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Spielten 2006 gemeinsam für Deutschland: Borowski (l.) und Ballack.
Spielten 2006 gemeinsam für Deutschland: Borowski (l.) und Ballack.

Debatte um Philipp Lahm: Ballack versteht Löw nicht, Borowski schon

Deutschland besteht aus 80 Millionen Bundestrainern. So viel ist bekannt. In die Diskussion um die richtige Position für Philipp Lahm mischen sich nun auch zwei frühere Nationalspieler ein. Und ein Trainer, der fast auch mal DFB-Coach geworden wäre.

Joachim Löw ist irritiert. "Diejenigen, die nach dem Portugal-Spiel gesagt haben, wie gut die Lösung mit Philipp Lahm im Mittelfeld ist, die diskutieren jetzt nach einem schlechteren Spiel: Soll er nicht zurück auf die Außenverteidiger-Position?", sagte der Bundestrainer im ZDF vor dem letzten Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die USA am Donnerstag in Recife.

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Löw selbst will sich davon nicht beeinflussen lassen: "Manchmal nimmt man diese Dinge auch wahr, aber als Trainer kann man nicht immer alles über den Haufen werfen." Doch der DFB-Trainer kann sagen, was er will. Die Diskussion um Lahm hält unverändert an. Besonders gerne melden sich zurzeit frühere Nationalspieler oder Bundesligatrainer zu Wort, um die Lage der Fußballnation zu kommentieren.

Der frühere "Capitano" Michael Ballack kritisierte in seiner "Express"-Kolumne: "Ich verstehe nicht, dass Löw ihn im Mittelfeld sieht. Er ist ein Super-Spieler auf dieser Position. Aber im Gegensatz zu Bayern München wird er in der Nationalmannschaft eher in der Viererkette gebraucht", so der 37-Jährige. Lahm war in den bisherigen beiden deutschen WM-Gruppenspielen gegen Portugal (4:0) und Ghana (2:2) im Mittelfeld zum Einsatz gekommen.

"Mit dieser Maßnahme schwächen wir uns doch nur selbst", meinte Ballack. Der 98-malige Nationalspieler und Vize-Weltmeister von 2002 sieht das Problem der deutschen Nationalelf allerdings auf der linken Abwehrseite: "Und ich bleibe dabei: Lahm müsste auf links spielen, Boateng rechts, Mertesacker und Hummels innen. Dann hätten wir auch eine Defensive von WM-Format."

Zu langsam für Außen?

Ballack sieht jedoch auch einen Grund, warum Lahm eine Rückkehr in die Viererkette nicht gefallen könnte. "Er ist jetzt dreißig Jahre alt, er weiß natürlich, dass es in den nächsten Jahren immer schwieriger wird, auf der laufintensiven Außenverteidigerposition zu bestehen. Mit einem Wechsel ins defensive Mittelfeld könnte er mit seiner Spielintelligenz locker noch drei, vier Jahre auf höchstem Niveau spielen." Ein Seitenhieb gegen Lahm? Beste Freunde waren die beiden ja nicht gerade.

Auch der frühere Bundesliga- und Fast-Nationaltrainer Christoph Daum plädiert dafür, Lahm wieder als Außenverteidiger aufzustellen. "Für die Mannschaft wäre es meiner Meinung nach besser, wenn Philipp außen spielen würde", sagte Daum der "Welt". Lahm war von Bundestrainer Joachim Löw in den ersten beiden Gruppenspielen im defensiven Mittelfeld aufgeboten worden, hat dort bislang aber nicht überzeugt.

"Wir haben auf der Position im Mittelfeld ja Alternativen. Es ist nicht so, dass er da unverzichtbar ist", sagte Daum. Lahm habe bei Bayern München und auch in der Nationalmannschaft im Mittelfeld sehr gute Leistungen gezeigt, "trotzdem würde ich im Sinne der Mannschaftsbalance und des Mannschaftserfolges das Gespräch mit Philipp Lahm suchen, um ihn dafür zu gewinnen, dass er wieder auf der Position spielt, die ihn groß und stark gemacht hat. Und auf der er zu einem Weltklassespieler gereift ist, sprich auf der Außenposition."

"Es ist eine Frechheit"

Ex-Nationalspieler Tim Borowski sieht das anders. Er fordert, dass Löw die Aufstellung unverändert lässt. "Löw wird im Mittelfeld weiterhin auf Philipp Lahm setzen. Das ist absolut richtig. Es ist eine Frechheit, einen der intelligentesten Spieler dieser Welt infrage zu stellen, nur weil er mal einen Fehler gemacht hat", schrieb Borowski in einem Gast-Kommentar für die "Kreiszeitung Syke".

Lahms bisherige Fehler bei der WM in Brasilien würden "eben besonders" auffallen, "weil er sonst kaum Fehler macht". Für das Duell gegen die USA prophezeit Borowski dem deutschen Team einen heißen Tanz. "Er wird seine Spieler so heiß und gallig machen, dass sie mit Blut in den Augen auflaufen werden", meinte Borowski im Hinblick auf Klinsmanns Motivationskünste.

Und Löw? Der Bundestrainer zweifelt nicht an seinem Kapitän: "Warum sollte ich jetzt nach einem Spiel irgendwie unsicher werden?", sagte er. Lahm habe gegen Ghana nicht unbedingt den besten Tag erwischt, räumte der Bundestrainer ein. Aber beim FC Bayern München habe er auch viele gute Spiele gemacht. "Alle haben gesagt, dass er auch im Mittelfeld Weltklasse ist", sagte Löw, und stellte fest: "Ein Trainer darf sich nicht ständig von öffentlichen Meinungen beeinflussen lassen."

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Quelle: n-tv.de

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