliga
bei  Galatasaray Istanbul am 20. Februar im Achtelfinale der Champions League
gegen Fortuna Düsseldorf am 23. Februar in der Bundesliga
beim VfL Wolfsburg am 2. März in der Bundesliga
gegen Borussia Dortmund am 9. März in der Bundesliga
gegen Galatasaray Istanbul am 12. März im Achtelfinale der Champions League

Schließlich hatten die, allen voran Manager Horst Heldt und der Vorstandsv orsitzende Clemens Tönnies, Huub Stevens vor der Winterpause entlassen und den B-Jugend-Trainer Jens Keller am 16. Dezember befördert, damit der rettet, was zu retten ist. Und die Mannschaft erneut zur Qualifikation für die Champions League führt. Angesichts der Tatsache, dass die Schalker auf Platz sieben der Tabelle stehen, bereits fünf Punkte Rückstand auf Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund und sogar acht auf Bayer Leverkusen haben, klingt das leicht vermessen. Aber so denken sie anscheinend auf Schalke. Was die Aufgabe für Jens Keller nicht einfacher macht.

Sein Einstand im Achtelfinale des DFB-Pokals misslang, die Mannschaft verlor im eigenen Stadion mit 1:2 gegen den FSV Mainz. Damit haben die Schalker die jüngsten sieben Pflichtspiele nicht gewonnen, zum Auftakt der Rückrunde kommt am 18. Januar, also Freitag nächster Woche, Hannover 96 nach Gelsenkirchen. Jens Keller steht, und das ist beileibe keine Übertreibung, enorm unter Druck. Denn das, was sich die Verantwortlichen in der Profibranche gemeinhin von einem Trainerwechsel erhoffen, scheint wirkungslos zu verpuffen. Aufbruchsstimmung anders aus. Und hört sich auch anders an.

"So viele eklatante Fehler"

Kapitän Benedikt Höwedes sagte nach der Niederlage gegen die Bayern: "So darf man sich auch in einem Testspiel nicht präsentieren, so viele eklatante Fehler darf man sich nicht leisten." Zu offensiv, zu unbedarft habe die Mannschaft gespielt. "Wir haben etwas probiert, was gegen die Bayern nicht spielbar ist. In der Halbzeit haben wir uns gesagt, dass es so nicht weitergeht und wir nicht mehr so hoch attackieren dürfen." Klingt nach Notstand. Und wenn dann noch der unvermeidliche Ex-Schalker Olaf Thon zu Wort meldet, ist die Kakophonie perfekt. "Das Ergebnis gegen Bayern stimmt mich ein bisschen ängstlich", sagte der Mann, der 1990 mit Deutschland Weltmeister wurde.

Jens Keller macht derweil das, was ein Trainer in seiner Lage mutmaßlich machen muss. Er versucht zumindest, der Lage etwas Positives abzugewinnen. Dem Fachmagazin "Kicker" sagte er auf die Frage, ob er sich von den Spielern im Stich gelassen fühle: "Nein, überhaupt nicht. Die Jungs ziehen in jeder Einheit voll mit. Und gegen die Bayern habe ich sehr, sehr gute Dinge gesehen. Etwa das frühe Pressing und die Chancen in den ersten Minuten." Gleichzeit gesteht er aber seine Machtlosigkeit ein, wenn er konstatiert: "Aber dann waren einige so heiß, dass die dachten, sie könnten die ganze Zeit weiter so früh draufgehen. Das war so aber weder vorgeben noch abgesprochen und geht gegen die Bayern natürlich nicht."

Aufschlussreich ist auch, was Horst Held zu Protokoll gab: "Es geht nicht um eine Philosophie, es geht um Ergebnisse." Allerdings stellte er sich im Interview mit der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" demonstrativ vor den Trainer: "Ich beurteile die Arbeit von Jens Keller  danach, wie er sich bei der Mannschaft präsentiert: Und da kann man  einfach nicht außer Acht lassen, dass er das gut macht und den  Spielern einen Plan mitgibt. Ich bin überzeugt, dass seine Arbeit fruchten wird."

Eine gute Woche hat Jens Keller noch, sein Team auf Kurs zu bringen. Und angesichts der Personalmisere darf er darauf hoffen, dass er noch mindesten einen guten neuen Spieler bekommt. Ibrahim Afellay und Christoph Moritz fallen mehrere Wochen verletzt aus. Kyriakos Papadopoulos fehlt nach einer Operation am Knie schon länger. Atsuto Uchida, Christoph Metzelder und Marco Höger sind angeschlagen, sie fehlten gegen die Bayern ebenso wie Jefferson Farfán, der noch einen Trainingsrückstand aufweist. Und zudem sind Klaas-Jan Huntelaar und Jermaine Jones beim Start gegen Hannover gesperrt. Also verspricht der Manager Hilfe, formuliert das allerdings nicht allzu offensiv: "Wir werden versuchen zu agieren." Ein schönes Motto für die Rückrunde. Aber auch Jens Keller weiß: "Wir haben wenig Zeit."

Quelle: n-tv.de

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