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Dembélé will offenbar den Wechsel forcieren - eine Strategie, die meistens aufgeht.
Dembélé will offenbar den Wechsel forcieren - eine Strategie, die meistens aufgeht.(Foto: imago/DeFodi)
Freitag, 11. August 2017

Dembélés Exit-Strategie: Wenn der Spieler den Verein erpresst

Von Judith Günther

Ousmane Dembélé möchte Borussia Dortmund trotz bestehenden Vertrags verlassen - der Fußball-Bundesligist ihn jedoch nicht gehen lassen. Der Franzose antwortet mit einem Boykott: Das ist zwar kein besonders faires, leider aber ein probates Mittel.

Dortmund, Donnerstagmorgen: Borussia Dortmunds Trainer Peter Bosz bittet zur Übungseinheit - doch einer fehlt: Ousmane Dembélé, der als Nachfolger des abgewanderten Superstars Neymar vom FC Barcelona umworben wird. Und wohl auch wechseln will - ein angebliches Angebot der Katalanen über 120 Millionen Euro reichte bislang jedoch nicht aus. Im Gegenteil: Aktuell sei ein Transfer des Spielers "nicht überwiegend wahrscheinlich", teilt die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA mit.

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Zum Training des Fußball-Bundesligisten war Dembélé trotzdem nicht erschienen, was zumindest den Verdacht nahelegt, der Boykott habe dann doch eher mit seinem angestrebten Wechsel nach Barcelona zu tun, als dass der Youngster einfach mal richtig ausschlafen wollte. Dem BVB blieb also nichts anderes übrig, als den Franzosen zu suspendieren - erpressen lassen wollen sie sich in Dortmund nicht. Die Frage, ob die Strategie der Dortmunder funktioniert, ist jedoch eine andere. Der Bann auf die Tribüne im DFB-Pokal? Geschenkt, genau wie die sechsstellige Geldstrafe, über die die "Bild" berichtet. Zu einem Bleiben animieren sie ihn in Dortmund damit kaum. Auch Aussitzen ist für den Klub kaum möglich, da der Vertrag noch bis 2021 läuft.

Mit seinem Streik reiht Dembélé sich ein in eine Riege von Provokateuren, die durch Arbeitsverweigerung ihren Wechsel vehement forciert haben. Das Problem: Die Strategie führt in den meisten Fällen zum gewünschten Erfolg. Während der Spieler alle Trümpfe in der Hand hält, kann der Klub eigentlich nur verlieren.

"Das ist Wahnsinn"

Prominentestes Beispiel: Julian Draxler, der gehen wollte und nicht durfte. Nachdem der VfL Wolfsburg im Sommer 2016 dem Wechselwunsch eine Absage erteilt hatte, schmollte sich der Nationalspieler durch die Hinrunde. Der VfL ließ Draxler im Winter zu Paris Saint Germain ziehen und weinte dem Spieler, den man wenige Monate zuvor noch für "unverkäuflich" erklärt hatte, keine Träne nach. Mit einer derart offen zur Schau getragenen "Null-Bock"-Haltung braucht es gar keinen Streik, um den Abgang zu erzwingen.

Schon 2011 demonstrierte Demba Ba: Arbeitsverweigerung ist eine probate Methode, seinen Willen durchzusetzen. Der damalige Stürmer der TSG 1899 Hoffenheim erstreikte sich einen weit besser dotierten Vertrag bei West Ham United. Er hatte die Reise ins Trainingslager eigenmächtig abgesagt und war nach London geflogen. "Das ist der Wahnsinn, so etwas habe ich noch nie erlebt", sagte damals Manager Ernst Tanner. Auch wenn die Kraichgauer Demba Ba eigentlich nie abgeben wollten - ziehen ließen sie ihn dann doch. Nachdem das Vertrauensverhältnis einmal zerstört war, blieb für den Senegalesen maximal der Platz auf der Tribüne. Unbefriedigend für Verein wie Spieler. Demba Ba bekam also, was er wollte, und der Klub fand sich damit ab.

"Gegen Leute wie Ba muss man brutal hart vorgehen, das ist der bisher perfideste Fall", sagte Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß damals der "Süddeutschen Zeitung" und forderte, dass sich die Klubs gegen die Profis verbünden, die einen Wechsel trotz gültigen Vertrags provozieren. "In solchen Fällen müsste man mal sagen: Was verdient ein Ba (...)? Das legen wir als Bundesliga zusammen, alle boykottieren diese Spieler - und ab mit ihnen auf die Tribüne". Dass er dafür Mitstreiter findet, glaubt indes vermutlich nicht mal Hoeneß selbst.

Es ist ja auch nicht so, als scheue der FC Bayern davor zurück, um Spieler zu werben, die noch Vertrag haben. Für böses Blut sorgte 2014 der Wechsel von Robert Lewandowski von Borussia Dortmund an die Isar: Der Pole hatte offenbar dem FC Bayern sein Wort gegeben, allerdings noch Vertrag mit dem BVB. In Dortmund fühlte er sich schlecht behandelt, weil die ihn nicht gehen lassen wollten: "Ich gebe immer alles, aber dass sie mich behalten, ist nicht fair." Lewandowski drohte gar, es werde eine Zeit kommen, "wo ich mit schlechter Stimmung zum Spiel kommen werde". Es blieb bei der Drohung: Ein missmutiger Lewandowski war - anders als Draxler - Profi genug, für seinen künftigen Ex-Verein zu liefern. Er erzielte 24 Treffer und schloss die Saison als Torschützenkönig ab. Gehen durfte er dann im Sommer. Ablösefrei.

"Wer weg will, geht"

Vergessen haben sie das in Dortmund nicht - die Frage, wie mit der Causa Dembélé umzugehen ist, bleibt. Die Handlungsalternativen sind äußerst beschränkt. Den Wechsel verbieten und riskieren, dass Dembélé im draxler'schen Stil den Abgang erzwingt? Ihn behalten und hoffen, dass er sich für einen Verein ins Zeug schmeißt, für den er eigentlich nicht mehr spielen will? Vielleicht bedarf es einer so klaren Haltung, wie Carlo Ancelotti sie an den Tag legt: "Wenn ein Spieler zu mir kommt und den Klub verlassen will, muss er gehen", sagt der Bayern-Coach. Keine Kompromisse, kein wochenlanges hin und her.

Der Spieler selbst hat seine Exit-Strategie jedenfalls nicht das erste Mal demonstriert: Er drohte seinem alten Arbeitgeber Stade Rennes 2015 mit dem Karriereende, sollten die ihn nicht zu RB Salzburg ziehen lassen. Das zahlte sich aus, wenn auch ein Jahr später. Rennes ließ Dembélé ziehen, die Fußballkarriere ging weiter. Nämlich in Dortmund.

Quelle: n-tv.de

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