Mittwoch, 10. August 2011
Angewidert vom System Profi-Fußball: 24-Jähriger beendet Karriere
Zehn Minuten in der Primera Division reichen Javier Poves, um zu erkennen: Profi-Fußball und seine persönlichen Werte, das verträgt sich nicht. Als Konsequenz kündigt der 24-Jährige seinen Vertrag und kehrt dem Fußball den Rücken - um Geschichte zu studieren.
"Je besser man den Fußball kennenlernt, desto klarer sieht man, dass sich alles nur ums Geld dreht: Javier Poves.
(Foto: dpa)
Am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison durfte Javier Poves in der ersten spanischen Liga debütieren. Zehn Minuten gegen Hercules Alicante schenkte ihm Manolo Preciado, der Trainer von Sporting Gijon. Für andere Fußballer ist das die Erfüllung eines Traums. Für den 24-jährigen Poves war es der Anfang vom Ende seiner Fußballkarriere. Als er klein war, habe er Fußball aus Liebe zum Sport gespielt. Diese Liebe hat ihm der Profifußball genommen, sagte er der spanischen Zeitung "El Pais".
Deshalb hat Poves beschlossen, dass ihm zehn Minuten in der Primera Division reichen. Seinen Vertrag, der noch eine Saison lief, hat er aufgelöst - aus Abscheu vor dem "kapitalistischen Fußball-System", wie er sagt. "Je besser man den Fußball kennenlernt, desto klarer sieht man, dass sich alles nur ums Geld dreht. Das raubt dir alle Illusionen", begründete der Abwehrspieler seine Entscheidung, auch nicht in einer unterklassigen Liga weiterzuspielen. Er wolle nicht mehr länger einem System angehören, in dem einige Leute viel Geld verdienen, weil andere Menschen in Südamerika, Afrika und Asien sterben.
Die Vertragsauflösung ist kein Schnellschuss, sondern eine bewusste, wohlüberlegte Entscheidung. "Es sei nicht er, der verrückt sei", hatte Poves erklärt. Zuvor hatte er es bereits abgelehnt, sein Gehalt von Sporting weiterhin überwiesen zu bekommen. Auf diese Weise wollte er verhindern, dass die Bank mit seinem Geld Spekulationsgeschäfte betreiben könne. Auch das Auto, das ihm der Klub zur Verfügung gestellt hatte, gab Poves zurück. Warum? "Es fühlte sich falsch an, zwei Wagen zu haben."
Seine Teamkollegen verblüffte Poves damit, dass er Bücher wie "Das Kapital" von Karl Marx und Adolf Hitlers "Mein Kampf" las. Politisch stehe er aber weder links noch rechts. Einen eindeutigen Standpunkt habe er noch nicht gefunden, sagt Poves. Er wolle einfach möglichst viel lesen und Dingen auf den Grund gehen. Sicher weiß er nur: "Ich bin gegen das System." Künftig will er Geschichte studieren und die Welt kennenlernen.
cwo
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