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Wird bei Leicester immer mehr zur prägenden Figur: Abwehrkante Robert Huth.
Wird bei Leicester immer mehr zur prägenden Figur: Abwehrkante Robert Huth.(Foto: dpa)

Deutsche Legionäre im Formcheck: "The Berlin Wall" trotzt allen Attacken

Von Christoph Wolf & Tobias Nordmann

Was macht eigentlich Antonio Rüdiger? Die Antwort ist ganz einfach: Er ist der Allerbeste oder der Allerschlechteste. Diese Woche sieht's gut aus, anders als bei Sami Khedira. Mesut Özil liefert derweil eine komische Partie ab.

Gastarbeiter des Wochenendes

Antonio Rüdiger (AS Rom): Es hagelt wieder Oden für den Nationalspieler und seine Römer. Ganz aus dem Häuschen war nach dem 3:1 (2:1) beim FC Empoli etwa die "Gazzetta dello Sport". Die jubilierte nach der Rückkehr auf Platz 3: "Spalletti (Trainer Luciano Spalletti, d.Red) schaltet den sechsten Gang ein und AS Rom segelt auf Champions-League-Kurs." Da mochte die "La Repubblica" nicht nachstehen: "Spalletti hat eine ziellose Bande in ein Heer umgewandelt, das seit einem Monat nur Siege feiert: 18 Punkte und 18 Treffer in den letzten sechs Spielen."

Antonio Rüdiger wird von den italienischen Medien mal wieder mit Lob überhäuft.
Antonio Rüdiger wird von den italienischen Medien mal wieder mit Lob überhäuft.(Foto: imago/Ulmer)

Bei soviel Euphorie und falschen Sprachbildern fielen auch für Ex-Stuttgarter Rüdiger einige Lobkrumen ab, obwohl er gegen Empoli keineswegs die Rolle des Innenverteidigers neu erfand. "Tuttosport" schmeichelte dennoch verbal: "Rüdiger ist immer mehr ein entscheidendes Element in Spallettis Team." Heißt also: Entweder ein wichtiges Zahnrad oder ein tapferer Soldat. Oder einfach doch nur ein besserer Fußballer als bislang in Italien vermutet.

Gefeiert

Robert Huth (Leicester City): Die "Foxes" lassen einfach nicht locker und marschieren an der Spitze der Premier League weiter unbeirrt in Richtung erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Und einer wird in der entscheidenden Saisonphase immer mehr zur prägenden Gestalt: Robert Huth. Beim späten 1:0-Erfolg, das Tor durch Leonardo Ulloa fiel erst in der 89. Minute, hielt "The Berlin Wall" den Laden der "Foxes" zusammen: Spektakuläre Tacklings, ein überragendes Stellungsspiel und klare Kommandos an die Mitspieler - angesichts der Verletztenmisere deutscher Innenverteidiger ist Huth in der Form, ein Kandidat für die EM im Sommer zu werden.

Philipp Wollscheid (Stoke City): In der Tabelle hält Stoke als Achter Kontakt zu den Europacup-Rängen. Mitverantwortlich für die starke Saison der "Potters" ist Innenverteidiger Philipp Wollscheid. Beim mühsamen 2:1-Sieg gegen den Tabellenletzten Aston Villa spielte der 26-Jährige erneut einen fehlerfreien Part und war beim Gegentor schuldlos. Und während die Fans ihn bereits tief ins Herz geschlossen haben und singen: "He's Marc Hughes' man, he's better than Zidane. We've got Philipp Wollscheid", träumt der geadelte von einer Rückkehr in die Nationalmannschaft. Selbstbewusst erklärte er bereits Mitte Februar: "Ich bin der Meinung, dass eine Nominierung gerechtfertigt wäre, weil ich an mich glaube." Und weil er abliefert - gute Leistungen, Woche für Woche.

Kevin Trapp (Paris St. Germain): "Wir alle, auch ich, waren zu durchschnittlich", knarzte Paris-Coach Laurent Blanc nach dem 28. Spieltag bei Canal+: "Wir haben ein schwieriges Spiel erwartet - aber kein derartig schwieriges." Ganz richtig lag Blanc mit seiner Analyse allerdings nicht, den zumindest PSG-Keeper Kevin Trapp präsentierte sich gegen Olympique Lyon mit etlichen Glanzparaden überdurchschnittlich gut aufgelegt, bei den Gegentoren war er machtlos. Das reichte nur leider nicht, um die 1:2-Niederlage, die erste Pleite nach 36 ungeschlagenen Ligaspielen und damit auch Trapps Premierenniederlage in der Ligue 1 abzuwenden. Zuletzt hatte PSG daheim in Frankreich am 15. März 2015 verloren, mit 2:3 bei Girondins Bordeaux.

Gefragt

Emre Can macht's im Panenka-Stil.
Emre Can macht's im Panenka-Stil.(Foto: REUTERS)

Emre Can (FC Liverpool): Bester Liverpooler bei der Ligapokalniederlage gegen Manchester City. Rannte, kämpfte, grätschte und traf - als einziger "Reds"-Spieler im Elfmeterschießen. Und das auch noch äußerst sehenswert. Lässig cool chippte er den Ball im Panenka-Stil in die Tormitte. Keeper Willy Caballero, der sonst alle Elfmeter parierte, war gegen den frechen Lupfer des deutschen Nationalspielers machtlos. Geholfen hat der mutig-starke Auftritt nichts. Klopps Männer vergeigten die erste Titelchance der Saison und der Ex-BVB-Trainer bekannte danach freimütig: "We feel like rubbish." ("Wir fühlen uns wie Müll.")

Nebendarsteller

Mario Gomez (Besiktas Istanbul): 16 Saisontore in der türkischen Süper Lig für Besiktas sind eine sehr ordentliche Ausbeute. Genug sind sie Mario Gomez nicht. Schon vor dem Spitzenspiel am Montagabend gegen Fenerbahce Istanbul, das mit 0:2 verloren ging und ein Rückspiel im Kampf um die Meisterschaft bedeutet, tat er via "Bild am Sonntag" kund, wonach er sich wirklich sehnt: Joachim Löws Fußballnationalmannschaft, mit der er im Sommer zur EM nach Frankreich fahren möchte.

"Ich weiß, wenn ich bei 100 Prozent bin, dann habe ich gute Chancen dabei zu sein - und genau in dieser Situation befinde ich mich jetzt", lobte sich der 30-Jährige selbst: "Ich bin topfit und mein Körper funktioniert. Das Vertrauen in meine Qualität habe ich immer, aber das Vertrauen in meinen Körper war ein bisschen weg - und dieses Vertrauen habe ich jetzt wieder." Und außerdem: "Die WM hat doch eines gezeigt: Es gibt bei einem großen Turnier nicht nur elf, sondern 23 wichtige Spieler." Werbung für sein Vorhaben konnte er gegen Fenerbahce indes nicht machen. Bis auf eine gute Szene kurz nach der Pause, als er den Ausgleich auf dem Fuß hatte, aber an Keeper Volkan Demirel scheiterte, blieb Gomez unauffällig.

Nicht zufrieden mit sich in dieser Woche: Miroslav Klose.
Nicht zufrieden mit sich in dieser Woche: Miroslav Klose.(Foto: imago/Insidefoto)

Miroslav Klose (Lazio Rom): Vergangene Woche feierten wir den alternden Weltmeister als Gastarbeiter des Wochenendes. In der Liga zwar nur eingewechselt und ohne Erfolgserlebnis wurde Klose von den italienischen Medien für sein Engagement und seinen Zug zum Tor hoch gelobt. Noch besser lief es in der Europa League am Donnerstag, als er sein erstes Saisontor erzielte und gegen Galatasaray Istanbul den Treffer zum 3:1-Endstand beisteuerte. Doch die guten Leistungen konnte er nicht in das Ligaspiel am Montagabend retten. Bei der 0:2-Heimniederlage gegen Tabellennachbar Sassuolo stand Klose zwar in der Startelf, blieb aber ohne auffällige Aktion und wurde nach 76. Minuten ausgewechselt. Durch die Niederlage ist Lazio bereits auf Rang acht abgerutscht.

Mesut Özil (FC Arsenal): Tja, schon komisch, was der Spielmacher der "Gunners" da bei der Niederlage gegen Manchester United zeigte. Mit einem schönen Freistoß bereitete er das 1:2 vor, den 2:3-Endstand erzielte er selbst. Ein Tor und eine Vorlage, das schaffte Özil erst zum zweiten Mal in seiner Arsenal-Karriere. Und dennoch: Mehr kam nicht. Das Spiel des FC konnte er nicht antreiben, seine Ideen wirkten uninspiriert und waren nicht besonders mutig vorgetragen. Ein insgesamt nur durchschnittliches Spiel des Weltmeisters - das hat er diese Saison schon deutlich besser hinbekommen.

Unglücklich

So dynamisch wie in dieser Szene war Toni Kroos im Madrider Derby selten.
So dynamisch wie in dieser Szene war Toni Kroos im Madrider Derby selten.(Foto: imago/Alterphotos)

Toni Kroos (Real Madrid): Der Trainer entzaubert, unflätige Flüche, enttäuschte Fans und ein geschmähter Präsident: Es läuft nicht rund bei Real Madrid und nach der 0:1-Derbyheimpleite gegen Atletico läuft alles darauf hinaus, dass der spanische Meister in dieser Saison erneut nicht Rekordmeister Real sein wird. Auch, weil Weltmeister Toni Kroos wenig weltmeisterlich agierte. "Unverzeihliche Ballverluste" hielt "Marca" dem Ex-Bayern vor, der sich via Twitter angemessen geknickt über das 0:1 zeigte - weil Real unglücklich verloren habe. "Nicht das Ergebnis, dass wir in diesem Spiel verdient gehabt hätten", zwitscherte Kroos und widersprach damit seinem Coach Zinedine Zidane. Der entzauberte Franzose setzte nach Spielende zum Kopfstoß gegen das eigene Team an, wenn auch nicht derart selbstzerstörerisch wie sein Super-Schmollie Cristiano Ronaldo: "Ein Derby auf diese Weise zu verlieren, ist scheiße", schimpfte Zidane und hielt seinen Profis mangelnde Einstellung vor. Er fand: "Man hätte mehr rennen müssen." Das allerdings ist eine der Disziplinen, die Toni Kroos am Fußball gar nicht mag.

Shkodran Mustafi (FC Valencia): Vorbei ist die kleine Serie, Mustafi ist mit Valencia nach vier Pflichtspielsiegen wieder aus dem Tritt geraten. Die Elf von Trainer Gary Neville verlor gegen Athletic Bilbao mit 0:3 und ist als Tabellenzwölfter den Abstiegsplätzen näher als den Europacup-Rängen. Der deutsche Weltmeister passte sich dem schwachen Niveau seiner Kollegen an und verlor seinen Gegenspieler vor dem 0:1 aus den Augen.

Geschmäht

Sami Khedira (Juventus Turin): Während Antonio Rüdiger in Rom zum Medienliebling reift, läuft die Entwicklung für Sami Khedira andersrum. Er wird zum Lieblingsopfer von Italiens Presse, die nach Juventus' 2:0-Erfolg gegen Inter Mailand fröhlich auf ihn einprügelte. "Zögerlich! Khedira scheint sich von seiner letzten Verletzung nicht erholt zu haben", ätzte die "Gazzetta dello Sport" und gab dem Weltmeister die schlechteste Note aller Juve-Spieler. Einmal am Boden liegend, setzte es auch von "La Repubblica" einen Fußtritt, die befand: "Er wirkte völlig verunsichert und stand im Schatten von Kondogbias Muskeln."

Pausenraum

Per Mertesacker (FC Arsenal): Wer lässt schon einen fitten Weltmeister im Topspiel gegen Manchester United 90 Minuten auf der Bank schmoren? Nun, Arsenal-Coach Arsene Wenger zum Beispiel. Der fand Mertesacker in seiner Abwehrzentrale verzichtbar, was diesen mäßig gefreut haben dürfte. Ebenso wie das Endergebnis von 2:3, das den Meisterhoffnungen der "Gunners" einen empfindlichen Dämpfer versetzte.

Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul): Musste gelbgesperrt pausieren und mit ansehen, wie seine Teamkollegen den nächsten Tiefschlag kassierten. Nach dem Europaliga-Aus gegen Lazio Rom sorgte Gaziantepspor für die nächste Ernüchterung bei Galatasaray, das 0:2 verlor. Als Fünfter der Süperlig mit 37 Punkten ist der Meisterzug längst abgefahren. Schlimmer noch: Selbst die Europa-League-Qualifikation wackelt.

Quelle: n-tv.de

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