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Man kennt sich: Mohammed bin Hammam und Franz Beckenbauer.
Man kennt sich: Mohammed bin Hammam und Franz Beckenbauer.(Foto: dpa)

Kann sein, muss aber nicht: WM-Vergabe für 2006 bleibt schmierig

Ein Kommentar von Stefan Giannakoulis

Prima, alles geklärt. Die Fußball-WM 2006 ist auf sauberem Weg ins Land gekommen. Oder? Nein. Sehr viel spricht für Korruption. Wieso landen Millionen bei einem windigen Funktionär in Katar - wenn nicht, um ihn zu bestechen?

Ein Glück, jetzt ist alles geklärt. Das Sommermärchen darf weiter ein Sommermärchen bleiben, die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland war nicht gekauft. Oder? Ganz so einfach ist die Sache nicht. Was die vom DFB beauftragten und mit mindestens einer Million Euro bezahlten Wirtschaftsexperten der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer in viermonatiger Arbeit herausgefunden haben, lässt sich so zusammenfassen: Es gibt keine Beweise für Korruption - aber ist gibt auch keine Gegenbeweise. Kann sein, muss aber nicht.

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Und jetzt? Bleiben Zweifel, weil die Freshfields-Story wenig Sinn ergibt. Zitieren wir den amerikanischen Dichter James Whitcomb Riley: "Wenn ich einen Vogel sehe, der wie eine Ente geht und wie eine Ente schwimmt und wie eine Ente quakt, nenne ich diesen Vogel eine Ente." Der über die WM-Affäre gestürzte und der monatelangen Vertuschung überführte Ex-Präsident Wolfgang Niersbach teilte zwar mit, der Bericht habe ihn in seiner "Überzeugung bestätigt, dass es bei der WM-Vergabe keinen Stimmenkauf gegeben hat" - obwohl er weder die PK verfolgt noch den Bericht in Gänze gelesen habe.

Abseits der Parallelwelt Fußball gilt aber weiter: Die WM-Vergabe bleibt eine schmierige Angelegenheit. Die entscheidende Frage, der Kern der Affäre, ist weiter ungeklärt: Was hat es genau mit der dubiosen Zahlung von 6,7 Millionen Euro auf sich? Jene 6,7 Millionen Euro, die der DFB im Jahr 2005 als Beitrag zum Fifa-Kulturprogamm absichtlich falsch deklariert an den ehemaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zurückzahlte.

Wie die Ermittler nun berichteten und in ihrem 361 Seiten langen Untersuchungsbericht dokumentieren, landete das Geld letztlich in Katar bei Mohammed bin Hammam. Also auf dem Konto eines Funktionärs des Weltverbandes, den die Fifa 2011 lebenslang gesperrt hat - wegen Korruption. Bin Hammam war 2000 Mitglied des Exekutivkomitees der Fifa, mithin des Gremiums, das letztlich bestimmt, welches Land den Zuschlag für eine WM bekommt. Alles klar? Bin Hammam bestreitet, das Geld erhalten zu haben. Und Beweise für Korruption gibt es keine. Also auch nicht dafür, dass er das Geld an asiatische WM-Wahlmänner weitergereicht zu hat. Kann sein, muss aber nicht.

Und Beckenbauer weiß von nichts

Unklar bleibt auch die Rolle Franz Beckenbauers, der seinerzeit dem Organisationskomitee der WM vorstand. Auch hier sagen die Ermittler: "Trotz erheblicher Zweifel haben wir nach derzeitigem Stand keinen eindeutigen Beleg dafür finden können", dass Beckenbauer von den Überweisungen im Jahr 2002 wusste, also noch bevor Dreyfus ins Spiel kam - obwohl sie von einem Konto ausgegangen seien, das Beckenbauer oder seinen inzwischen verstorbenen Manager Robert Schwan als Inhaber ausgewiesen hätte.

Wir zitieren: "In der Tat überrascht es, dass Franz Beckenbauer keine Kenntnis darüber gehabt haben will." Und überhaupt "erscheint es uns schwer nachvollziehbar, dass Franz Beckenbauer, nachdem - wie behauptet - Robert Schwan sich der Sache angenommen hatte, das weitere Schicksal der Zahlung ignorierte und sich nicht dafür interessierte, ob und an wen das Geld letztlich gezahlt wurde". Die Spur führt also zu Beckenbauer, er war direkt involviert, obwohl er das stets bestritten hatte. Das Fazit aber lautet: "Wir können insgesamt nicht mit hinreichender Sicherheit feststellen", dass Beckenbauer davon wusste. Frage: Wofür das Ganze, wenn nicht zum Zwecke der Bestechung? Kann sein, muss aber nicht.

Und warum hatte Beckenbauer einen Vertragsentwurf unterschrieben, der dem ebenso wie bin Hammam skandalumwitterten Funktionär Jack Warner vier Tage vor der WM-Vergabe im Juli 2000 erhebliche Vorteile zusagte? Bisher hatte der DFB von einem Bestechungsversuch gesprochen. Die Ergebnisse der Ermittler deuten nun auf eine tatsächlich vollzogene Bestechung hin. Allerdings sei der Entwurf "formal wohl nicht in Kraft getreten".

Tja, was soll uns das sagen? Rainer Koch, einer der beiden Interimspräsidenten des DFB, räumte ein: "Es war völliges Versagen interner Kontrollmechanismen, sowohl im WM-OK als auch innerhalb der DFB-Spitze." Ansonsten aber gelte: "Mir ist in der Welt des Sports keine vergleichbar transparente und selbstkritische Aufarbeitung in Bezug auf das eigene Haus bekannt." Ein Glück - dann ist ja alles geklärt.

Quelle: n-tv.de

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