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Klinsmann über Trainerohnmacht, Qualen, die Bayern: "Spanier sind leidensfähiger als wir"

"Hallo Chef!" Jürgen Klinsmann gibt sich locker, als er n-tv.de in Hamburg zum Interview trifft. Selbst als es um die Autobiografie Theo Zwanzigers und seinen wenig ruhmvollen Abschied vom FC Bayern München geht, bleibt der Trainer der amerikanischen Fußball-Nationalmannschaft entspannt. Seit Mitte vergangenen Jahres arbeitet er in den USA - und sieht sich auf einem guten Weg. Nicht nur, dass er wieder den ganzen Laden auf den Kopf stellen durfte, auch in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien läuft es rund. Die erste Runde ist überstanden, nun geht es Anfang nächsten Jahres in einer Gruppe mit Mexiko, Costa Rica, Honduras, Jamaika und Panama darum, einen der ersten drei Plätze in dieser Sechsergruppe zu belegen. "Müsste zu schaffen sein."

Jürgen Klinsmann trainiert seit 2011 die US-Nationalmannschaft - und das immer erfolgreicher.
Jürgen Klinsmann trainiert seit 2011 die US-Nationalmannschaft - und das immer erfolgreicher.

Je mehr er erzählt, desto deutlicher wird: Hier sitzt ein Mann, der mit sich im Reinen ist. Und wenn er über die WM 2006 in Deutschland spricht, wirkt er immer noch von sich be­geistert. Schließlich hat César Luis Menotti, die argentinische Trainerlegende, ihm seiner­zeit anvertraut, dass er noch nie eine deutsche Mannschaft so begeisternd habe spielen sehen. "Da sind mir fast die Tränen gekommen."

Jürgen Klinsmann darüber, wie er in den USA die Randsportart Fußball an die Großen der Welt heranführen will, warum die deut­schen Spieler den Spaniern nicht das Wasser reichen können, und dass er den Bayern nur das Beste wünscht.

Sie haben gesagt, sie seien gelassener geworden. Und reagieren relativ ruhig, wenn zum Beispiel Theo Zwanziger ein Buch schreibt und behauptet, sie wären bei einem missglückten Auftakt der Weltmeisterschaft 2006 als deutscher Nationaltrainer gefeuert worden. Das regt Sie nicht auf?

Wenn Leute über andere Leute urteilen, ohne dass sie die Tiefe der Menschen kennen, dann ist es für mich einfach nicht wert, damit meine Zeit oder meine Energie zu verschwenden.

Kein Konter? Sie schreiben kein Buch?

Nein! Ich könnte sicherlich einige Bände schreiben. Aber das ist doch eine Lose-Lose-Situation, das bringt doch niemandem etwas. Letztlich muss man die Menschen so nehmen, wie sie sind. Und wenn sie wie im Fall Zwanziger so plaudern, dann sollen sie halt plaudern. Ob das jetzt stimmt oder nicht, was er da sagt. Das ist nicht mehr wichtig. Weil es eine absolut gigantische Zeit war, die wir erlebt haben. Vieles hing am seidenen Faden, wir mussten hohes Risiko gehen, um diese junge Mannschaft da hinzubringen, wo wir sie hingebracht haben. Dass da einige das Nervenflattern bekommen - das ist normal.

Sie geben sich gelassen. Die Stimmung im deutschen Fußballbetrieb ist es offenbar nicht.

Über den FC Bayern sagt Klinsmann: "Ich durfte da ein Jahr trainieren und habe mich dann von ihnen getrennt. Oder wir haben uns getrennt - naja, sie haben sich von mir getrennt."
Über den FC Bayern sagt Klinsmann: "Ich durfte da ein Jahr trainieren und habe mich dann von ihnen getrennt. Oder wir haben uns getrennt - naja, sie haben sich von mir getrennt."(Foto: picture alliance / dpa)

Ich glaube schon, dass wir in Deutschland gelassener geworden sind, dass wir feiern können. 2006 hat viel verändert. Vor allem hat es unser Image verbessert, weltweit. Trotzdem denke ich, dass hier und da ein Funke fehlt, anderen etwas zu gönnen. Ich gönne dem FC Bayern jeden Erfolg. Warum auch nicht? Ich durfte da ein Jahr trainieren und habe mich dann von ihnen getrennt. Oder wir haben uns getrennt - naja, sie haben sich von mir getrennt. Weil wir total anders denken.

Und das wurmt Sie auch nicht mehr, die Art des Abschieds und das Nachtreten? Haben Sie wirklich Ihren Frieden damit gemacht?

Da musst du dich komplett von trennen. Das habe ich getan. Und dennoch großen Respekt vor dem Klub. Ich habe noch Kontakt zu Angestellten. Die sagen nach wie vor, das war gigantisch, was du da aufgebaut hast in so kurzer Zeit. Das ist schön. Aber das heißt nicht, dass ich mich mit Leuten auf ein Bier treffe, mit denen ich mich nicht treffen will. Das Thema ist durch. Da nachzutreten - das bringt doch gar nichts.

Sie haben mal gesagt, dass eine Entwicklung, so positiv sie auch sein mag, nicht zwangsläufig in einem Titel mündet. Bundestrainer Joachim Löw hat das mit seinem Team bisher nicht geschafft. Und steht in der Kritik. Verstehen Sie das?

Das ist ja auch eine gesellschaftliche Diskussion. Diejenigen, die es umsetzen müssen, das sind unsere talentierten Spieler, die uns die Bundesliga-Leistungszentren produziert haben. Es ist an ihnen zu sagen: Wir wollen das um jeden Preis. Um einen Titel zu erreichen, musst du hungrig sein, musst dir selbst wehtun können. Die spannende Frage ist: Kann das diese Generation? Das müssen diese Spieler beantworten. Irgendwann kommt die nächste Garde. Dann kann es passieren, dass eine Generation ihre Karriere mit leeren Händen beendet. Wie Michael Ballack, Bernd Schneider, Torsten Frings, Jens Lehmann. Ich hätte ihnen wahnsinnig gerne einen WM-Titel gewünscht. Aber eine Mannschaft ist ja nur ein Spiegelbild ihres Umfeldes.

Aber es gibt doch im Fußball, wie im richtigen Leben, zu viele Unwägbarkeiten. Zum Beispiel, dass eine andere Mannschaft gerade auch mal ganz gut spielt.

Richtig, absolut.

Oder es passt an diesem einen, entscheidenden Abend eben nicht. Wie jüngst im Halbfinale der Europameisterschaft gegen Italien. Erfolg ist doch nicht planbar, oder?

Bilderserie

Das ist ja auch das Schöne. Andererseits: Wenn du es danach analysierst, weißt du ganz genau, warum du es nicht geschafft hast. Es ist ja nicht so, dass du nicht weißt, warum du bei der EM gegen Italien verloren hast. Oder warum wir im Halbfinale der WM 2006 gegen Italien verloren haben. Wir haben verloren, weil die eine Nase cleverer waren. Die waren e ine Nase besser. Feierabend. Aber es gibt Gründe, warum Dinge nicht funktionieren. Und die musst du ins Auge fassen. Dann ziehst du die Konsequenzen - oder nicht. Das ist jedem selbst überlassen. Du kannst jetzt viel über den Jogi diskutieren und darüber, was er anders machen sollte. Letztlich ist da eine Generation an Athleten, die für sich vor Augen haben muss: Will ich das um jeden Preis - auch wenn ich heute müde bin und gegen Italien spiele - und den Andrea Pirlo da auf dem Platz sehe? Oder ist vielleicht heute doch nicht mein Tag? Das ist das Spannende.

Dann spielt sich alles in den Köpfen ab?

Bei einem Turnier sind alle fit, die Gegner auch. Erfolg ist da reine Kopfsache. Deswegen kommen ja die großen Nationen bei Turnieren immer bis ins Halbfinale. Die sind leidensfähiger. Sie sind es gewohnt, zwei Monate zusammenzusitzen und sich auf den Geist zu gehen. Sie sind es gewohnt, mit der gigantischen Medienpräsenz umzugehen, mit den Erwartungen. Und andere Nationen, die sind es gewohnt, die Gruppe zu überstehen. Dann kommt das Achtelfinale - und Feierabend.

Wie vermitteln Sie so etwas als Trainer? Kann man das trainieren?

Carles Puyol, im WM-Halbfinale 2010 der Siegtorschütze gegen Deutschland, ist die personifizierte spanische Leidensfähigkeit.
Carles Puyol, im WM-Halbfinale 2010 der Siegtorschütze gegen Deutschland, ist die personifizierte spanische Leidensfähigkeit.(Foto: picture alliance / dpa)

Es kommt auf die Chemie im Team an. Als Trainer arbeitest du an einem Puzzle, das ineinandergreifen muss. Im besten Fall mit Spielern, die die totale Hingabe haben. Spieler, die den entscheidenden Moment erkennen und das Ruder übernehmen. Wie Lothar Matthäus bei der WM 1990. Der hat gesagt: 'Gib mir den Ball, ich mach' das jetzt'. Die Spanier haben diese Chemie entwickelt, der eine ist für den anderen total da, hat die Hingabe. Keine Mannschaft ist so leidensfähig. Du kannst noch so viel über ihren tollen Fußball sprechen. Entscheidend ist: Die sind leidensfähiger als wir. Die können durch diese kritischen Momente durchgehen. Da reißt sich der eine für den anderen den Hintern auf.

Sie sind ja als Trainer hoch eingestiegen: erst beim DFB, dann beim FC Bayern. Mehr geht in Deutschland eigentlich nicht. Nun arbeiten sie in den USA. Macht's Spaß?

Definitiv ein wundervoller Job. Wir haben dreimal verhandelt. Nach 2006, nach 2010 - und sind erst Mitte 2011 zusammengekommen. Wir haben immer gesagt, es würde optimal passen. Aber erst bei der dritten Verhandlung waren sie bereit, mir den gesamten technischen Bereich zuzusprechen. Ich möchte die A-Nationalmannschaft führen, aber auch die Strukturen legen, damit sich richtig guter Fußball entwickelt.

Viele sagen, dass es Ihnen im deutschen Fußball gelungen ist, einen Strukturwandel anzustoßen. Sind Sie da stolz drauf?

Ich find's schön, dass viele Leute in 2006 den Wendepunkt sehen. Das war er auch. Nicht nur, dass wir der Welt gezeigt haben, dass wir richtig gut Fußball spielen können. Menotti hat mir während der WM gesagt, er sei so was von begeistert. Noch nie habe er eine deutsche Mannschaft so spielen sehen. Da sind mir fast die Tränen heruntergelaufen. Ich hatte ihn ja als Trainer in Genua. Und er lebt die Schönheit des Spiels. Aber es war auch toll, dass da so ein Schulterschluss da war zwischen der Gesellschaft und dem, was wir von dieser Mannschaft gesehen haben. Deswegen glaube ich, dass viele Leute danach umgedacht haben. Dass sie mit Spezialisten arbeiten wollen, egal ob die aus Amerika kommen oder aus Australien. Dass die Psychologie eine wichtige Rolle spielt. Und viele Elemente außerhalb des Spielfelds.

Also doch stolz?

Welt- und Europameister sind Klinsmann und Joachim Löw nicht geworden. Dafür sind sie Umbaumeister.
Welt- und Europameister sind Klinsmann und Joachim Löw nicht geworden. Dafür sind sie Umbaumeister.(Foto: picture alliance / dpa)

Da waren viele Dinge, die schon so eine Signalwirkung hatten. Mich freut's einfach für die Sache. Mich freut es, dass der Jogi mit seinem Stab das dann weitergeführt hat. Im Prinzip hat er ja nichts geändert. Wahrscheinlich hätte ich da viel mehr geändert. Das ist toll.

Und jetzt darf Jürgen Klinsmann also wieder alles umkrempeln?

Die Möglichkeiten sind größer als in den traditionellen Fußballländern, weil in den USA noch nicht alles so festgezurrt ist. Es hat sich viel verändert in den letzten 16 Monaten. Wir haben sämtliche Trainer von der U 23 bis zur U 14 neu besetzt - mit ehemaligen Nationalspielern. Die wissen, wovon sie reden. Bescheidene, hart arbeitende Jungs. Es ist das eingetreten, was ich mir gewünscht habe. Ich telefoniere oder treffe mich mit dem Verbandspräsidenten, wir gehen einen Punkt nach dem anderen durch, und sagen: Ja, Nein, Ja, Nein.

Sie betonen, dass sie entspannter geworden sind. Gilt das auch für die Arbeit als Trainer? Sie haben selbst gesagt, als Spieler waren sie eher etwas jähzornig.

Was heißt entspannter? Wenn das Spiel gespielt wird, bin ich dabei, lebe das. Ich möchte den Spielern signalisieren: Ich bin da. Du sitzt jetzt nicht nur da und machst keine Mimik. Dafür bin ich auch viel zu emotional.

Dennoch: Sie sind nicht mehr so im Fokus der Öffentlichkeit. Stört Sie das?

Es ist mit Sicherheit eher angenehm. Du machst deine Arbeit, wie du es für richtig hältst - und hoffst, dass es erfolgreich ist. Aber du weißt, dass du nur die Sportart Nummer vier oder fünf bist. Weil Baseball, Basketball, Football federführend sind. Dennoch: Du hast eine Aufgabe übernommen, die spannend ist, weil es stetig nach oben geht. Die Amerikaner möchten irgendwann mit den großen Nationen mitreden, die Top Ten der Welt sind das Ziel.

Was konkret hat sich im Fußball in den USA verändert?

Spieler- und Trainerkarriere
Stationen als Spieler
 
SaisonVereinSpieleTore
1981-84Kickers Stutt.  6122
1984-89VfB Stuttgart15679
1989-92Inter Mailand  9534
1992-94AS Monaco  6529
1994/95Tottenham H.  4120
1995-97FC Bayern  6531
1997/98Sam. Genua   8  2
1998Tottenham H. 15  9
    
Stationen als Trainer
 
2004-06deutscher Bundestrainer
2008-09FC Bayern
2011-Nationaltrainer der USA

Wir haben jetzt übers ganze Land verstreut 80 Akademien nach dem Muster der Leistungszentren in Deutschland. Und fangen an, Talente zu produzieren. Überall passiert etwas. Wir haben sechs Fernsehkanäle, die Fußball zeigen. Vor zehn Jahren hatten wir keinen. Ich kann mir alles anschauen: Premier League, Bundesliga, Serie A, spanische Liga ...

Und das machen Sie auch?

Nein, um Gottes Willen. Ich habe zwei Kinder, ich schau lieber denen zu. Aber ich picke mir die Spiele raus. Wir haben sechs, sieben Spieler in der Premier League, das schaue ich mir an. Oder Michael Bradley bei AS Rom, Jermaine Jones bei Schalke, die Jungs in Hoffenheim in der Bundesliga. Da weiß ich schon, was abläuft. Abgesehen davon: Der Fußball bekommt langsam in der Gesellschaft eine ganz andere Anerkennung.

Womit wir wieder bei der Ruhe sind. Steigen dann nicht auch die Erwartungen? Also Sie sollten sich vermutlich jetzt schon für die WM 2014 in Brasilien qualifizieren?

Das wird erwartet. Sonst ist der Job fehlgeschlagen. Was die WM betrifft, da sind die Amerikaner aber realistisch. Dennoch: Wir haben mittlerweile eine andere Einstellung zu Mannschaften, die besser oder erfahrener sind. Wir können sie trotzdem schlagen. Wenn man die Spieler eins zu eins vergleicht, ziehen wir wahrscheinlich den Kürzeren. Aber die Chemie, die sich bei uns entwickelt, ist der Grundstein für Erfolg. Da wächst etwas zusammen. Wir wollen bei der WM schon ein bisschen weiterkommen.

Das heißt?

Einfach mal das Viertelfinale anpeilen. Wir trauen es uns mittlerweile zu, einfach mitzuspielen. Wir sind nach Russland geflogen und haben ein Unentschieden erreicht. Wir haben zum ersten Mal in  der Geschichte gegen Mexiko gewonnen, Italien geschlagen. Und mit denen Fußball gespielt. So machen wir es auch, wenn wir gegen Deutschland spielen würden.

Was ja im nächsten Jahr der Fall ist.

Dann werden wir mit ihnen Fußball spielen - und wenn sie besser sind und uns schlagen, ist das kein Problem. Dann akzeptieren wir das und geben ihnen ein Riesenkompliment. Aber das müssen sie erst einmal schaffen.

Nahziele mit den USA: Erst zur WM und dort dann ins Viertelfinale - mit Fußball.
Nahziele mit den USA: Erst zur WM und dort dann ins Viertelfinale - mit Fußball.(Foto: picture alliance / dpa)

Sie wirken nicht unzufrieden.

So wie dieses Jahr 2012 für uns gelaufen ist, das war fantastisch. Das sind Signale, die wir rausschicken. Vor allem aber ist unsere Aufgabe, die Spieler in ihren Klubs auf das nächste Level zu bringen. Wie Clint Dempsey von Fulham zu Tottenham, Michael Bradley von Verona zu AS Rom. Wenn unsere Führungsspieler das erreichen, hat das auch Auswirkungen auf die Nationalmannschaft.

Sind Sie da auch daran beteiligt, reden Sie mit den Spielern, fragen die Sie?

Sie wollen auf ein Niveau, auf dem ich durchweg gespielt habe. Ein Anruf von mir bei einem Trainer wirkt halt anders, als wenn ein Spielervermittler anruft. Aber sie müssen ihre Hausaufgaben schon selber machen. Langsam merken sie, dass sie es schaffen können, wenn sie ihre Karriere in ihre eigenen Hände nehmen. Sie müssen für den Fußball leben. Sie müssen lernen, mit vielen Dingen umzugehen: Ob das die Medien sind, ob das die Ernährung ist, der Schlaf, der Lifestyle. Dinge, die bei amerikanischen Nationalspielern bisher kaum eine Rolle gespielt haben. Das heißt aber nicht, dass die nie rausgehen und ein paar Bier trinken können.

Ist das Arbeiten nun noch globaler? Sie suchen Spieler, und das ist in den USA neu, mit zwei Pässen, die für ihr Team spielen könnten. Sie haben zwei Scouts in Europa.

Die Europapräsenz leitet Andi Herzog, der mein Assistenztrainer ist. Matthias Hamann ist mit ihm ständig unterwegs. Das sind zwei richtig gute Jungs, die für uns die Brücken bauen.

Ruft Andi Herzog Sie an und sagt: Ich hab hier einen?

Wir haben Datenbänke aufgebaut über alle Jungs mit doppelten Staatsbürgerschaften. Wenn die auf der Bildfläche erscheinen, wissen wir Bescheid. Wir beobachten sie, laden sie zu unseren Jugendnationalmannschaften ein. Wir bleiben in Kontakt, telefonieren mit ihnen, natürlich auch mit den Eltern. Und eines Tages müssen sie ihre Entscheidungen treffen.

Das betrifft aber auch die Spieler mit süd- und mittelamerikanischen Wurzeln …

Wie haben wahnsinnig viele Hispanics. Und wir haben viele, die uns von den Mexikanern geklaut werden. Richtig gute Jungs, die wachsen bei uns auf - und dann werden sie von den großen mexikanischen Klubs weggezogen. Wir sind jetzt dabei, die wieder einzufangen.

Um dann möglichst einen Mesut Özil ...

... für die USA zu gewinnen. Wir versuchen, früh dran zu sein. Und ihnen dann aber ohne Druck die Entscheidung zu überlassen: Das muss von Herzen kommen, wenn du dich für ein Land entscheidest. Meine Kinder sind eher amerikanisch als deutsch. Weil wir seit 14 Jahren drüben sind. Und wenn der Bube, der Torwart ist, 15 Jahre alt, vielleicht irgendwann in die Situation kommen würde, dann muss er die Entscheidung treffen.

Moment, wie wird der Sohn eines Stürmers Torwart?

Vielleicht, weil er nicht Stürmer werden wollte. Weil es sonst heißt: Ja der Papa, der Papa hätte das so oder so gemacht. War vielleicht eine clevere Entscheidung vom Sohnemann.

Zum Schluss zur Perspektive: Sehen wir sie noch einmal in Deutschland als Trainer?

In dem Metier, in dem ich zu tun habe, kannst du gar nichts planen. Du kannst zwar sagen: Ich habe jetzt einen Vertrag bis 2014, und wenn alles gut laufen sollte, kann man den auch verlängern. Dennoch weißt du nicht, was morgen passiert.

Aber können Sie sich vorstellen, einen Bundesligaverein zu trainieren?

Du kannst nichts ausschließen. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Bundestrainer werde. Ich hätte nicht einmal gedacht, dass ich überhaupt Trainer werde. Ich habe im Jahr 2000 den Schein gemacht, habe den Sonderlehrgang für Ex-Nationalspieler organisiert. Dann hat der DFB gesagt: Jürgen, sei so gut, mach halt auch mit. Aber eigentlich war ich nicht überzeugt davon.

Quelle: n-tv.de

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