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Islam Slimani ist die der algerische Mann für die entscheidenden Tore.
Islam Slimani ist die der algerische Mann für die entscheidenden Tore.(Foto: imago/Xinhua)

Zwei Duelle, zwei Niederlagen: Algerien, der gefährliche Fußballzwerg

Von Roland Peters

"Wir werden alles dafür tun", so der algerische Stürmer Sofiane Feghouli über das WM-Viertelfinale. Der Fastenmonat Ramadan sei kein Problem, sagt der eingeflogene Imam. Deutschland heißt das Hindernis. Zwei Mal spielten die Afrikaner bislang gegen eine DFB-Elf, zweimal gewannen sie.

Bosnischer Trainer, afrikanische Mannschaft: Algerien beim Abschlusstraining.
Bosnischer Trainer, afrikanische Mannschaft: Algerien beim Abschlusstraining.(Foto: dpa)

Deutschland spielt am Montag im Achtelfinale gegen Algerien. Ach, Algerien, winken wohl viele ab, was soll da bloß passieren? Viel kann da passieren - eine weitere Niederlage etwa. Gewonnen hat die DFB-Elf gegen die Nordafrikaner noch nie, die einzigen beiden Duelle sogar verloren. Und so warnte nach Bundestrainer Joachim Löw auch DFB-Chefscout Urs Siegenthaler eindringlich vor dem Gegner aus Nordafrika. "Ich will das nicht überhöhen, aber ich erwarte, dass die Algerier so spielen, als ginge es um ihr Leben."

Und dabei wird Algeriens Trainer Vahid Halilhodžić wohl voraussichtlich auf die Startelf vom die Vorrunde abschließenden 1:1 gegen Russland setzen. Laut algerischen Medienberichten würde Kapitän und Abwehrchef Madjid Bougherra in dem 4-2-3-1-System dann erneut auf der Bank sitzen. Der 32-Jährige hatte im letzten Vorrundenspiel wegen einer leichten Wadenverletzung pausiert, ist aber wieder einsatzfähig. Dennoch werde Halilhodžić am Montag (22 Uhr / n-tv.de Liveticker) auf Essaid Belkalem setzen, schreibt "La Liberté". Der 1,90 Meter große Verteidiger vom FC Watford sei mit seiner Statur und Kraft möglicherweise gegen die deutsche Offensive effektiver.

Er war der Torschütze des 2:1- Siegtreffers gegen Deutschland 1982: Lakhdar Belloumi (r.), hier im Duell mit Torwart Harald Schumacher.
Er war der Torschütze des 2:1- Siegtreffers gegen Deutschland 1982: Lakhdar Belloumi (r.), hier im Duell mit Torwart Harald Schumacher.(Foto: imago/Horstmüller)

"Wir haben in der Vorrunde viel gelernt", sagte Angreifer Sofiane Feghouli vor dem Abflug der algerischen Delegation vom Teamquartier in Sorocaba nach Porto Alegre. "In diesem Achtelfinale gegen Deutschland bleibt alles möglich", betonte der Profi vom FC Valencia, der hinter der einzigen echten Spitze Islam Slimani auflaufen wird. "Wir werden uns auf dieses Spiel so vorbereiten, dass wir ins Viertelfinale einziehen können. Wir wissen, dass es schwer wird, aber wir werden alles dafür tun." Nie zuvor hatte sich Algerien für die K.o.-Runde einer Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert: 1982 in Spanien, 1986 in Mexiko und 2010 in Südafrika schied die Mannschaft jeweils in der Vorrunde aus.

"Extreme Leidenschaft"

Die Historie zeigt, dass gegen Deutschland tatsächlich alles möglich ist. Bei der WM 1982 waren die Deutschen großer Favorit, mit vielen großen Namen in ihren Reihen. Algerien gewann 2:1. Es folgte "La honte de Gijón", die Schande von Gijón. Weil die DFB-Elf nach der Niederlage zum Abschluss der Gruppenphase einen Nichtangriffspakt mit Österreich schloss, flogen die Algerier aus dem Turnier, die beiden deutschsprachigen Teams kamen weiter. Die Niederlage davor ist noch länger her: 1964 verlor Deutschland ein Freundschaftsspiel 0:2 in Algier.

"Die Algerier sind sehr stolz. Wenn sie ihre Chance erkennen, werden Sie mit allen Mitteln versuchen, diese zu ergreifen", so Siegenthaler: "Wir müssen uns darauf gefasst machen, dass sie mit extremer Leidenschaft spielen werden."

Mutmaßungen darüber, dass die islamischen Spieler womöglich einen Nachteil wegen des inzwischen begonnenen Fastenmonats Ramadan bekommen werden, können schnell ad acta gelegt werden. Der Koran sieht Ausnahmen vor: So können "Menschen auf Reisen" die Fastentage nachholen. Ob Spieler aus dem algerischen Aufgebot trotzdem fasten, sei deren "persönliche Angelegenheit", erklärte der algerische Fußballverband FAF. Zudem hat ein eigens eingeflogener Imam den algerischen Spielern das Essen gestattet. Es geht am Montag also bloß um fußballerische Qualität. Und ums Viertelfinale einer WM.

Quelle: n-tv.de

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