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Wählerstimmen-Wilderei bei der Anti-Videobeweis-Fraktion: Martin Schulz hat doch noch eine Chance!
Wählerstimmen-Wilderei bei der Anti-Videobeweis-Fraktion: Martin Schulz hat doch noch eine Chance!(Foto: imago/Sven Simon)
Freitag, 22. September 2017

So läuft der sechste Spieltag: Videobeweis macht Schulz zum Kanzler

Von Stefan Giannakoulis und Tobias Nordmann

Die Bundestagswahl ist gelaufen? Quatsch. Martin Schulz muss nur den Joker ziehen. Der HSV kriegt derweil Legenden-Lack, der FC Bayern sonnt sich, und der BVB fragt: Wer war noch mal Ousmane Dembélé?

Wie Martin Schulz es schaffen könnte

Martin Schulz kommt aus Würselen, war mal Bürgermeister, ist der Sohn eines Polizisten, will Kanzler der Bundesrepublik werden - und liegt mit seiner SPD in den Umfragen zur Wahl des Bundestags an diesem Sonntag weit hinter der CDU und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nun ist Schulz aber auch Fan des 1. FC Köln: "Meine Bibel war der Kicker, mein Gott war Wolfgang Overath!" Ungeachtet der tragischen Symbolik, dass er dem punktlosen Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga die Daumen drückt, liegt genau darin seine Chance. Wenn er, also Schulz, versprechen würde, als Kanzler sofort den Videobeweis abzuschaffen, könnte glatt noch was gehen. Die Stimmen der Effzeh-Fans zumindest wären ihm sicher.

"Wenn man ein Tor in fünf Spielen schießt, ist es schwierig zu punkten": Timo Horn.
"Wenn man ein Tor in fünf Spielen schießt, ist es schwierig zu punkten": Timo Horn.(Foto: imago/Eibner)

Beim 0:5 in Dortmund zählte ein Tor der Borussia, das nicht hätte zählen dürfen. Nun, am Mittwoch beim 0:1 gegen Frankfurt, gab's einen sehr fragwürdigen Foulelfmeter, der die Partie entschied. Zudem übersahen die Schiedsrichter auf dem Platz und vor dem Bildschirm ein klares Foul des Frankfurters Simon Falette an Leo Bittencourt, allerdings auch einen klaren Elfmeter für Frankfurt. Auch die Schalker würden sich nach dem 0:3 gegen den FC Bayern und einem umstrittenen Elfmeter wohl anschließen, dito die Stuttgarter nach der Knie-Attacke des Wolfsburger Torhüters Koen Casteels gegen Christian Gentner. Kurzum: Die Sache hat Potential, wenn noch etwas geht für Schulz, dann auf dem Feld des Fußballs. Nur verlassen sollten sich die Kölner darauf lieber nicht.

Ihre Misere mit fünf Niederlagen aus fünf Spielen gründet sich ja nicht allein auf den Ungerechtigkeiten der Schiedsrichter, sondern auf der Tatsache, dass sie schlecht spielen. Torhüter Timo Horn hat das durchaus erkannt: "Wenn man ein Tor in fünf Spielen schießt, ist es schwierig zu punkten. Wir müssen jetzt den Erfolg erzwingen." Und Kapitän Matthias Lehmann wusste im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" zumindest, was nicht mehr geht: "Keine achtfachen Übersteiger, keine Fallrückzieher, keine Überdinge." Am sechsten Spieltag nun steht am Wahltag (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) die Partie bei Hannover 96 an. Der Aufsteiger hat in dieser Saison noch nicht verloren, elf Punkte mehr auf dem Konto und tritt durchaus selbstbewusst auf. Trainer André Breitenreiter sagte nach dem 1:1 in Freiburg: "Wir wollen in der Erfolgsspur und weiter ungeschlagen bleiben. Wir wollen weiter punkten." Doch Angreifer Martin Harnik warnt: "Wir wissen, dass Köln angeschlagen ist. Aber wir stellen uns auf einiges ein, angeknockte Boxer sind die gefährlichsten." Ob das auch für Martin Schulz gilt? Am Sonntag wissen wir es. Unser Tipp: Wird eng - für Schulz und den 1. FC Köln. In optimistisch angesetzten Zahlen: 25,6 Prozent für die SPD; und, ach, 1:1 in Hannover.

Was macht der FC Bayern?

22. September 2015: Der FC Bayern schlägt den VfL Wolfsburg mit 5:1. Und Robert Lewandowski hatte einen schönen Abend.
22. September 2015: Der FC Bayern schlägt den VfL Wolfsburg mit 5:1. Und Robert Lewandowski hatte einen schönen Abend.(Foto: imago/Schiffmann)

Er ist mit all seinen Gedanken bei heute Abend. Beim Eröffnungskick dieses Spieltags. Beim Gegner aus Wolfsburg (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Ganz bestimmt. Und was ist mit Paris, am Mittwoch nächster Gegner in der Champions League? Mit Neymar, mit Kylian Mbappe, mit Edinson Cavani und mit Nörgel-Jule? Trainer Carlo Ancelotti hebt seine legendäre linke Augenbraue, er hebt sie ganz hoch und sagt beim obligatorischen Spieltagsgespräch zum fragenden Journalisten: "Heute ist das wichtigste Spiel das gegen Wolfsburg." Aber wie wichtig ist das wirklich? Nun, für den in dieser englischen Woche mit zwei Siegen und 7:0 Toren gerade frisch verheilten Seelenfrieden der Münchener eminent. Deswegen sagt Thomas Müller auch in Sammer'scher Mahnerhaftigkeit: "Wenn wir am Freitag unsere Leistung bringen, werden wir an der Geschichte, dass es jetzt läuft, weiterfeilen. Wenn nicht, müssen wir uns andere Geschichten anhören." Und auch Ancelotti gibt sich sammeresk: "Es wird schwierig gegen Wolfsburg, sie haben einen neuen Trainer, sind motiviert." Das ist freilich sehr höflich. Und bestimmt auch richtig, allerdings fällt ein Erfolg gegen die immer noch post-traumatisierten Niedersachsen absolut in die Kategorie "Pflichtsieg." Nicht nur wegen der fast makellosen Heim-Bilanz von 19 Siegen und zwei Remis in 21 Aufeinandertreffen. Entsprechend erfolgreich vorbelastet will der Maestro erneut reichlich durchmischen. Startelf-Comeback-Kandidaten sind Arjen Robben, Mats Hummels und Jérôme Boateng. Tipp: Die reinrotierte Weltklasse zerlegt Wolfsburg 7:0 und lässt Robert Lewandowski noch historischer werden.

Wie geht's dem BVB?

Wer war noch mal Dembélé?
Wer war noch mal Dembélé?(Foto: imago/MIS)

Nach dem, wie Trainer Peter Bosz sagte, bisher "schwierigsten Spiel dieser Saison" steht der BVB weiter an der Tabellenspitze. Und das 3:0 in Hamburg am Mittwochabend brachte die Erkenntnis, dass es vielleicht gar nicht so schlimm ist, dass der 20 Jahre alte Ousmane Dembélé zum FC Barcelona geflüchtet ist und die Dortmunder dafür bis zu 150 Millionen Euro bekommen. Flugs hatten sie Andrij Jarmolenko für 25 Millionen Euro von Dynamo Kiew für die rechte Angriffsseite geholt. Der Ukrainer, sieben Jahre älter als das Talent aus Frankreich, kam mit der Erfahrung von 72 Länderspielen und 71 Partien im Europapokal. Offensichtlich ist er keiner, der besonders viel Zeit benötigt, sich in fremder Umgebung zurechtzufinden. Im Volkspark überzeugte er in den 67 Minuten, die er mitmachen durfte, als Bester seines Teams mit zwei Torvorlagen und damit, dass er - wie schon beim 5:0 gegen Köln - seinen Gegenspielern Knoten in die Beine spielte. Kollege Nuri Sahin beschrieb es so: "Er ist eben ein richtiger Mann." Wer war noch mal Dembélé? Für den frühen Samstagabend nun ist die Borussia mit ihrer Namenscousine aus Mönchengladbach verabredet, die mit der Empfehlung eines 2:0-Sieges gegen den VfB Stuttgart ins Westfalenstadion kommt, in dem der BVB seit 40 Ligapartien ungeschlagen ist. Tipp: 2:0.

Was passiert sonst noch?

FSV Mainz 05 - Hertha BSC: Vielleicht versuchen's die Mainzer einfach mal eine Nummer ruhiger. Mach dem bitteren 2:3-Spektakel am Dienstag gegen Hoffenheim schimpfte Torwart René Adler: "Wir können den Zuschauern nicht immer ein Spektakel bieten. Heute sollte jedem klar geworden sein, dass es so nicht geht." Sein Vorschlag: "Wir müssen anfangen zu verteidigen und auch mal zu Null spielen." Da sollten sie gut auf Berlins Überraschungs-Torjäger Mathew Leckie aufpassen. Beim 2:0 der Hertha gegen Leverkusen am Mittwoch hatte der Australier das 1:0 und damit sein viertes Saisontor erzielt. Tipp: 1:1.

"Er hat mich vom kleinen Sundsvall dorthin gebracht, wo ich jetzt bin."
"Er hat mich vom kleinen Sundsvall dorthin gebracht, wo ich jetzt bin."(Foto: imago/Eibner)

RB Leipzig - Eintracht Frankfurt: Sportlich läuft's bei den Rasenballsportlern angesichts bereits zweier Niederlagen in fünf Partien nicht ganz wie gewünscht, dafür geht es Hasan Cetinkaya gut. Wem? Hasan Cetinkaya. Er berät Leipzigs Offensivspieler Emil Forsberg. Und der hat seinem Manager jetzt einen Ferrari geschenkt. "Er hat mich vom kleinen Sundsvall dorthin gebracht, wo ich jetzt bin, und immer an mich geglaubt", sagte der schwedische Nationalspieler der Zeitung "Aftonbladet". Ein Ferrari als Geschenk sei "nicht merkwürdig, er hat es sich verdient". Tipp: 2:1.

SV Werder Bremen - SC Freiburg: Wer eine Mannschaft sucht, die in der Tabelle noch schlechter steht, findet nur - den 1. FC Köln. Alle drei Klubs eint, dass sie in dieser Saison noch kein Spiel gewonnen haben. Bremens Sportchef Frank Baumann berichtete nach dem 1:1 in Wolfsburg: "Keiner rennt jubelnd durch die Kabine." Aber: "Wir müssen nur unsere Chancen effektiver nutzen, dann werden wir erfolgreich sein." Auch die Freiburger wähnen sich nach dem Remis gegen Hannover auf dem richtigen Weg. "Die Leistung macht uns Mut. Wir hätten den Sieg verdient gehabt", sagte Trainer Christian Streich. Tipp: 1:1, weil's einfach gut ins Bild passt.

TSG Hoffenheim - FC Schalke 04: Bayern-Besieger Julian Nagelsmann trifft im DSDNSYT (Deutschland sucht den neuen Super-Youngster-Trainer)-Showdown auf Bayern-Nicht-Besieger Domenico Tedesco. Und weil sich die Hoffenheimer aktuell das Last-Minute-Dusel-Patent vom FC Bayern ausgeliehen haben, tippen wir: 1:0, Mark Uth (90.+6).

VfB Stuttgart - FC Augsburg (alle Samstag, 15.30 Uhr): Breite Brüste haben sie in Augsburg bereits, nun kommt die Weisheit hinzu. Nach dem Brillanz-Start erklärt Philipp Max: "Wir wollen den Rückenwind mitnehmen, aber wir wissen, dass wir noch nichts erreicht haben." Außer natürlich #Masturbationsgate um Daniel Baier (kleiner Scherz). Apropos: Manager Stefan Reuter legte nach. Leipzigs Trainer habe sich beim 1:0 des FCA schlecht benommen: "Auch den Gang nach dem Schlusspfiff, wie er auf unsere Spieler zustürmt, finde ich unmöglich." Überhaupt: "Das Thema wurde richtig groß gemacht aufgrund der Reaktion von Ralph Hasenhüttl."

Der solle sich nicht als "Moralapostel" aufzuspielen. "Wir können uns alle noch an die Szene erinnern mit der Schwalbe und dem Elfmeter...", spielte Reuter auf die Schwalbe Timo Werners im Dezember 2016 an. Und was ist nun im Schwabenduell mit Zweitliga-Spitzentorjäger a.D., Simon Terodde, drin? Tipp: 1:1.

Bayer 04 Leverkusen - Hamburger SV (Sonntag, 18 Uhr): Riesenkrise gegen Krisenriese: Während Bayer-Talent Julian Brandt zuletzt gegen Berlin (1:2) mit dem "hirnlosen in die Gegenspieler reinrennen" hadert, hadert HSV-Legende Uwe Seeler mit dem ganzen Klub. "Entscheidend für den Erfolg ist, dass man eine gute Mischung in der Mannschaft hat - und ich glaube, dass die Mischung beim HSV nicht stimmt", sagte er dem Sportmagazin "Socrates". Unser Tipp: Taktikchaos schlägt Kaderchaos mit 3:0.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Ich bin mental robust, obwohl ich nicht so aussehe." Sagte Kölns aufgekratzter und nachdenklicher Trainer Peter Stöger am Mittwoch nach der fünften Saison-Niederlage im fünften Saison-Spiel.

"Man kann auch sieben Spieler hinten reinstellen, ein Vaterunser beten und hoffen, dass es gut geht." Martin Schmidt spricht über seine Taktik vor dem Spiel beim FC Bayern. Der neue Seitenlinien-Verantwortliche der Wolfsburger war es übrigens, der beim 2:2 mit dem FSV Mainz am 22. April als bisher letzter Trainer in der Liga einen Punkt aus Fröttmaning mitnahm.

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Quelle: n-tv.de

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