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Auf der Suche nach Tanzpartnern: Franck Ribéry und Arjen Robben.
Auf der Suche nach Tanzpartnern: Franck Ribéry und Arjen Robben.(Foto: imago/Team 2)

Turin kommt zur Unzeit: So kann der FC Bayern Juve stoppen

Von Constantin Eckner

Das Juventus Stadium ist Schauplatz für die erste Partie zwischen Turin und dem FC Bayern im Achtelfinale der Champions League. Juve ist in Top-Form, die Münchner gehen am Stock. Kann der Bundesligist Pogba und Co. stoppen?

Ersatzgeschwächt, verletzungsgebeutelt, defensiv nicht sattelfest - es gibt genügend negative Attribute, um die Situation des FC Bayern zu beschreiben. Doch die gute Nachricht ist, zumindest für alle, die es mit den Münchnern halten: Wenn ein Trainer in Not improvisieren kann, dann Josep Guardiola. Allerdings: Gegen den FC Barcelona in der vergangenen Saison im Halbfinale der Fußball-Champions-League, als ebenfalls viele Spieler verletzt fehlten, ist es ihm nicht gelungen, die richtige Aufstellung und das passende taktische Schema zu finden.

In dieser Formation könnte Juve gegen den FC Bayern antreten. Auffällig ist die asymmetrische Ausrichtung, da Paul Pogba meist über den Halbraum vorrückt, während sich Juan Cuadrado auf der anderen Seite wie ein Flügelstürmer verhält.
In dieser Formation könnte Juve gegen den FC Bayern antreten. Auffällig ist die asymmetrische Ausrichtung, da Paul Pogba meist über den Halbraum vorrückt, während sich Juan Cuadrado auf der anderen Seite wie ein Flügelstürmer verhält.

Das nun anstehende Duell mit Juventus im Achtelfinale (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) kann sich entweder zu einem zweiten Barcelona entwickeln oder am Ende dazu führen, dass die Bayern einmal mehr Skeptiker und Kritiker verstummen lassen. Die nach den Ausfällen zahlreicher Schlüsselspieler, darunter die Innenverteidiger Jérôme Boateng, Holger Badstuber und Javi Martínez, gedämpfte Stimmung erschiene wohl ein wenig positiver, wäre Juve in den vergangenen Wochen und Monaten nicht über seine Gegner in beeindruckender Manier hinweg gerollt. Nach einem Sommer voller bedeutsamer Abgänge - Andrea Pirlo, Arturo Vidal, Carlos Tévez - und einem schwachen Saisonstart schwang sich die "Vecchia Signora" dazu auf, in der italienischen Serie A eine Serie von 15 Siegen am Stück hinzulegen. Diese endete erst vergangenen Freitag mit einem torlosen Remis beim FC Bologna. Nichtsdestotrotz vermochte es Trainer Massimiliano Allegri zuletzt, die nahezu perfekte Verbindung zwischen individueller Klasse und taktischer Flexibilität zu finden. Der 48-jährige Coach wechselt häufig und gerne zwischen einzelnen Formationen, stellt je nach Verfügbarkeit der Verteidiger auf Dreier- oder Viererkette um und positioniert seine Mittelfeldakteure entweder auf einer Linie oder in der Raute.

In der ersten Pressingphase sollten sich die Bayern im Zentrum zusammenziehen. Anstatt die Turiner Außenverteidiger zu verfolgen, würden die beiden bayerischen Flügelstürmer in die Mitte rücken. Sollte Juve jedoch Räume erobern, müssten die Münchener die Außenbahnen besetzen. Der tiefe Sechser könnte zur Unterstützung zwischen die Innenverteidiger rücken.
In der ersten Pressingphase sollten sich die Bayern im Zentrum zusammenziehen. Anstatt die Turiner Außenverteidiger zu verfolgen, würden die beiden bayerischen Flügelstürmer in die Mitte rücken. Sollte Juve jedoch Räume erobern, müssten die Münchener die Außenbahnen besetzen. Der tiefe Sechser könnte zur Unterstützung zwischen die Innenverteidiger rücken.

Da Juventus' Abwehrrecke Giorgio Chiellini höchstwahrscheinlich gegen die Bayern ausfallen wird, deutet heute in Turin alles auf eine Viererkette in diesem Hinspiel hin. Vor dieser agieren in der Regel Sami Khedira und Claudio Marchisio. Letzterer ist mit seiner Spielintelligenz und seinen Verlagerungspässen der legitime Nachfolger von Andrea Pirlo. Khedira verrichtet viel Laufarbeit und stopft Löcher im Mittelfeld. Halblinks agiert derweil Paul Pogba. Das 22-Jährige steht sinnbildlich für den Spielstil der Turiner. Einerseits verfügt er über herausragende technische Fähigkeiten, ist aber zudem ein großartiger Athlet. Pogba kann den feinen Ball spielen oder einfach mit seinem wuchtigen Körper in die gegnerische Verteidigung rennen. Juventus lässt das Leder normalerweise auf hohem Niveau zirkulieren, lebt aber ebenso von der Physis in allen Mannschaftsteilen.

Genau das kann den Münchnern nicht schmecken. In der Abwehrreihe haben die Ausfälle zuletzt dazu geführt, dass die Verteidigungslinie teilweise nur aus kleingewachsenen Spielern à la Joshua Kimmich bestand. Lediglich Winterzugang Serdar Taşçı verfügt über die Physis eines klassischen Innenverteidigers. Da kommt es Guardiolas Team gewiss nicht gelegen, dass der Ex-Münchener Mario Mandžukić, ein bekanntlich kopfballstarker Mittelstürmer, rechtzeitig wieder fit ist. Allegri kann also zwischen ihm, dem äußerst dribbelstarken Paulo Dybala sowie Álvaro Morata, einem unangenehm zu verteidigenden Halbstürmer, bei der Besetzung der Doppelspitze wählen.

Doch bei all den Abwehrproblemen darf man nicht vergessen: Im Mittelfeld verfügen sie beim FC Bayern über grandiose Techniker, die es aber nicht auf einen physischen Schlagabtausch ankommen lassen dürfen. Denn genau hier besteht die Gefahr, dass die Münchener womöglich in beiden Partien mehr Ballbesitz haben, aber in defensiven Umschaltsituationen die dynamisch vorstoßenden Pogba und Khedira nicht stoppen können. Natürlich werden die Bayern über 180 Minuten zu Torchancen und höchstwahrscheinlich auch zu Treffern kommen. Gerade der hüftsteife Innenverteidiger Andrea Barzagli ist ein aus Sicht der Bayern perfekter Tanzpartner für Arjen Robben oder Kingsley Coman.

Die Rechnung für Bayern kann allerdings nur aufgehen, sofern die eigene Abwehrkette so selten wie möglich im letzten Spielfelddrittel gefordert ist. Dazu dürfen sie Juves Mittelfeld keinen Zugriff gewähren und müssen sie zugleich mit Passstafetten mürbe machen. Für Guardiola, der bekanntermaßen in Auswärtspartien etwas vorsichtiger zu Werke geht, sollte das Credo nun erst recht lauten: Dominanz am Ball ist der Schlüssel.

Quelle: n-tv.de

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