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(Foto: picture alliance / dpa)

Fokussiert und entspannt: Löw und die Mannschaft brennen

Von Stefan Giannakoulis, Porto Alegre

Ins Achtelfinale der Fußball-WM gegen Algerien geht die deutsche Mannschaft als Favorit. Das weiß auch der Bundestrainer, warnt aber dennoch. Ist halt Löws Job. Sein Kapitän agiert offensiver. Motto: keine Verlängerung, kein Elfmeterschießen bitte.

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Es wäre ganz erfrischend, würde sich mal jemand da vorne hinsetzen und sagen: "Der Gegner? Kein Problem. Das machen wir schon." Joachim Löw zum Beispiel könnte das sagen. Macht er aber nicht. Schließlich ist er der Bundestrainer und die deutsche Mannschaft spielt bei der Fußball-Weltmeisterschaft heute (ab 22 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in Porto Alegre gegen Algerien. Und das ist eine ernste Sache, ein Achtelfinale - siegen oder fliegen.

Also sagte Löw: "Bei einer Weltmeisterschaft gibt es keine Wunschgegner, auch keine einfachen Gegner, schon gar nicht in den K.o.-Spielen." Dann sprach er noch davon, wie wahnsinnig gut die Nordafrikaner verteidigen, dass sie wahnsinnig viel laufen würden und überhaupt wahnsinnig aggressiv und unbequem seien. Aber klar sei schon: "Ich bin absolut fokussiert und entspannt, genau wie die Mannschaft. Die brennt." Und so ganz wollte er dann doch nicht verleugnen, dass sein Team als Favorit in diese Partie im 15 Grad kühlen Süden Brasiliens geht. "Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Wir gehen in das Spiel mit großem Selbstbewusstsein. Wenn wir unsere Stärken ausspielen, werden wir das auch gewinnen!"

"Fußballerisch und taktisch besser"

Deutschland - Algerien, 22 Uhr

Deutschland: Neuer - Mustafi, Mertesacker, Boateng, Höwedes - Lahm - Schweinsteiger (Khedira), Kroos - Özil, Müller, Götze. Trainer: Löw
Algerien: M’Bohli - Mandi, Belkalem, Halliche, Mesbah - Medjani, Bentaleb - Feghouli, Brahimi, Djabou - Slimani. Trainer: Halihodzic
Schiedsrichter: Ricci (Brasilien)

Eine Einschätzung, die Philipp Lahm wenig überraschend teilte. Und das sagte er auch, nachdem er sich am Tag vor dem Spiel im Estadio Beira-Rio aufs Podium zur obligatorischen Frageviertelstunde gesetzt hatte. Der Kapitän der Nationalmannschaft und des FC Bayern formulierte die Ansprüche seines Teams deutlich: "Wir sind fußballerisch und taktisch die bessere Mannschaft. Wir wollen nicht diese Probleme haben, die andere haben. Wir wollen alles in 90 Minuten regeln. Entweder wir bringen Leistung - oder wir fahren heim."

Dann ist das ja geklärt, bleibt die Frage nach der Aufstellung. Sicher ist nur, dass Lukas Podolski vom FC Arsenal auf keinen Fall spielt, weil er sich den Oberschenkel gezerrt hat. Ansonsten ergibt es wenig Sinn, den Bundestrainer danach zu fragen, was er denn so plant. Ein Gang zur Wahrsagerin auf der Kirmes wäre ebenso ergiebig. Nur so viel sagte er gestern: "Meine Überlegungen bezüglich der Startelf sind noch nicht endgültig abgeschlossen." Eine Entscheidung steht im Vordergrund: Spielt der Münchner Bastian Schweinsteiger wie beim 1:0 im letzten Gruppenspiel gegen die USA von Anfang an mit seinen Vereinskollegen Lahm und Toni Kroos im zentralen Mittelfelddreieck? Oder doch Sami Khedira von Real Madrid, der beim 2:2 gegen Ghana und beim 4:0-Auftaktsieg über Portugal zur Startelf gehörte?

Die Antwort auf diese Frage gibt’s vermutlich bis zum Anpfiff nur in der Glaskugel, ansonsten ist das durchaus ein kniffeliges Luxusproblemchen. Kniffelig deshalb, weil Schweinsteiger und Khedira beide als Alphatiere gelten, was jeder auf seine Art auf dem Platz auch ausstrahlt, Schweinsteiger noch in seiner Körpersprache etwas offensiver als sein Konkurrent. Keiner der beiden möchte das erste deutsche K.-o-Spiel bei diesem Turnier gerne zunächst von der Ersatzbank aus erleben. Andererseits ist es nach den bisherigen Erfahrungen eh nur eine Frage der Zeit, bis der eine für den anderen eingewechselt wird, weil beider Kraft noch nicht für 90 Minuten reicht. Löw ist grundsätzlich der Meinung, "dass es gut ist, wenn beide sich vielleicht in dem ein oder anderen Spiel so ein bisschen den Job teilen. Die körperlichen Voraussetzungen sind gut, beide haben Fortschritte gemacht, beide können Aufgaben erfüllen, die man sich vorstellt auf dieser Position". Und der Bundestrainer hat schon eine Idee, wie er die Sache regelt: "Ich werde ein bisschen nach Gefühl entscheiden." Das wiederum klingt doch eigentlich ganz erfrischend.

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Quelle: n-tv.de

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