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Ein bisschen vom Pokal gehört auch Felix Brych. Schließlich hat er als Unparteiischer für ein faires Spiel gesorgt.
Ein bisschen vom Pokal gehört auch Felix Brych. Schließlich hat er als Unparteiischer für ein faires Spiel gesorgt.(Foto: imago/Revierfoto)

"Collinas Erben" gratulieren: Brychs Ampelkarte schmälert Leistung nicht

Von Alex Feuerherdt

Zum vierten Mal leitet ein deutscher Referee das Endspiel der Champions League. Felix Brych macht seine Sache gut, trotz einer zu strengen Gelb-Roten Karte und mancher Unkonzentriertheiten. In den entscheidenden Momenten ist er voll da.

Im Finale der Champions League zu stehen, gehört nicht nur für Fußballer zum Größten, was sich erreichen lässt. Auch für einen Schiedsrichter ist es ein Traum, das bedeutendste Spiel des europäischen Klubfußballs leiten zu dürfen. Felix Brych konnte sich diesen Traum am Samstagabend in Cardiff erfüllen: Nach Hellmut Krug im Jahr 1998, Markus Merk anno 2003 und Herbert Fandel, der 2007 ran durfte, war er der vierte DFB-Referee, dem die Auszeichnung zuteilwurde, diese Partie zu leiten. "Ich und mein Team, wir werden entschlossen sein, einen guten Start hinzulegen", hatte der 41-Jährige vor der Begegnung gesagt. "Das ist wie bei den Spielern - es gibt einem Selbstvertrauen, wenn die ersten Minuten gut verlaufen."

Für Felix Brych verliefen sie sogar sehr gut. Der Münchner kam problemlos in die Partie, trat entschlossen auf und gab bei der Zweikampfbeurteilung eine Linie vor, die den Spielfluss förderte. Als Cristiano Ronaldo nach elf Minuten im Strafraum zu Fall kam, winkte der Unparteiische zu Recht ab, weil der Körpereinsatz von Giorgio Chiellini gänzlich harmlos gewesen war. Kurz darauf musste Brych erstmals zur Gelben Karte greifen: Nach einem Ballverlust hatte der Turiner Paulo Dybala gegen Toni Kroos zu einem taktischen Foul gegriffen, um den Konter der Spanier zu stoppen. Die Verwarnung war deshalb unumgänglich.

Collinas Erben

"Collinas Erben" - das ist Deutschlands einziger Schiedsrichter-Podcast, gegründet und betrieben von Klaas Reese und Alex Feuerherdt. Er beschäftigt sich mit den Fußballregeln, den Entscheidungen der Unparteiischen sowie mit den Hintergründen und Untiefen der Schiedsrichterei. "Collinas Erben" schreiben jeden Montag auf n-tv.de über die Schiedsrichterleistungen des Bundesligaspieltags. Unser Autor Alex Feuerherdt ist seit 1985 Schiedsrichter und leitete Spiele bis zur Oberliga. Er ist verantwortlich für die Aus- und Fortbildung in Köln, Schiedsrichterbeobachter im Fußball-Verband Mittelrhein und arbeitet als Lektor und freier Publizist.

Der deutsche Referee erarbeitete sich schnell den Respekt der Spieler. Hitzköpfe wie Mario Mandžukić und Sergio Ramos nahm er sich zeitig zur Brust, und als der Real-Kapitän nach einer halben Stunde wiederholt durch ein Foul auffällig wurde, zeigte Brych auch ihm den Gelben Karton. Der Jurist ließ viel laufen und kam damit der Spielweise beider Teams entgegen, bei klaren Regelübertretungen war er jedoch sofort präsent und untermauerte seine Entscheidungen mit deutlicher Gestik. Es lief mehr als ordentlich für den Unparteiischen, dessen Vorgaben die Akteure annahmen.

In der entscheidenden Phase voll da

Doch nach 35 Minuten schlichen sich plötzlich Nachlässigkeiten ein. Bei einem Freistoß für Juventus aus zentraler Position wehrte der vor dem Strafraum in der Mauer hochspringende Ronaldo den Ball mit dem ausgefahrenen Arm ab, was Brych jedoch trotz guter Sicht entging. Statt einen weiteren Freistoß noch näher am Madrider Tor zu verhängen und "CR7" für dessen strafbare Blockade des Torschusses zu verwarnen, ließ der Schiedsrichter weiterspielen. Wenig später gab er einen Eckstoß für die Turiner, obwohl deren Spieler Alex Sandro deutlich als Letzter am Ball gewesen war, bevor die Kugel die Torauslinie überschritten hatte.

Auch nach der Pause wirkte Felix Brych zunächst manchmal nicht ganz konzentriert. Dass Toni Kroos in der 53. Minute für einen Tritt auf den Fuß von Sami Khedira die Gelbe Karte erhielt, war zwar absolut korrekt. Kurz zuvor hätte jedoch bereits Kroos' Mitspieler Marcelo für das gleiche Vergehen gegen Dani Alves verwarnt werden müssen - doch der Referee entschied nicht einmal auf Foulspiel.

Da hilft alles Lamentieren nicht. Für sein Foul an Nationalmannschaftskollegen Khedira sieht Kroos Gelb.
Da hilft alles Lamentieren nicht. Für sein Foul an Nationalmannschaftskollegen Khedira sieht Kroos Gelb.(Foto: REUTERS)

Die Partie wurde nun hektischer. Als sie in ihre entscheidende Phase ging und Real seine Treffer Nummer zwei und drei erzielte, war Brych schließlich wieder voll da. Mit drei Gelben Karten gegen die sichtlich frustrierten Turiner zwischen der 66. und 72. Minute dämmte er deren Härten ein.

Gelb-Rot für Cuadrado war zu hart

Sechs Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit stellte er den erst in der 66. Minute eingewechselten Juan Cuadrado sogar mit Gelb-Rot vom Feld. Der Turiner war zunächst von Sergio Ramos an der Seitenlinie hart, aber fair abgegrätscht worden und hatte anschließend auf dem Weg zum Einwurf einen kaum merklichen Kontakt zu dessen Fußspitze aufgenommen. Ramos ging daraufhin theatralisch zu Boden und tat so, als wäre ihm Cuadrado mit Macht und Gewalt auf den Fuß gestiegen. Eine überflüssige Aktion von beiden Spielern, die Felix Brych in eine unangenehme Situation brachte.

Die "Ampelkarte" für Cuadrado war letztlich jedoch eine zu harte Sanktion - zu geringfügig war dessen Vergehen, das durch Ramos' übertriebene Reaktion unangemessen dramatisiert wurde. Nennenswerte Auswirkungen auf das Spiel hatte diese Entscheidung des Unparteiischen allerdings nicht, dazu waren die Madrilenen zu überlegen und zu souverän. Auf Seiten von Juventus wollte Brych dann auch niemand einen Vorwurf machen. Real gelang in der 90. Minute sogar noch das 4:1, da hatte der italienische Serienmeister längst akzeptiert, an diesem Tag die unterlegene Mannschaft zu sein.

Ohnehin sprach nach dem Schlusspfiff kaum jemand über den Unparteiischen, was für Schiedsrichter getreu dem Motto "Nicht beschimpft zu werden, ist Lob genug" oft eine Form der Anerkennung ist. Felix Brych hatte das temporeiche und intensive Finale jederzeit unter Kontrolle und stand selbst nach problematischen Entscheidungen nicht übermäßig in der Kritik. Gerade zu den schwierigen Charakteren auf dem Feld hatte er einen guten Draht, seine Akzeptanz stand nicht infrage, die Spieler hielten sich nicht lange mit dem Referee auf.

Trotz einiger Unkonzentriertheiten und Unebenheiten kann die deutsche Nummer eins unter den Schiedsrichtern also zufrieden sein. Und künftig gerne an den Tag zurückdenken, an dem für ihn ein Traum in Erfüllung ging.

Quelle: n-tv.de

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