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Christian Dingert hatte im Spiel der TSG Hoffenheim gegen Borussia Mönchengladbach ordentlich zu tun - und traf mehrere zweifelhafte Entscheidungen.
Christian Dingert hatte im Spiel der TSG Hoffenheim gegen Borussia Mönchengladbach ordentlich zu tun - und traf mehrere zweifelhafte Entscheidungen.(Foto: imago/Jan Huebner)

"Collinas Erben" schmunzeln: Stindl profitiert erneut, Alaba hilft dem Schiri

Von Alex Feuerherdt

Die torreichste Begegnung des Spieltags findet in Sinsheim statt und birgt für den Unparteiischen allerlei Turbulenzen. In Augsburg rätselt man über einen Feldverweis, während in Leverkusen ein Münchner kurz eine Aufgabe des Referees übernimmt.

Wenn es nicht nur für Fußballer und ihre Mannschaften vor manchen Spielen so etwas wie ein Omen gibt, sondern auch für Schiedsrichter, dann waren die Vorzeichen für Christian Dingert an diesem 29. Spieltag wahrlich nicht besonders gut. Denn der Unparteiische hatte die Partie zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und Borussia Mönchengladbach (5:3) in Sinsheim zu leiten – und zuvor bei seinem jeweils letzten Einsatz in einem Spiel, an dem eines der beiden Teams beteiligt war, weitaus stärker im Mittelpunkt gestanden, als es ihm lieb sein konnte.

Denn im Dezember des vergangenen Jahres entglitt dem 36-jährigen Pfälzer die Kontrolle über die Begegnung zwischen Eintracht Frankfurt und den Hoffenheimern (0:0), das Aufeinandertreffen geriet zu einer wüsten Knüppelei. Ende Februar wiederum gab es heftige Debatten über ein Tor, das Lars Stindl beim 2:0-Erfolg der Gladbacher in Ingolstadt mit der Hand erzielt hatte. Auch jetzt sorgten einige Entscheidungen des Diplom-Verwaltungswirts in einem höchst spektakulären Fußballspiel für Diskussionen.

Kurioserweise kam es dabei erneut zu einer Situation, in der Stindl nach einem nicht geahndeten Handspiel einen Treffer markierte. Anders als am 22. Spieltag gab es diesmal jedoch keinen Zweifel daran, dass das Tor nicht hätte zählen dürfen. Denn als der Hoffenheimer Torwart Oliver Baumann in der 35. Minute den Ball in Bedrängnis wegzuschlagen versuchte, spreizte Jonas Hofmann einen Arm vom Körper ab und fälschte die Kugel dadurch so ab, dass Mahmoud Dahoud sie anschließend nur noch auf den freistehenden Stindl legen musste, der mühelos zum 2:2-Ausgleich einschob.

Christian Dingert entschied jedoch, dass kein strafbares Handspiel vorlag. Womöglich hätte er anders geurteilt, wenn er näher am Geschehen postiert gewesen wäre. Er hatte sich jedoch schon in die Nähe der Mittellinie begeben, offenkundig in der Erwartung, dass die Hoffenheimer dem Pressing der Gäste widerstehen und den Ball mit einem weiten Schlag nach vorne befördern würden. Selbst als gleich zwei Gladbacher Baumann energisch anliefen, rückte der Referee nur wenige Meter vor. Durch diesen Fehler in der Antizipation konnte er das Handspiel nur aus großer Distanz beurteilen.

Dahoud hätte Rot verdient gehabt

Collinas Erben

"Collinas Erben" - das ist Deutschlands einziger Schiedsrichter-Podcast, gegründet und betrieben von Klaas Reese und Alex Feuerherdt. Er beschäftigt sich mit den Fußballregeln, den Entscheidungen der Unparteiischen sowie mit den Hintergründen und Untiefen der Schiedsrichterei. "Collinas Erben" schreiben jeden Montag auf n-tv.de über die Schiedsrichterleistungen des Bundesligaspieltags. Unser Autor Alex Feuerherdt ist seit 1985 Schiedsrichter und leitete Spiele bis zur Oberliga. Er ist verantwortlich für die Aus- und Fortbildung in Köln, Schiedsrichterbeobachter im Fußball-Verband Mittelrhein und arbeitet als Lektor und freier Publizist.

Optimal positioniert war der Unparteiische dagegen nach 63 Minuten, als Dahoud im Mittelfeld Anlauf nahm und dem grätschenden Kerem Demirbay mit beiden Füßen auf den Unterschenkel sprang. Ein viel zu harter Einsatz, der nicht mehr nur rücksichtslos, sondern brutal war. Dennoch zückte Dingert nur die Gelbe Karte statt der Roten, die in diesem Fall angemessener gewesen wäre. Der Hoffenheimer Kevin Vogt geriet über die Milde des Schiedsrichters derart in Rage, dass er ebenfalls verwarnt wurde – was situativ zwar richtig, allerdings auch die Folge einer zu nachsichtigen Sanktion für Dahoud war.

Zu diesen beiden Situationen, in denen der Referee recht eindeutig falsch lag, gesellten sich weitere Szenen, über die viel gestritten wurde, in denen Dingert jedoch mindestens vertretbare Entscheidungen traf. So wie in der 43. Minute, als der Hoffenheimer Andrej Kramaric bei einem Zweikampf mit Jannik Vestergaard im Strafraum der Gäste zu Fall kam, ohne dass sich mit Bestimmtheit sagen ließ, ob der Gladbacher Verteidiger eine Regelwidrigkeit begangen hatte. Dass der Schiedsrichter hier weiterspielen ließ, war jedenfalls akzeptabel.

Gleiches gilt für das Duell zwischen Kramaric und Andreas Christensen, das dem Treffer zum 5:3 vorausging: Der Hoffenheimer versuchte, sich den Gladbacher mit Hand und Arm vom Leib zu halten, dieser wiederum drückte seinen Gegner zu Boden. Auch hier hatte Dingert gute Gründe, die Partie einfach laufen zu lassen. Kramaric rappelte sich schließlich auf und flankte auf Demirbay, der den Endstand besorgte. Begonnen hatte der Torreigen mit einem Treffer, bei dem der Schütze Adam Szalai wohl mit der Fußspitze im Abseits stand – was aber selbst im Standbild nur mit Mühe zu erkennen war. Ohnehin wollte selbst der Trainer des Verlierers, Dieter Hecking, sich nicht mit dem Unparteiischen aufhalten. "Ich mache ihm keinen Vorwurf", sagte er. "Bei dem Tempo muss man Fehlentscheidungen auch mal akzeptieren."

Rätselraten über Finnbogassons Platzverweis

Gleich zwei Rote Karten hagelte es für den FC Augsburg.
Gleich zwei Rote Karten hagelte es für den FC Augsburg.(Foto: imago/Eibner)

In Augsburg erkämpfte sich der abstiegsbedrohte FCA derweil in zweifacher Unterzahl einen 2:1-Sieg gegen den 1. FC Köln. Über jeden Zweifel erhaben war dabei die Gelb-Rote Karte gegen Ja-Cheol Koo, der Marco Höger in der 89. Minute mit hohem Bein am Oberkörper getroffen hatte. Da der Koreaner sich in dieser Situation selbst schwer verletzte und nach minutenlanger Behandlung schließlich mit der Trage vom Feld gebracht werden musste, sprach Schiedsrichter Guido Winkmann die Matchstrafe auf eine ungewöhnliche, aber anweisungsgemäße Art aus: Er rief den Augsburger Kapitän Paul Verhaegh zu sich, hielt in dessen Beisein die Gelbe und die Rote Karte in die Luft und deutete auf die Trage. So soll eine disziplinarische Strafe übermittelt werden, wenn der Empfänger selbst unpässlich ist.

Alfred Finnbogasson dagegen konnte seine glatt Rote Karte in der Nachspielzeit persönlich in Empfang nehmen. Das Problem dabei war nur: Er wusste nicht, wofür er sie bekommen hatte. So wie ihm ging es auch dem Augsburger Manager Stefan Reuter, der von einem "Rätsel" sprach, und selbst neutralen Beobachtern. Die Fernsehbilder zeigten lediglich ein Wortgefecht zwischen Finnbogasson und dem Kölner Frederik Sörensen, eine Tätlichkeit oder eine andere schwerwiegende Unsportlichkeit war nicht auszumachen. Womöglich sind beleidigende Worte gefallen, das wird der Sonderbericht zeigen, den der Unparteiische angekündigt hat, der sich nach dem Spiel selbst nicht äußern wollte.

Ohne Probleme und mit großer Selbstverständlichkeit brachte Felix Brych das insgesamt faire Nordduell zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV (2:1) über die Bühne. Überzeugend war auch der Auftritt von Daniel Siebert in der Begegnung zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem FC Bayern München (0:0) am Samstagabend. In dieser Partie kam es zur vielleicht kuriosesten Szene des Spieltags: Als die Bayern nach einer Stunde einen Freistoß in Strafraumnähe zugesprochen bekamen, bat David Alaba den Schiedsrichter, die Position des Balles nicht mit einer allzu dick gesprühten Linie zu markieren. Der Referee drückte dem Münchner daraufhin kurzerhand sein Freistoßspray in die Hand, auf dass dieser die Markierung selbst anbringt. Eine ungewöhnliche und humorvolle Geste, die Gelassenheit und Souveränität ausstrahlte. Alaba tat, wie ihm geheißen, konnte aus Sieberts Entgegenkommen allerdings kein Kapital schlagen: Der Freistoß flog knapp über das Leverkusener Tor.

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Quelle: n-tv.de

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