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Mit dem Song "You'll never walk alone" und einer Schalparade gedachten die BVB-Fans des verstorbenen Zuschauers. Zuvor hatten sie aus Respekt während der zweiten Halbzeit geschwiegen.
Mit dem Song "You'll never walk alone" und einer Schalparade gedachten die BVB-Fans des verstorbenen Zuschauers. Zuvor hatten sie aus Respekt während der zweiten Halbzeit geschwiegen.(Foto: REUTERS)

"Spiel rückt in den Hintergrund": Tod eines Fans überschattet BVB-Sieg

Mit einer dominanten Vorstellung erspielt sich Borussia Dortmund einen Heimsieg gegen Bayern-Bezwinger Mainz. Doch Fußball wird aufgrund eines tragischen Todesfalls im Stadion zur Nebensache. Die Fans beider Teams reagieren auf beeindruckende Weise.

Tragik und Trauer statt Freude über den Heimsieg: Marco Reus hat für Borussia Dortmund zwar auch seinen Lieblingsgegner FSV Mainz 05 geknackt. Der Nationalspieler leitete mit seinem zehnten Saisontor (30.) den 2:0-Heimsieg des BVB ein. Zwei tragische Zwischenfälle im Stadion ließen Dortmunds Triumph aber zur Nebensache werden: Während der ersten Halbzeit war auf der Südtribüne ein 79-jähriger Fan mit einem Herzinfarkt zusammengebrochen und gestorben. Eine zweite Person erlitt ebenfalls einen Herzinfarkt. Sie wurde erfolgreich reanimiert und ins Krankenhaus gebracht und soll sich jetzt in stabilem Zustand befinden.

Das Spiel lief weiter, doch als sich die schlimmen Nachrichten herumsprachen, herrschte gespenstische Stille auf den Rängen. Aus Respekt vor den Betroffenen stellten die Fans im Stadion ihre Gesänge ein und rollte auch ihre Banner ein.

Nach 30 Minuten gespenstischer Stille erhoben sich die 81.000 Zuschauer im Dortmunder Stadion kurz vor Schluss von ihren Sitzen, hoben ihre Schals in die Höhe und stimmten "You'll never walk alone" an. Nach dem Spiel standen die BVB-Profis Arm in Arm vor der Südtribüne, einige hatten Tränen in den Augen. BVB-Stadionsprecher Norbert Dickel teilte mit brüchiger Stimme mit: "Der BVB dankt allen Fans für das respektvolle Verhalten, insbesondere auch den Mainzern."

"Kompliment an die Zuschauer"

"Das ist tragisch und rückt das Spiel natürlich in den Hintergrund", sagte Torschütze Reus sichtlich bewegt im Bezahlsender Sky: "Wir Spieler haben zunächst gar nichts davon mitbekommen und waren wegen der Stille im Stadion irritiert." Auch Schiedsrichter Deniz Aytekin habe ihn während der Partie gefragt, was los sei, berichtete Reus. Erst nach dem Abpfiff wurden die Spieler informiert: "Direkt nach dem Spiel ist der Trainer auf uns zugekommen und hat uns aufgeklärt. Da rückt das Spiel natürlich in den Hintergrund. Kompliment an die Zuschauer, wie sie reagiert haben."

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Denn sportlich hätten die BVB-Fans während des Spiels allen Grund zum Jubel gehabt. Der BVB dominierte Mainz über weite Strecken und ging durch Reus in der 30. Minute in Führung. Für den Nationalspieler war es das sechste Tor zum 1:0 in der laufenden Bundesliga-Saison. Das 2:0 erzielte Shinji Kagawa (73.), durch den Erfolg verkürzte der BVB den Rückstand auf den FC Bayern wieder auf fünf Punkte.

Die Gäste, eigentlich Experten für Siege gegen Spitzenmannschaften, liegen trotz der Niederlage auf einem Europa-League-Platz. In der Rückrunde hatten sie zuvor Borussia Mönchengladbach, Schalke, Leverkusen und die Bayern bezwungen. Mit dem Anpfiff vor 81.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena begann für den BVB das erwartete Geduldsspiel. Die eng gestaffelten Mainzer, in neun vorherigen Anläufen ohne Sieg in Dortmund, schauten sich den gegnerischen Aufbau ganz ruhig an und waren zur Stelle, wenn der Pass in die Tiefe oder die schnelle Kombination gespielt wurden. Vorne lauerten wechselweise Jhon Cordoba oder Jairo Samperio einsam auf den langen Ball.

Tuchel vertraut auf seine Stammelf

Vor der fünften englischen Woche in Serie hatte BVB-Trainer Thomas Tuchel gegen seinen Ex-Klub (2009 bis 2014) auf eine größere Rotation verzichtet. Rückkehrer Sokratis ersetzte den verletzten Sven Bender in der Innenverteidigung ohne Qualitätsverlust, Nuri Sahin gab für den angeschlagenen Ilkay Gündogan den Sechser im 4-1-4-1, Kagawa kam für Lukasz Piszczek. Martin Schmidt wechselte auf drei Positionen, der vom BVB umworbene Yunus Malli stand in der Startelf. Malli war auch der erste Mainzer, der sich mit Ball in den BVB-Strafraum wagte (20.) - kurz vor der ersten Chance der Gastgeber durch Marcel Schmelzer (23.).

Anschließend erkämpfte sich Mainz etwas häufiger den Ball, ab und an sagte Schmidt auch Pressing an. Defensiv verschoben die Gäste nahezu perfekt - bis zur ersten Unachtsamkeit, die Gonzalo Castro für einen Traumpass auf Reus nutzte: 1:0 durch den Mann, der so häufig das erste Tor erzielt.

Die zweite Halbzeit begann mit einer Großchance Kagawas (46.), was gleich wieder die Richtung vorgab. Auch Pierre-Emerick Aubameyang scheiterte jeweils nach Reus-Vorlage dreimal in sechzig Sekunden an 05-Torhüter Loris Karius (51./52.). Aus traurigem Grunde hatten die BVB-Fans zu diesem Zeitpunkt ihre Gesänge eingestellt und ihre Banner eingerollt.

BVB-Präsident Reinhard Rauball dankte den Zuschauern nach dem Spiel für ihre respektvolle Reaktion. "Wie die Fans in diesem Moment die Würde in den Vordergrund stellen und ihre Trauer zelebriert haben, alle Fans im Stadion, das habe ich so noch nicht erlebt", sagte Rauball: "Diesen Fans gilt mein allerhöchster Respekt." Er habe die Fans "häufig mal kritisiert, wenn es Randale gab oder ähnliches. Heute sage ich: Was die an Ehre in sich haben, was sie fühlen, welches Gespür sie haben, das kann man nicht besser zum Ausdruck bringen."

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Quelle: n-tv.de

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