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Im spanischen Nationalteam ist Javi Martinez derzeit überflüssig.
Im spanischen Nationalteam ist Javi Martinez derzeit überflüssig.(Foto: picture alliance / dpa)

Nur beim FC Bayern unersetzlich: Spanien verschmäht Martinez

In München beim FC Bayern ist Javi Martinez ein Hauptgrund dafür, warum es vielleicht schon an Ostern mit der Meisterschaft klappt. Bei Welt- und Europameister Spanien ist der Defensiv-Allrounder hingegen nicht einmal mehr Ersatz. Er verschwindet einfach zu oft am Bildrand.

Vielleicht sollte Vicente del Bosque doch mal den weiten Weg nach München auf sich nehmen. In der "Weltstadt mit Herz" könnte sich der Trainer der spanischen Fußball-Nationalmannschaft in der ein oder anderen Bodega besten spanischen Wein gönnen, bei der Deutsch-Hispanischen Gesellschaft für die Beziehungen beider Länder werben und in den Räumen der spanischsprachigen Katholischen Mission Muße finden.

Jupp Heynckes mit Javi Martinez, einem seiner Lieblingsschüler bei den Bayern.
Jupp Heynckes mit Javi Martinez, einem seiner Lieblingsschüler bei den Bayern.(Foto: picture alliance / dpa)

Und: Er könnte Bayern-Profi Javi Martínez kicken sehen. Live. In Farbe. Im Stadion! Nicht nur auf dem TV-Bildschirm. Wer Martínez nur im Fernseher beobachtet, erkennt dessen wahren Wert nur bedingt. Der 24-Jährige, beschrieb die "Süddeutsche Zeitung" vor einigen Wochen treffend, sei ein "Bildrandspieler". Wenn die für den gewöhnlichen TV-Konsumenten aufregenden Bilder gezeigt werden - Tore oder Torchancen - ist Martínez nicht so häufig zu sehen. Seine Übersicht, seine strategische Dominanz, sein Stellungsspiel - all das findet in den Tiefen des (Fernseh-)Raumes statt und bleibt für den Fan oder Experten zu Hause meist unsichtbar.

Del Bosque stellte dem neunmaligen Nationalspieler Martínez am vergangenen Freitag ein Zeugnis aus, das nur den Schluss zulässt, dass er den Mittelfeldstrategen schon lange nicht mehr im Stadion spielen gesehen hat. "Javi Martínez spielt zwar bei Bayern, aber ich sehe, dass er absolut nicht in Topform ist", sagte er. Deshalb habe er Martínez nicht für die WM-Qualifikationsspiele gegen Finnland (1:1) und Frankreich nominiert. Und das, obwohl ihm gegen die Finnen in Xavi und Xabi Alonso zwei Mittelfeldspieler fehlten.

Anschauungsunterricht live

Die Spanier verloren wichtige Punkte und mussten am Dienstagabend ins "Endspiel" gegen die Franzosen in Paris, das sie knapp mit 1:0 gewannen. "Wenn ich sehe, dass er seinen Rhythmus erreicht, wird er für uns sehr wichtig sein", sagte del Bosque noch über "Xaver", wie Martínez in seiner neuen Heimat gerufen wird. Damit del Bosque bald genauer hinsehen kann, will Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge "ihn einladen, damit er sich Javi mal live anschauen kann". Live und in Farbe - und in der Arena.

Eigentlich hat del Bosque ja eine hohe Meinung von Martínez. Als die Münchner diesen im vergangenen Sommer für die Rekordsumme von 40 Millionen Euro von Athletic Bilbao holten, gratulierte er dem Klub. "Bayern wird viel Freude an ihm haben. Er ist ein Super-Spieler und großartiger Mensch, der geborene Anführer. Ein kompletter Spieler, er hat quasi das komplette Spielfeld im Auge", schwärmte er. Warum die Liebe über die Fern(seh)-Beziehung erkaltet ist, ist schwer zu erklären.

Ungeschlagen mit "Xaver"

Neben seiner Vielseitigkeit - Martínez kann auch im Abwehrzentrum spielen - spricht die Statistik für den Neu-Bayern. Mit Martínez verlor der FC Bayern in der Bundesliga noch kein Spiel, er bringt 92 Prozent seiner Pässe an den Mitspieler und gewann 61,5 Prozent seiner Zweikämpfe, in der Luft 74,3 - Top-Werte. Trotzdem hatte del Bosque ihn schon beim Testspiel gegen Uruguay (3:1) Anfang Februar nicht berücksichtigt.

Martínez selbst hat eine recht einfache Erklärung. "Wen soll der Trainer denn draußen lassen? Busquets? Xabi Alonso? Xavi?", fragte er vor zwei Wochen in einem Interview. Deshalb werde er "niemals das Gesicht verziehen, wenn ich bei diesem Team auf der Bank sitze". Im Moment sitzt Martínez vor dem Fernseher, von der Bildfläche verschwunden ist er aber nicht. Wenn er wieder topfit sei, sei er "ein Spieler mit sehr großer Zukunft in der Nationalmannschaft", sagte del Bosque.  Am Fernseher wird Spaniens Nationalcoach das aber nur schwer erkennen können.

Quelle: n-tv.de

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