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"Ich kann das kommentarlos nicht beantworten": Thorsten Legat.
"Ich kann das kommentarlos nicht beantworten": Thorsten Legat.(Foto: RTL / Stefan Gregorowius)

Redelings über Legat im Dschungel: Der Schließmuskel des Verbalhexers

Von Ben Redelings

Thorsten Legat ist der heimliche Favorit des Dschungels. Wenn er sich nicht von seiner eigenen Kompetenz beirren lässt, dann gilt: "Ich wüsste mehr, wenn ich es wüsste." Unser Kolumnist freut sich auf die eierlegende Wollmilchsau mit Trashpotenzial.

"Thorsten Legat. Was der mit der deutschen Sprache anstellt - dafür geht ein Gebrauchtwagenhändler in den Knast", sagt der Dschungelcamp-Autor Jens Oliver Haas. Man muss keine Magisterarbeit in Medienwissenschaften geschrieben haben, um vorauszusagen, dass ab Freitag, den 15. Januar, Millionen Deutsche über den Verbalhexer aus Bochum reden werden. Thorsten Legat ist ein Mann des Volkes. Der Big Brother Zlatko Trpkovski des Jahres 2016. Für viele wird in den nächsten zweieinhalb Wochen der Untergang des Abendlandes wieder im TV und nicht an den Staatsgrenzen stattfinden.

"Es war toll, es war Klasse, es war wie ein Albtraum."
"Es war toll, es war Klasse, es war wie ein Albtraum."(Foto: RTL / Stefan Gregorowius)

Vielleicht ist das aber gar nicht mal so schlecht. Hitzige Diskussionen über Banales zum Runterkühlen der Gemüter. RTL als Bewahrer des inneren Friedens. Und zum Staffelfinale singen alle gemeinsam mit Legat und Ballermann Jürgen die Neuauflage des 2000er-Hits "Großer Bruder": "Wir halten voll zusammen, auch wenn es manchmal kracht." Thorsten Legat würde wohl über diese (Wahn-)Vorstellung sagen: "Es war toll, es war Klasse, es war wie ein Albtraum." Den ehemaligen Fußballprofi und Deutschen Meister kannten bisher nur echte Kenner des runden Ledersports. Das wird sich nun ändern.

Denn der Kicker aus dem Ruhrgebiet hat das gewisse Trashpotential im Blut. Sein Leben ist eine einzige Anekdote. Es ist erstaunlich wie konsequent Legat jedes Fettnäpfchen (das er sich selbst aufgestellt hat) mitnimmt und dennoch scheinbar stets einen Kopf größer aus der Situation wieder herauskommt. Unvergessen, wie er damals in Frankfurt dem Präsidium seine schlechten Leistungen mit dem plötzlichen Tod seines Vaters erklärte. Als die Eintracht-Offiziellen danach sichtlich geschockt wie verständnisvoll sofort einen Blumenkurier mit Beileidsschreiben nach Bochum-Werne schickten, erlebte der Mann mit dem duftenden Strauß den Schock seines Lebens. Denn die Wohnungstür öffnete damals der quicklebendige Erzeuger des Frankfurter Profis.

"Keine Steine im Vertrag"

Nach dieser Aktion verließ Legat den Klub ("Ich glaube nicht, dass der Verein mir Steine in den Vertrag legt") genau zur richtigen Zeit. Mit dem VfB Stuttgart wurde er kurz darauf Deutscher Pokalsieger. Thorsten Legat hat das unschätzbare Potential das Land in zwei Lager zu spalten. Und: Er steht wie kaum ein zweiter im Unterhaltungsbetrieb im Moment für das berühmte Gaffer-Phänomen. Wir können nicht wegschauen, auch wenn wir es wollen. Fasziniert beobachten wir seine sprachlichen Ausrutscher.

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "der Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann). Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

"Ich kann das kommentarlos nicht beantworten." Für die Produzenten des Dschungelcamps ist er die eierlegende Wollmilchsau. Mitschneiden und senden. Fertig. Die virale Maschine wird laufen wie nie. Man darf gespannt sein, ob RTL Themen des deutschen Alltags im Dschungel zulässt. Ehrlich und authentisch, wie sich Jürgen Milski und sein neuer Bruder im Camp wie im Geiste, Thorsten Legat, selbst stets feiern, könnte das Fass des Zündelns auch überlaufen. Legat steht zwar zu seinen Sünden, aber fern Australiens könnten sie ihn in der Heimat auch wieder einholen. Unvergessen die Geschichte aus Stuttgarter Zeiten, als er im Zorn seinen damaligen Mitspieler Thiam übel beleidigte. Auf ein Poster, das den dunkelhäutigen Kollegen mit einer Trinkflasche in der Hand zeigte, schrieb Legat das Wort "Negersaft". Natürlich geht so etwas überhaupt gar nicht, aber man muss auch feststellen: Das ist ein typischer Legat.

Übertragen könnte man sagen: Wo andere einen Schließmuskel im Hirn haben, lässt der ehemalige Fußballprofi einfach laufen. Das muss man nicht mögen, aber es fördert verbale Spezialitäten zutage, die das Herz eines jeden Sprachliebhabers entzücken. Im Stile eines Giovanni Trapattonis ("Ich habe fertig") kreiert Legat neue Redewendungen am Fließband. Aktuelle Beispiele: "Ich wüsste mehr, wenn ich es wüsste." Und: "Da habe ich mich von meiner Kompetenz beirren lassen".

Bleibt die Frage, ob man Legat vor sich selbst beschützen müsste? Die Frage ist leicht zu beantworten. Er ist nicht auf das Geld angewiesen, das im Füllhorn über den Kandidaten des Dschungels ausgekippt wird. Er hat eine tolle Familie (die er im Camp immer wieder mit Tränen in den Augen erwähnen wird) mit einer wunderbaren Frau und zwei wohlgeratenen, talentierten Jungs. Er weiß, was er da tut. Vielleicht nicht zu 100 Prozent, aber im Großen und Ganzen. Und er schauspielert nicht. Er ist einfach er selbst. Thorsten Legat. Der Mann, der über die Zeit seines ehemaligen Mitspielers Eike Immel im Dschungel einmal sagte: "Mitleid verspüre ich nicht, da jeder seinen eigenen Weg im Leben geht und für alles selbst verantwortlich ist." Na, denn, Bühne frei.

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Quelle: n-tv.de

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