Sport
Dienstag, 21. Juni 2011

Chilene wechselt für 38 Mio. zu Barça: Wer ist denn dieser Sánchez?

von Timm Leibfried

Wenn ein Spieler für 38 Millionen Euro zum FC Barcelona wechselt, geht man davon aus, seinen Namen als Fußballinteressierter zumindest schon mal gehört zu haben. Als nun vermeldet wird, dass ein gewisser Alexis Sánchez für eben jene Ablöse von Udine nach Katalonien wechselt, zweifeln sogar Nerds an ihrem Sachverstand.

Alexis Sanchéz - die große Unbekannte.
Alexis Sanchéz - die große Unbekannte.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Alexis Sánchez wechselt zum FC Barcelona. Zumindest behauptet er das. Bei seinen Teamkollegen im italienischen Udine bimmelten die Smartphones. Sánchez, 22-jähriger Stürmer beim italienischen Champions-League Qualifikanten Udinese Calcio, meldete sich aus Spanien: "Ich geh' zum FC Barcelona", verkündete er freudig. Schön für Alexis Sánchez. Aber wer soll das bitte sein?

Die Serie A ist schon lange nicht mehr das, was sie einmal war. Die Zeiten, in denen hochbezahlte Legionäre aus aller Herren Länder den Stiefel bevölkerten, um mit hochdekorierten Klubs wie Inter, Milan oder Juventus den europäischen Fußball zu erobern, sind passé. Zlatan Ibrahimovic, Samuel Eto'o oder bald auch Miroslav Klose sind natürlich allesamt keine schlechten Spieler. Aber wer als Profi nicht das Trikot von Manchster United, dem FC Chelsea, Real Madrid oder dem FC Barcelona überstreift, gehört heutzutage, zumindest was die öffentliche Meinung angeht, nicht mehr zur Crème de la Crème des Fußballs.

Die Serie A wird seit Jahren von Skandalen erschüttert. Exzentrische Präsidenten wechseln ihre Trainer häufiger als ihre Socken (Randnotiz: Francesco Guidolin trainierte den US Palermo unter der Ägide von Maurizio Zamparini bereits viermal), gut bezahlte Profis zocken sich um ihre Karriere und Silvio Berlusconi genießt schon seit mehr als zwei Jahrzehnten die uneingeschränkte Machtfülle beim AC Mailand. Klar, dass unsere Freunde aus Italien in Sachen Fußball eigentlich niemand mehr ernst nimmt.

Udinese scoutet auf der ganzen Welt

Für Chile spielte Sanchéz bislang 33-mal.
Für Chile spielte Sanchéz bislang 33-mal.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Umso bitterer ist es für kleine, ehrlich arbeitende Vereine wie Udinese Calcio, dass sie außerhalb der Landesgrenzen eigentlich überhaupt nicht mehr wahrgenommen werden, sofern sie nicht gerade in der Europa League für Aufsehen sorgen. Und vielleicht erklärt dieser Umstand auch, warum selbst mancher Fußball-Nerd mit dem Namen Alexis Sánchez nur herzlich wenig anfangen kann.

Udinese Calcio ist als Fußballklub weltweit aufgestellt und in viele Länder der Erde vernetzt. Ein ausgeklügeltes Scoutingsystem beschert den Verantwortlichen im Friaul Jahr für Jahr einen großen Pool an hoffnungsvollen Nachwuchstalenten, die in Südamerika, Afrika oder Osteuropa gesichtet werden. Einer von ihnen war der 17-Jährige Chilene Alexis Sánchez, der 2006 nach seinem ersten Profijahr in der heimischen Liga für drei Millionen Ablöse verpflichtet wurde.

Meister mit River Plate

Das Prozedere, was nun folgt, ist in Udine seit Jahren gängige Praxis: Der junge Stürmer wird nicht ins kalte Wasser geworfen und im zarten Teenager-Alter auf Abwehrmaschinen wie Marco Materazzi oder Fabio Cannavaro losgelassen. Umgehend wird Sánchez weiterverliehen: Zu Colo Colo, dem größten Club in seiner chilenischen Heimat. Dort bleibt der 1,68-Meter-kleine Dribbler eine Saison, setzt sich auf Anhieb durch und gewinnt die chilenische Apertura.

Di Natale und Sanchéz - ein brandgefährliches Duo.
Di Natale und Sanchéz - ein brandgefährliches Duo.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Seine erste Auslandserfahrung macht Sánchez nicht in Italien, sondern in Argentinien. In der Saison 2007/08 bestreitet er 18 Partien für den Traditionsclub River Plate Buenos Aires, mit dem er sogar die Meisterschaft holt. Dann ist die Zeit reif und Udinese Calcio holt Sánchez endgültig nach Italien. In seinen ersten beiden Jahren schafft es der 33-fache Nationalspieler gleich zur Stammkraft und besticht durch seine Dynamik und eine herausragende Technik. Im Sturm ergänzt er sich hervorragend mit Routinier Antonio di Natale - was die Torquote angeht, stellt ihn dieser aber zunächst klar in den Schatten.   

Große Konkurrenz beim FC Barcelona

Der Durchbruch gelingt Sánchez dann schließlich in der abgelaufenen Runde. Udine zieht auf den letzten Drücker noch in die Qualifikation zur Champions League ein. Das „Wunderkind“, wie Sánchez in seiner Heimat genannt wird, hat daran entscheidenden Anteil. Auch wenn der inzwischen 33-jährige di Natale seinen Torriecher noch immer nicht verloren hat (28 Treffer in 36 Spielen), ist es Sánchez, der das Spiel bestimmt. Kraftvoll und energisch tankt er sich durch die gegnerischen Abwehrreihen, trifft selbst und bedient uneigennützig seine Mitspieler. 12 Tore und zehn Vorlagen in 31 Serie-A-Spielen – dieser Mann kann was am Ball.

Ohne Frage ist Alexis Sánchez ein hochtalentierter Spieler, dessen Ballbehandlung mit Sicherheit zum Besten gehört, was der europäische Fußball zu bieten hat. Ob das reicht, um sich beim besten Klub der Welt gegen David Villa oder Pedro durchzusetzen, wird sich zeigen. Die kolportierte Ablösesumme von 38 Millionen Euro ist jedenfalls eine Hausnummer. Doch wie es auch kommt – wir haben Alexis Sánchez jetzt auf dem Schirm.

Quelle: n-tv.de

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