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"Was mit uns gemacht wurde, war ein Verbrechen!" Max Merkel auf der Bank des 1. FC Nürnberg im Jahr 1967.
"Was mit uns gemacht wurde, war ein Verbrechen!" Max Merkel auf der Bank des 1. FC Nürnberg im Jahr 1967.(Foto: imago sportfotodienst)

Redelings über DFB-Bestrafungen: "Provozierend sein Hinterteil präsentiert"

Von Ben Redelings

Bayer-Trainer Roger Schmidt muss sich fürchten. Geldstrafe, Sperre oder gar beides? Der DFB hat alles schon gemacht. Auch Schiedsrichter-Legende Wolf-Dieter Ahlenfelder musste dran glauben. Dabei hatte er den Fall ganz pfiffig gelöst!

Roger Schmidts Gang nach Frankfurt vors Sportgericht wird nach dem Eklat im Spiel gegen die Dortmunder Borussia kein leichter sein. Der Deutsche Fußball-Bund wolle "eine schuldangemessene Sanktion finden", ließ er verlauten. Eine pfiffige Formulierung, die alles offen lässt. Doch ganz so schlimm wie für einen legendären Kollegen wird das Prozedere für Schmidt, Trainer des Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen, schon nicht werden.

Sein Gang wird kein leichter sein: Roger Schmidt.
Sein Gang wird kein leichter sein: Roger Schmidt.(Foto: dpa)

Rückblende: Saison 1967/1968. Max Merkel ging es schlecht. Richtig schlecht. Vor der Urteilsverkündung im Februar 1968 musste der Übungsleiter des 1. FC Nürnberg sogar mit einem Entzug seiner Lizenz rechnen. Merkel hauchte ungewohnt leise und seelisch völlig am Ende den Reportern zu: "Erstmals in meinem Leben nahm ich am letzten Donnerstagabend zwei Schlaftabletten." Wer sich in aller Ruhe die Sündenkartei anschaut, kann verstehen, dass Merkel ordentlich Muffensausen hatte. Doch die Sache ging glimpflicher aus als befürchtet. Der DFB verurteilte Merkel zu einer Strafe in Höhe von 12.500 DM. Die Summe schlüsselte sich folgendermaßen auf:

• 1.000 DM, weil Merkel beim Spiel am 9. September 1967 in Frankfurt sagte: "Wenn es nicht anders geht, hätte der Schämer unserem Brungs die Beine wegziehen müssen."

• 2.000 DM, weil Merkel im November 1967 dem Kölner Hans Schäfer androhte, dass er im Rückspiel jedem seiner Spieler 100 DM zahlen würde, wenn er holze.

• 3.000 DM, weil Merkel in Köln beim Hinsetzen auf die Trainerbank in provozierender Art und Weise sein Hinterteil präsentiert habe.

• 1.000 DM, weil Merkel die Kölner Spieler mit Rugbyspielern und Catchern verglich.

• 1.500 DM, weil Merkel in Köln sagte: "Was mit uns gemacht wurde, war ein Verbrechen!"

• 2.000 DM, weil er Schiedsrichter Klaus Ohmsen in Köln als "Anfänger" bezeichnete und in Zusammenhang mit Schiedsrichter-Obmann Wolff, dessen Schwiegersohn Hans Schäfer, Kölns Trainerassistent, und Kölns inzwischen verstorbenem Vorsitzenden Franz Kremer brachte.

• 2.000 DM, weil er zum Kollegen Willi Multhaup gesagt hat: "Wir werden euch die Knochen brechen."

Einen anderen Vergleich bietet ein Verfahren aus dem März 2004. Damals konnte sich der Frankfurter Trainer Willi Reimann nicht beherrschen. Beim 0:2 in Dortmund regte er sich nach Gelb-Rot gegen seinen Spieler Henning Bürger so sehr auf, dass er den Schiedsrichter-Offiziellen Thorsten Schriever zweimal wegschubste. Reimann erhielt eine Sperre von fünf Partien für den Innenraum.

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "der Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann). Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Natürlich haben auch Spieler außerordentliche Strafen nach nicht-regelkonformen Kontakten zum Schiedsrichter bekommen. In der Spielzeit 1978/1979 regte sich der Frankfurter Bernd Hölzenbein über die Länge seiner Sperre auf. Er wurde vom DFB für vier Spiele aus dem Verkehr gezogen, weil er zum Schiedsrichter zweimal "Du altes dreckiges Arschloch" gesagt hatte. Der Lauterer Neues musste hingegen nur drei Partien aussetzen, weil er sich gegenüber dem Schiri mit den Worten "Du Sau" äußerte. Das fand Hölzenbein interessanterweise ungerecht.

Auf jeden Fall wird es für Roger Schmidt aber nicht so schlimm werden wie für den damaligen Sechziger Timo Konietzka. Am 8. Oktober 1966 trat der Nationalspieler mit seiner Mannschaft zu Hause gegen seine ehemalige Borussia aus Dortmund an. Als Konietzka mit einer Entscheidung des Schiedsrichters Max Spinnler nicht einverstanden war, stieß er ihm vor die Brust, riss ihm die Pfeife aus dem Mund, trampelte auf dieser rum und trat Spinnler schließlich vors Schienenbein. Später sagte Konietzka, immer noch wenig einsichtig und rasend vor Wut, er habe den Mann in Schwarz doch nur ein "klein bisschen" mit seinen Stollenschuhen getreten. Wie dem auch sei: Konietzka erhielt die bis heute längste Strafe eines Bundesligaprofis. Sechs Monate musste der Angreifer aussetzen. Der DFB kannte keine Gnade.

Dass es übrigens auch andersherum geht, zeigt ein Beispiel aus dem Jahre 1982. Damals wurde der Bundesligaschiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder von seinem Heimatverband Niederrhein für sechs Wochen gesperrt, weil er beim Oberligaspiel zwischen BV 08 Lüttringhausen und dem FC Bocholt verprügelt wurde. Schiedsrichterobmann Willi Hesper: "Dies soll eine Denkpause für Herrn Ahlenfelder sein, der seinerzeit keinen Bericht über die Vorfälle gemacht hat, obwohl er mehrfach geschlagen worden war." Ahlenfelder war hinterher mit den Übeltätern einfach ein Bier trinken gegangen. Keine schlechte Idee. Vielleicht hätte ein gemeinsames Kaltgetränk nach Spielschluss am Wochenende allen Beteiligten auch gut getan.

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Quelle: n-tv.de

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