Mittwoch, 14. April 2010
Liebe statt Tore: Wenn Fans verzweifeln
Stefan Giannakoulis
Die Fußball-Saison neigt sich dem Ende zu, und der Fan ist ratlos. Wie wird es ausgehen? Was macht meine Lieblingsmannschaft? Gibt es ein Leben nach dem Abpfiff? Fragen wir Oliver Kahn und folgen wir seinem Rat: "Ich motiviere mich durch das Bild, dass ich geliebt werde."
"Doch plötzlich spürte ich, wie es an meinem linken Oberschenkel wieder anfing warm zu werden": Oliver Kahn.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Wenn wir am Freitag gewinnen, dann auswärts ein Unentschieden holen, die anderen gleichzeitig verlieren und am letzten Spieltag die Sonne scheint, könnte es klappen. Oder wir spielen nur remis, gewinnen dafür nächste Woche mit zwei Toren Unterschied und hoffen auf einen Punktabzug der Konkurrenz. Vielleicht aber holen die Mannschaften hinter uns gar nichts mehr, dann ist eh alles klar.
Was wird sein, wenn alles vorbei ist? Eine Frage, über die der Mensch nachdenkt, seitdem es ihn gibt. Besonders der Fußballfan kurz vor Ende der Saison, der vier Spieltage vor Schluss um seine Lieblingsmannschaft bangt. Abstieg? Aufstieg? Champions League? Das sind die Fragen, die bewegen. Wen interessiert da Kevin Kuranyi? Wir sitzen hier verloren vor dem Restprogramm und versuchen, in die Zukunft zu schauen.
"Erfolg kommt von innen"
Nun ist Oliver Kahn nicht als Hellseher bekannt, dafür aber als einer, der niemals aufgibt. "Immer weiter, immer weiter!" Kann er uns helfen? Schlagen wir also in seinem Standardwerk "Ich. Erfolg kommt von innen" nach, das uns der Torwart-Titan nach dem Ende seiner Karriere beschert hat. Und was lesen wir? Dass er als junger Profi beim Karlsruher SC unter der Dusche von einem Mannschaftskollegen angepinkelt wurde.
"Langsam kühlte mein Körper wieder auf Normaltemperatur ab, es war wunderbar, wie das kalte Wasser an mir runterlief. Doch plötzlich spürte ich, wie es an meinem linken Oberschenkel wieder anfing warm zu werden, das Wasser rieselte dort nicht kalt, sondern sogar ziemlich warm." Hm, wir schweifen ab.
Die Einsamkeit vor der Tabelle
Halten wir uns lieber an seine neun Motivationsregeln. Doch wenn es um die Einsamkeit des Fans vor der Tabelle geht, helfen auch die nicht weiter. Zum Beispiel Regel neun: "Ich motiviere mich durch das Bild, dass ich nichts falsch machen kann." Das wenden Sie mal an, wenn Sie zum sechsten Mal das Restprogramm tippen, weil Ihre Prognose immer noch nicht zum gewünschten Ergebnis führt.
Überhaupt mangelt es dem Fan weniger an Motivation, ihn quält vielmehr die Ungewissheit. Da wird die Zeit zwischen zwei Spielen zur Qual, die ewige Rechnerei treibt uns in den Wahnsinn. Zu viele Unbekannte in einer Gleichung, die leider viel zu selten so aufgeht, wie wir es uns wünschen. Doch fragen wir noch einmal Oliver Kahn. Der sagt: "Ich motiviere mich durch das Bild, dass ich geliebt werde." Liebe statt Tore, vielleicht hilft das. Bei Abstiegen und Misserfolgen fragen Sie Ihren Mann oder Ihre Frau.