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Marc-André ter Stegen: "Ich habe vier Gegentore bekommen und einen Fehler gemacht. Es hat in diesem Moment einfach nicht gepasst."
Marc-André ter Stegen: "Ich habe vier Gegentore bekommen und einen Fehler gemacht. Es hat in diesem Moment einfach nicht gepasst."(Foto: picture alliance / dpa)

Unfreiwillige Slapstick-Einlage gegen USA: Ter Stegen mutiert zur Lachnummer

Es ist bereits sein drittes unglückliches Spiel im Nationaltrikot. Auch bei der Partie gegen die USA muss Marc-André ter Stegen viermal hinter sich greifen und sorgt außerdem für eines der kuriosesten Eigentore in der Geschichte des DFB-Teams. Seine Chancen auf eine WM-Teilnahme sinken damit weiter.

Dieses Tor wird in keinem Jahresrückblick fehlen, es war purer Slapstick - Marc-André ter Stegen wäre nach seinem Blackout am liebsten im Erdboden versunken. Selten in der DFB-Historie hat es ein kurioseres Gegentor gegeben als jenes 0:2 gegen die USA im RFK-Stadium in Washington. Damit setzte sich eine äußerst unglückliche Beziehung zwischen dem jungen, eigentlich hoch veranlagten Torwart und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft fort.

In erst drei Länderspielen musste ter Stegen bereits zwölf Mal hinter sich greifen, alle 20 Minuten kassierte er ein Gegentor - seine Chance auf einen Platz im Kader für die WM 2014 dürfte fast schon dahin sein. Zumal im Kampf um die Nummer zwei und drei hinter Manuel Neuer starke Konkurrenz vorhanden ist: René Adler, Ron-Robert Zieler, aber auch Roman Weidenfeller.

Höhnischer Applaus von der Rängen

Die Rivalen dürften allerdings in jener 16. Minute mit dem Gladbacher Kollegen gefühlt haben. Nach einem harmlosen Rückpass von Benedikt Höwedes wollte der 21 Jahre alte Torhüter von Borussia Mönchengladbach den Ball mit dem Fuß annehmen, erwischte ihn aber nicht richtig. Der Ball kullerte über die Linie. Da half auch der verzweifelte Rettungsversuch per Grätsche nichts: Ter Stegen mutierte zur Lachnummer. Wutentbrannt holte er den Ball aus dem Netz und drosch ihn in Richtung Mittellinie. Doch damit nicht genug der Patzer: In der 23. Minute stolperte ter Stegen bei einem weiten Pass im Rückwärtslaufen - diese Aktion blieb allerdings ohne Folgen, abgesehen vom höhnischen Applaus für ihn, den es ab diesem Zeitpunkt von den US-Fans gab.

Von einem rabenschwarzen Tag, der es sicherlich war, wollte ter Stegen aber nichts wissen. "Das ist übertrieben, es war auf jeden Fall kein guter Tag. Ich habe vier Gegentore bekommen und einen Fehler gemacht. Es hat in diesem Moment einfach nicht gepasst", räumte "der arme Kerl", wie ihn US-Coach Jürgen Klinsmann mitleidig nannte, kleinlaut ein. Niemand müsse ihn trösten, "ich weiß, was passiert ist".

Torwarttrainer Köpke nimmt ter Stegen in Schutz

Die Kollegen und auch Torwarttrainer Andreas Köpke versuchten dennoch, ihn aufzumuntern - vergebens. Ter Stegen schlich schon zur Pause mit hängendem Kopf in die Katakomben, nicht ahnend, dass ein völlig missglückter Nachmittag noch nicht zu Ende war. War er beim 1:3 durch Clint Dempsey (60.) ebenso machtlos wie beim 0:1 durch Jozy Altidore (13.), so stand er beim Schuss des US-Kapitäns zum 1:4 (64.) etwas zu weit vor dem Tor und hatte dadurch kaum eine Abwehrchance.

"Das war ganz, ganz bitter für ihn", sagte deshalb auch Köpke, der aber nicht den Stab über ter Stegen brechen wollte: "Er ist jung, das passiert - Augen zu und durch. Daran müssen die Jungen wachsen. Wir werden ihn jetzt nicht fallen lassen." Auch Löw blieb gelassen: "Ich habe natürlich mitgefühlt. Er ist normal ein sehr guter Torwart, das muss er wegstecken." Ohnehin komme für alle, sagte Köpke, "jetzt erst die entscheidende Saison. Die Tür ist für keinen zu." Für einige aber steht sie auch nicht sehr weit offen - für ter Stegen etwa, aber auch für den Dortmunder Weidenfeller

Es bringe nichts, so Köpke, den im Champions-League-Finale überragenden Weidenfeller "als Nummer drei mitzunehmen". Das DFB-Team habe aber "in Manuel Neuer eine fantastische Nummer eins, auch René Adler hat eine ganz starke Saison gespielt", unterstrich der frühere Nationaltorwart. Was er dann anfügte, sprach auch nicht gerade für eine WM-Nominierung des 32 Jahre alten BVB-Keepers: "Auch in meiner Zeit gab es immer wieder sehr gute Torhüter, die nicht so zum Zug gekommen sind. Wir haben auf der Torhüterposition eine komfortable Situation."

Auch bei früheren Einsätzen ohne Glück

Für ter Stegen, an dem der FC Barcelona Interesse haben soll, ist die Situation bei der Nationalelf allerdings alles andere als komfortabel. Schon bei seiner Premiere am 26. Mai 2012 sah ter Stegen beim 3:5 gegen die Schweiz nicht besonders gut aus. Löw strich ihn anschließend aus dem Kader für die EM und gab neben Neuer Tim Wiese und Zieler den Vorzug. Seinen zweiten Einsatz absolvierte der Gladbacher dann gegen Argentinien, als er in der 30. Minute für Zieler kam, der wegen einer Notbremse die Rote Karte gesehen hatte. 1:3 hieß es am Schluss, ter Stegen hielt immerhin einen Foulelfmeter von Lionel Messi.

Dennoch: 240 Einsatzminuten sind es nun, mit zwölf Gegentoren - eine gelungene Bewerbung sieht anders aus.

Quelle: n-tv.de

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