Freitag, 10. September 2010
Unbefristeter Streik droht: Streit in Serie-A eskaliert
Italiens Fußballer gehen im Streit um eine Reform der Transferregeln gegen ihre eigenen Clubs auf die Barrikaden. Auf die Beschneidung ihrer Rechte reagieren sie mit einem Ausstand - und wollen streiken, bis eine Einigung erzielt ist.
Wollte nicht zum AC Milan: Fabio Grosso, Verteidiger in Diensten von Juventus Turin.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
"Basta!" Italiens Fußballer streiken. Am fünften Spieltag der Serie A werden die Profis am 25. und 26. September die Arbeit verweigern, weil sie sich von den Clubs nicht wie Handelsware verkaufen lassen wollen. "Wir sind es leid, wie Objekte behandelt zu werden", erklärte Massimo Oddo im Namen der italienischen Fußballergewerkschaft (AIC) in Mailand. Die Kicker rebellieren im Streit um neue Transferregeln gegen ihre Vereine, die Spielertransfers in Zukunft auch gegen den Willen der betroffenen Fußballer möglich machen wollen. Es werde so lange gestreikt, bis man sich einige, kündigte der Abwehrspieler des AC Mailand an.
Die Kicker drohen mit einem Herbst ohne Fußball und sagen damit ihren Clubs den Kampf an. Die Fronten sind genauso verhärtet, wie geschlossen: Alle Mannschaftskapitäne der Serie A haben die von Oddo verlesene Streik-Ankündigung unterzeichnet. Darin beklagen sie, dass "ihre Menschenrechte" beschnitten würden, wenn sie über ihre Köpfe hinweg von einem Club zum anderen verkauft werden.
Das Ende der Freizügigkeit
Tatsächlich versuchen die Vereine, die Rechte ihrer Spieler durch die Einführung eines neuen Standardvertrags drastisch einzuschränken. Ein Fußballer soll demnach einen Wechsel nicht mehr verweigern dürfen, wenn er dadurch keine finanziellen Einbußen erleiden und der neue Club sportlich ähnlich stark einzuschätzen ist. Sollte er den Transfer dennoch ablehnen, soll der Verein den Spielervertrag mit sofortigen Wirkung kündigen können. Der Fußballer bekäme dann nur noch eine Entschädigungszahlung in Höhe von 50 Prozent seines bis zum Vertragsende vereinbarten Spielergehalts.
Juventus Turins Anwalt Michele Briamonte hatte diese "Wer nicht zustimmt, fliegt raus"-Reform ausgetüftelt - und alle Serie A-Clubs waren einverstanden. Die 20 Erstligisten stimmten dem "Transfer-Freifahrtschein" bei einem Treffen in Mailand zu. Am kommenden Montag wollen sie die Neuregelung auf einer Sitzung des Fußballverbands in Rom der AIC offiziell vorschlagen. AIC- Präsident Sergio Campana wird die geplante Reform ablehnen und vor den Folgen eines längeren Fußballerstreiks warnen.
Hintergrund der angestrebten Reform sind die Erfahrungen einiger Top-Vereine in diesem Sommer. So weigerte sich Weltmeister Fabio Grosso von Juventus Turin zum AC Mailand zu wechseln, obwohl sich die Clubs einig waren. Dem Verteidiger hätte durch den Vereinswechsel weder ein finanzieller, noch ein sportlicher Abstieg gedroht. Einziges Problem: Grosso wollte nicht zu Milan.
Bernhard Krieger, dpa
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