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Samstag, 24. Oktober 2015

Sportausschuss lädt Niersbach ein: Sollte Zwanziger ausgeschlossen werden?

Bei der Aufarbeitung der WM-Affäre soll die Spitze des Organisationskomitees eine erklärende Mitteilung ohne Ex-Mitglied Theo Zwanziger in Planung gehabt haben. Derweil wehrt sich der ehemalige DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt gegen Zwanzigers Vorwürfe.

Das Organisationskomitee der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland soll im Zusammenhang mit der jüngsten Affäre eine erklärende Mitteilung ohne Mitwirkung des früheren OK-Mitgliedes Theo Zwanziger in Planung gehabt haben. Das behauptete Zwanzigers Anwalt Hans-Jörg Metz in einem Interview bei "Spiegel Online". Dabei berief er sich auf Schilderungen des ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes eines Telefonates mit dem damaligen OK-Vizepräsidenten für das operative Geschäft und ehemaligen DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt vom vergangenen Dienstag.

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Schmidt soll Zwanziger demnach verdeutlicht haben, dass WM-Chef Franz Beckenbauer, der OK-Vize und heutige DFB-Chef Wolfgang Niersbach und er selbst die ominöse 6,7-Millionen-Euro-Zahlung von 2005 ohne inhaltliche Beiträge des damals für Finanzen zuständigen OK-Vize Zwanziger erläutern wollten. "Herr Schmidt teilte mit", berichtete Metz in dem Interview, "dass eine Erklärung von Franz Beckenbauer käme, die zwar mit ihm, Schmidt, und Wolfgang Nierbach abgestimmt sei; auf eine Abstimmung mit Herrn Zwanziger werde aber kein Wert gelegt."

Schmidt findet's "ungeheuerlich"

Schmidt wies indes die Darstellung von Zwanziger über den Empfänger der umstrittenen Millionen-Zahlung im Vorfeld der WM 2006 zurück. Zwanziger hatte berichtet, dass Schmidt ihm in einem Telefonat diese Woche gesagt habe, dass die 6,7 Millionen Euro des damaligen Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus an Mohamad bin Hammam gegangen seien. "Es ist ungeheuerlich, dass Theo Zwanziger den Inhalt eines privaten Telefonats an die Öffentlichkeit bringt", sagte Schmidt der "Bild"-Zeitung. "Der Name bin Hammam ist möglicherweise gefallen. Aber ich werde nicht behaupten, dass er Empfänger des Geldes ist. Ich weiß es einfach nicht." Am Freitag hatte Zwanziger in einem "Spiegel"-Gespräch behauptet, dass "es eindeutig ist, dass es eine schwarze Kasse in der deutschen WM-Bewerbung gab."

Zwei Tage nach Zwanzigers mutmaßlichem Telefonat mit Schmidt hatte am vergangenen Donnerstag zunächst DFB-Präsident Niersbach auf einer Pressekonferenz in Frankfurt Erklärungen zu den weiter ungeklärten Abläufen der letztlich von Zwanziger abgezeichneten Millionen-Zahlung von 2005 abgegeben. Kurz danach verschickte auch Schmidt über seinen Anwalt eine persönliche Stellungnahme zu den Vorgängen.

Metz wies in dem Interview Vorwürfe gegen seinen Mandanten wegen angeblich persönlicher Motive für seine Korruptions- und Lügen-Behauptungen zurück. "Rache, das passt nicht in seine Vorstellunsgswelt", sagte Zwanzigers Rechtsvertreter. Vielmehr seien Zwanzigers Aussagen in der aktuellen "Spiegel"-Ausgabe zu den ungeklärten Vorgängen bei der WM-Organisation zwangsläufig, "weil nur so die Wahrheit auf den Tisch kommen kann, die zum Schutz meines Mandanten unerlässlich ist". Zuvor schon hätte "die offenkundige Täuschungsmaschinerie bestimmter Herren ja ihren Lauf" genommen. Ohne Zwanzigers Gedächtnisprotokoll, auf das der Spiegel sich in seiner jüngsten Berichterstattung bezieht, würde laut Metz "die Legendenbildung gegen ihn immer weitergeführt und die Wahrheit, um die es hier ja geht, auf der Strecke" bleiben.

Einladung für Niersbach

Unterdessen berichtet die "Frankfuter Allgemeine Zeitung" das der Sportausschuss des Deutschen Bundestages Präsident Wolfgang Niersbach wegen der WM-Affäre zu einer Befragung eingeladen hat. Demnach hat die Ausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag von der SPD während einer USA-Reise in Washington einen entsprechenden Termin für den 6. November bestätigt, nachdem die Grünen einen Antrag auf Befragung des Verbandschefs zu den Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit der Vergabe des WM-Turniers 2006 an Deutschland gestellt hatten. Grundsätzlich ist Niersbach nicht zur Wahrnehmung des Befragungstermines verpflichtet. Der Sportausschuss kann nur Einladungen aussprechen, besitzt allerdings kein Vorladungsrecht.

Quelle: n-tv.de

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