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"Du kriegst zwei Bälle aufs Tor und kannst nichts machen": Lars Unnerstall.
"Du kriegst zwei Bälle aufs Tor und kannst nichts machen": Lars Unnerstall.(Foto: dapd)

Schalker Torwart trotzt Arsenal: Unnerstall rettet und bleibt cool

Beim Remis gegen den FC Arsenal in der Fußball-Champions-League rettet ausgerechnet der umstrittene Torwart Lars Unnerstall dem FC Schalke 04 mit einer Glanzparade in der Nachspielzeit den Punkt. Und behauptet hinterher, Kritik würde er ganz einfach ausblenden.

Nach dem Abpfiff blieb Lars Unnerstall genauso cool wie bei seiner Rettungstat in allerletzter Sekunde. "Solange nur die Presse meine Leistung infrage stellt und nicht der Trainer, ist mir das egal", sagte der Torwart von Schalke 04 nach dem 2:2 (1:2) in der Champions League gegen den FC Arsenal und fügte schmunzelnd an: "Wenn man nicht viel liest, muss man auch nicht viel ausblenden." Der 22-Jährige, vor allem nach dem unnötigen 2:3 in der Bundesliga bei der TSG Hoffenheim in die Kritik geraten, hatte schon in der Nachspielzeit die Ruhe bewahrt und eine erneute Last-Minute-Pleite der Königsblauen verhindert. Als Theo Walcott nach einer Schalker Fehlerserie plötzlich frei vor ihm auftauchte, blieb Unnerstall einfach stehen - der Ball flog nicht ins Tor, sondern gegen sein Schienbein.

"Es heißt: Der hält keine Unhaltbaren. Aber die Spiele waren nicht so ausgelegt. Du kriegst zwei Bälle aufs Tor und kannst nichts machen", sagte der umstrittene Schalker Keeper und gab damit doch zu, die Kritik gelesen zu haben. "Umso mehr freue ich mich, dass ich der Mannschaft jetzt mal helfen konnte." Dabei erlebte er gegen den 13-maligen englischen Meister lange Zeit ein Deja-vu. Arsenal nutzte gleich die ersten beiden Torchancen durch Walcott (18.) und Olivier Giroud (26.) zu einer 2:0-Führung, die dem Spielverlauf hohnsprach. Beide Male war Unnerstall machtlos, beide Male ließen ihn seine Vorderleute schmählich im Stich. Chancen, sich auszuzeichnen, hatte er auch danach nicht. Denn die Schalker drängten den Champions-League-Stammgast phasenweise regelrecht an die Wand, kamen durch Klaas-Jan Huntelaar (45.+2) und den überragenden Jefferson Farfán (67.) zum hochverdienten Ausgleich - und hätten in allerletzter Sekunde beinahe wieder alles verloren.

"Heute war ein Torwart im Tor, habt ihr das gesehen?"

"Das war noch mal eine Schrecksekunde", sagte Sportvorstand Horst Heldt, atmete kräftig durch und spendete Unnerstall ein Sonderlob: "Da muss man erstmal die Coolness haben, so stehen zu bleiben. Er hat uns das Unentschieden gerettet." Bestätigt fühlen durfte sich auch Trainer Huub Stevens, der aller Kritik zum Trotz an Unnerstall festgehalten hatte. Ex-Nationaltorwart Timo Hildebrand, zu Saisonbeginn die Nummer eins, dann verletzt und zuletzt deutlich frustriert, saß wieder nur auf der Bank. "Heute war ein Torwart im Tor, habt ihr das gesehen?", sagte der Niederländer, als in der Pressekonferenz die zuletzt so häufig gestellte T-Frage ausblieb. Nicht überzeugt von der Entscheidung des Trainers waren auch viele der 54.142 Zuschauer in der ausverkauften Arena.

Wenn Unnerstall nach einem Rückpass den Ball am Fuß hatte, wurde das Murren von Minute zu Minute lauter. Statt schnell den nächsten Angriff einzuleiten, schoss der Keeper den Ball meist unplatziert zum Gegner. Die Zweifel, ob der mitunter ungelenk und langsam reagierende 1,98-m-Mann tatsächlich besser als Hildebrand ist, blieben. "Es ist eine schwierige Situation", gab Unnerstall zu. Auch die letzten Zweifel am Achtelfinaleinzug konnten die Schalker noch nicht ausräumen. Nachdem sie den ersten Matchball vergeben haben, bekommen sie als Tabellenführer der Gruppe B am 21. November im Heimspiel gegen Olympiakos Piräus die nächste Chance. "Es ist ganz einfach: Wir müssen gewinnen und sind weiter", sagte der erneut starke Ibrahim Afellay.

Um im dritten Anlauf endlich den ersten Heimsieg in der Königsklasse zu schafften, sollten die Königsblauen möglichst ihre teilweise haarsträubenden Abwehrfehler abstellen. "Wir lassen wenig zu. Aber wenn, dann sind es hochkarätige Chancen", stellte Unnerstall fest und riet seinen Vorderleuten: "Da muss man auch einfach mal den Ball auf die Tribüne hauen." Unzufrieden war Lukas Podolski nach seiner Rückkehr in ein Bundesligastadion. "Wenn man 2:0 auswärts führt, muss man das mit nach Hause nehmen", sagte der Ex-Kölner, der den zweiten Arsenal-Treffer mit einer genauen Flanke vorbereitet hatte, "aber es war ein Schritt nach vorne."

Quelle: n-tv.de

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