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Theo Zwanziger hatte nach dem Gerichtstermin Redebedarf.
Theo Zwanziger hatte nach dem Gerichtstermin Redebedarf.(Foto: REUTERS)

"Krebsgeschwür" ist weiter zulässig: Zwanziger landet Punktsieg im Katar-Streit

Theo Zwanziger erringt vor Gericht einen ersten Erfolg: Er darf Katar wohl weiterhin als "Krebsgeschwür des Fußballs" bezeichnen. Doch sein Kampf geht weiter. Nächster Gegner des ehemaligen DFB-Bosses ist die ARD.

Mit dem Punktsieg in der Tasche zog Theo Zwanziger sofort in den nächsten Rechtsstreit. Nachdem das Düsseldorfer Landgericht festgestellt hatte, dass er Katar wohl weiterhin ungestraft als "Krebsgeschwür des Fußballs" bezeichnen darf, kündigte der ehemalige DFB-Präsident seinerseits eine Klage gegen die ARD an. Sein Kampf an allen juristischen Fronten geht weiter.

"Sie glauben doch nicht, dass ich mir gefallen lasse, dass vor sechs Millionen Zuschauern behauptet wird, ich hätte den Aufsichtsrat des WM-OK 2006 getäuscht!", rief Zwanziger, der sich zuvor vor der 6. Kammer des Landgerichts bereits in Rage geredet hatte. Der Jurist sieht sich durch eine vermeintlich falsche Tatsachenbehauptung in einer "Tagesschau"-Sendung geschädigt. "Das wird ein Nachspiel haben", sagte er in gewohnter Kampfeslust. "Dort wurden Vermutungen anderer Medien in den Rang einer Tatsache erhoben. Daran werden sie sich messen lassen müssen! Das müssen sie jetzt beweisen."

Freie Meinungsäußerung

Die kurz zuvor abgeschlossene mündliche Verhandlung im Raum 1.120 unter Vorsitz des Richters Joachim Matz durfte Zwanziger als Erfolg werten. Zwar wird erst am 19. April ein Urteil verkündet, nur acht Tage vor der Verhandlung der Klage von Günter Netzer gegen Zwanziger in Köln. Aber das Gericht legte sich klar fest. "Wir erachten die Äußerung, Katar sei ein Krebsgeschwür des Fußballs, unter dem Gesichtspunkt der freien Meinungsäußerung noch als gerechtfertigt an", analysierte die Kammer zum Abschluss ihrer vorläufigen juristischen Einordnung. Die Meinungsfreiheit sei höher einzustufen als der "Ehrschutz" des katarischen Fußball-Verbandes.

Zwanziger hatte argumentiert, sich nicht persönlich gegen eine Gruppe geäußert, sondern ein System kritisiert zu haben. Das "noch" in der Begründung wiederum ließ Hoffnung für den ehemaligen CSU-Politiker Peter Gauweiler, der die QFA und damit faktisch Katar vertrat. Nach SID-Informationen wird Gauweiler das Urteil im Falle eines negativen Ausgangs anfechten und durch die Instanzen gehen.

"Stecken voller Dreck"

In den Stellungnahmen beider Parteien entspann sich ein Schlagabtausch der Schwergewichte. Zwanziger wurde emotional. Gauweiler erhob den Vorwurf, der Beklagte habe ehrabschneiderisch und hetzerisch gehandelt - mit einer persönlichen Motivation: Er rufe "Haltet den Dieb!", sei aber selbst nah an einer Struktur gewesen, die "den Stecken voller Dreck" habe. Fortan wurden Sticheleien über Zwanzigers Rolle in der WM-Affäre ausgetauscht - ein Thema, welches das Gericht vorab ausdrücklich ausgeklammert hatte.

"Die Einbeziehung der WM 2006 ist absolut falsch!", sagte Zwanziger in Richtung Gauweiler und wurde lauter: "Da werden Verunglimpfungen vorgenommen, ohne den Sachverhalt zu kennen. Einige ihrer Behauptungen sind unterirdisch!" Gauweiler hatte die Aussage Zwanzigers, er habe erst 2012 vom Ausmaß der Verfehlungen in der WM-Affäre erfahren, als "Geständnis" gewertet, "dass er seitdem über alles detailliert Bescheid wusste". Dies sollte die Ansicht der QFA untermauern, Zwanziger werfe im Glashaus mit Steinen. Zwanziger gab sich nach der Verhandlung, die ein Interview mit dem Hessischen Rundfunk vom 2. Juni 2015 zum Gegenstand hatte, siegesgewiss - dann schickte er noch einen Gruß an Günter Netzer: "Da ich immer die Wahrheit gesagt habe, habe ich auch da keine Angst", betonte er: "Bis zum Termin wird noch einiges passiert sein, da können sie sicher ein."

Netzer will Zwanziger die Behauptung verbieten lassen, er habe dem früheren DFB-Präsidenten 2012 in Zürich von einem Stimmenkauf für die WM 2006 berichtet. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Zwanziger zudem wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall. Der pensionierte Richter wird in den kommenden Monaten also noch einige Male vor Gericht erscheinen müssen - oder wollen.

Quelle: n-tv.de

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