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Nach dem Polizeistreik in Salvador muss das Militär helfen, Recht und Ordnung wieder herzustellen.
Nach dem Polizeistreik in Salvador muss das Militär helfen, Recht und Ordnung wieder herzustellen.(Foto: REUTERS)

39 Morde in zwei Tagen: Militär rückt in WM-Spielort Salvador ein

Wenige Wochen vor Beginn der Fußball-WM eskaliert im Spielort Salvador die Gewalt. In kürzester Zeit geschehen 39 Morde, es gibt Plünderungen, das Militär muss eingreifen. Die Fifa beschwichtigt, der DFB ist besorgt: Das deutsche Team startet in Salvador in die WM.

Die Schreckensbilanz der Unruhen in der WM-Stadt Salvador da Bahia von mindestens 39 Toten, vielen Verletzten und Schäden vermutlich in Millionenhöhe hat die Macher der Fußball-WM in Brasilien in höchste Alarmstimmung versetzt. Die zweitägige Welle der Gewalt und Anarchie während eines Polizeistreiks und der Marschbefehl von Staatspräsidentin Dilma Rousseff für Tausende von Soldaten beunruhigen auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und viele Tausend Schlachtenbummler: In Brasiliens drittgrößter Stadt bestreitet die deutsche Nationalelf am 16. Juni ihr WM-Auftaktspiel gegen Portugal.

Viele Geschäfte wurden während des Polizeistreiks geplündert.
Viele Geschäfte wurden während des Polizeistreiks geplündert.(Foto: REUTERS)

Der Weltverband Fifa reagierte demonstrativ gelassen auf die neuerliche Eskalation der Gewalt an einem WM-Schauplatz. "Wir sind zuversichtlich, dass die lokalen Behörden die Situation rasch in den Griff bekommen. Wir haben volles Vertrauen in die brasilianischen Behörden und deren für die WM entwickeltes Sicherheitskonzept", sagte Fifa-Sicherheitschef Ralf Mutschke - trotz vieler Todesopfer und erschreckender Bilder von Plünderungen in unzähligen Supermärkten, Apotheken und Elektronikwaren-Läden.

"Zahl der Toten nicht absurd hoch"

Die Regierung des Bundesstaates Bahia spielte die Krawalle in der 2,5-Millionen-Einwohner-Metropole zynisch herunter. "Die Zahl der Toten ist höher als normal, aber nicht absurd hoch", sagte Sprecher Isaac George. Das 1000 Kilometer von Rio de Janeiro entfernte Salvador zählt mit einer Mordquote von über 41 Tötungen pro 100.000 Einwohner zu Brasiliens gefährlichsten Städten.

Umso erleichterter reagierte die Bevölkerung auf das von George verkündete Ende des Polizisten-Ausstands. "Die Polizei ist zurück, die Polizei ist zurück", sangen viele Stadtbewohner auf den Straßen. Nur wenige Stunden zuvor hatten noch marodierende Straßenbanden und Vandalen Salvadors Straßenbild bestimmt. Nachdem die Situation jedoch gänzlich außer Kontrolle geraten war, zog Staatspräsidentin Rousseff die Notbremse und schickte 2500 bewaffnete Soldaten und 250 Elitepolizisten in die Küstenstadt: "Ich habe dies angewiesen, um die Sicherheit der Öffentlichkeit und den Frieden in Bahia zu garantieren", teilte Rousseff mit: "Es ist nicht akzeptabel, dass Bahias Bevölkerung gefährdet wird."

Bahia und São Paulo als Brennpunkte

Bahia und São Paulo bilden derzeit die größten WM-Sicherheitsrisiken. In Salvador waren schon vor zwei Jahren während eines fast zweiwöchigen Polizeistreiks 157 Menschen getötet worden. São Paulo erschien schon im Vorjahr beim Confed Cup und auch zuletzt wieder als Keimzelle gewalttätiger Proteste gegen Brasiliens Milliarden-Ausgaben für die WM statt für soziale Projekte.

Auch für die WM-Planungen des DFB könnten die Geschehnisse in Salvador eine zusätzliche Belastung darstellen. Erst zuletzt sorgten Überschwemmungen auf der Quartierbaustelle in Santo André für Zweifel an einer angemessenen Unterbringung der deutschen Nationalspieler. Nunmehr dürfte den Stab von Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff aber auch die Frage beschäftigen, ob die knapp 30 Kilometer lange Anfahrt der DFB-Elf vom Luis-Eduardo-Magalhaes-Flughafen zum ersten WM-Gruppenspiel in Salvadors Fonte-Nova-Stadion gegen Portugal noch alleine von örtlichen Sicherheitskräften geschützt werden kann und soll.

Darüber hinaus erscheint in Salvador auch die Sicherheit der deutschen Anhänger, darunter viele Mitglieder des vom DFB organisierten "Fanclub Nationalmannschaft", nicht gewährleistet. Der DFB ist mit seinen Sorgen jedoch nicht alleine. In Salvador sind in der Vorrunde auch das Topspiel zwischen Titelverteidiger Spanien und dem WM-Zweiten Niederlande (13. Juni) sowie die Spiele Frankreich gegen die Schweiz (20. Juni) und Bosnien-Herzegowina gegen Iran (25. Juni) angesetzt. In Brasiliens ehemaliger Hauptstadt sollen außerdem ein Achtelfinale und ein Viertelfinalspiel stattfinden.

Quelle: n-tv.de

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