Sport
Zwei Schiedsrichter für ein Spiel - so soll künftig nichts mehr durch die Lappen gehen.
Zwei Schiedsrichter für ein Spiel - so soll künftig nichts mehr durch die Lappen gehen.(Foto: dpa)
Mittwoch, 08. November 2017

DFB verweigert Scheitern: Vier-Augen-Prinzip soll Videobeweis retten

Nicht nur personell wird der Videobeweis in der Fußball-Bundesliga neu ausgerichtet, auch inhaltlich wird das Projekt überarbeitet. So sollen künftig zwei Assistenten jedes Spiel beobachten. Zudem gibt es Ideen für mehr Transparenz.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) arbeitet mit Hochdruck an der Rettung des umstrittenen Videobeweises und stattet das Personal mit mehr Befugnissen aus. Künftig sollen die beiden Video-Assistenten bei jedem Bundesligaspiel noch enger zusammenarbeiten, um die Fehlerquote zu minimieren. Dies kündigte der neue Projektleiter Lutz Michael Fröhlich in einem Interview der "Bild"-Zeitung an.

"Wir werden in Zukunft zwei Video-Assistenten haben, die auch im Spielberichtsbogen stehen und somit zum Schiedsrichter-Team gehören. Sie dürfen eingreifen. Einer, der sich strittige Szenen ansieht, und einer, der den weiteren Spielverlauf im Auge hält, während der erste eine strittige Szene checkt", erläuterte der Schiedsrichter-Boss und stellte klar: "Der Supervisor soll in Zukunft stiller Beobachter sein und nicht mit den Video-Assistenten kommunizieren."

Grindel befürwortet mehr Transparenz

Bilderserie

Trotz der massiven Probleme glaubt der 60-Jährige, der am vergangenen Montag den entmachteten Ex-Referee Hellmut Krug als Projektleiter abgelöst hatte, nicht an ein vorzeitiges Ende der Testphase in der Winterpause. "Ich bin überzeugt, dass es nicht so kommen wird", betonte Fröhlich. Der Videobeweis sei aus seiner Sicht noch zu retten. "Es gibt Probleme, aber er ist sicher nicht gescheitert. Jetzt liegt es an allen - Schiedsrichter, Vereine, Fans und Medien -, ihn nach vorne zu bringen", erklärte Fröhlich.

Um für mehr Transparenz zu sorgen, sei aus Fröhlichs Sicht denkbar, strittige Szenen künftig auf den Videoleinwänden in den Stadien zu zeigen. "Wir Schiedsrichter sind dafür offen, sehen Vor- und Nachteile", sagte er. Befürwortet wird dies vom DFB-Präsidenten. Reinhard Grindel "wäre dazu bereit, so etwas zu machen, um dem Zuschauer ein Stück Transparenz des Entscheidungsprozesses zu geben". Allerdings wies Grindel darauf hin, dass sich die Liga und die Bundesliga-Manager vor der Saison "massiv dagegen ausgesprochen haben". Die überprüften Szenen oder die Kommunikation des Schiedsrichters mit dem Videoassistenten sind für die Fans im Stadion derzeit kaum nachvollziehbar.

Fifa verbietet Challenge-System

Der für das Schiedsrichterwesen zuständige DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann brachte einen weiteren Vorschlag ein: Ein sogenanntes Challenge-System. Damit hätten die Trainer pro Halbzeit eine begrenzte Zahl von Möglichkeiten, den Videobeweis zu fordern. Dieses Verfahren erlaubt derzeit aber der Weltverband Fifa nicht. "Vielleicht muss eine andere Lösung gefunden werden, wie man den Zuschauern im Stadion die Entscheidungswege präsentiert", sagte Zimmermann der "Sport-Bild".

Der frühere Bundesliga-Referee Babak Rafati würde darüber hinaus begrüßen, wenn das gesamte deutsche Schiedsrichterwesen neu geordnet wird. Gestern hatte bereits DFL-Präsident Reinhard Rauball "einen strukturellen Neuanfang" gefordert. "Eine Ausgliederung ist zwingend notwendig, und zwar vom DFB und der DFL, damit es keinerlei Abhängigkeiten mehr gibt", sagte der 47-Jährige dem Portal Sportbuzzer.

Zudem sei das Konkurrenzdenken der Unparteiischen schädlich für die derzeitige Ausrichtung des Videobeweises. "Wie soll es denn funktionieren, dass ein Schiedsrichter, der in Konkurrenz zu einem anderen steht, diesem eine gute Leistung ermöglicht oder gar gönnt?", fragte Rafati: "Und jetzt soll derjenige, der am Monitor sitzt, sich freuen, wenn der Kollege im Stadion alles richtig macht, und bestmöglich kooperieren?"

"Diszipliniert zusammenarbeiten"

Doch eine Neuordnung bremste der DFB-Präsident sofort aus. Ich halte jetzt nichts davon, in irgendwelchen Zuständigkeitsfragen das zu verdecken, was eigentlich das Thema ist: Dass wir nämlich diesen Videobeweis zum Erfolg bringen müssen", sagte Grindel. Priorität habe aktuell vielmehr die Verbesserung des Pilotprojektes Videobeweis, das zuletzt immer wieder für Gesprächsstoff gesorgt hatte. "Wir haben die Schiedsrichter, die wir haben. Und denen müssen wir jetzt erst einmal Vertrauen schenken und uns miteinander auf klare Regeln verständigen, die eingehalten werden, auch beim Einsatz des Videoassistenten", sagte der 56-Jährige: "Das ist wichtig, damit die Unsicherheiten in den kommenden Spieltagen herauskommen."

Es gibt also reichlich Gesprächsstoff, weshalb der DFB in Abstimmung mit der Deutschen Fußball Liga ein zeitnahes Treffen mit den Bundesliga-Managern plant. Es gelte, "diszipliniert und konstruktiv zusammenzuarbeiten, um allen Schwierigkeiten zum Trotz den Video-Assistenten zu einem Erfolg zu machen", betonte Liga-Präsident Reinhard Rauball. Denn die Zeit wird langsam knapp: Im März 2018 befindet das Fifa-Regelboard Ifab über eine weltweite Einführung des Videobeweises.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen