Samba, Sonne, Strandvergnügen

Brasiliens Kicker im Urlaub

imageStefan Giannakoulis
04.01.2010 | 13:49 Uhr
Klischees sind im Allgemeinen verpönt, Vorurteile haben den Ruch der Kleingeistigkeit. Das Schubladendenken erfreut sich keines großen Ansehens. Warum eigentlich? Wer so spricht, verkennt, dass das Denken in groben Rastern mitunter das Leben durchaus vereinfachen und damit erleichtern kann.
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Entscheiden Sie selbst: Rio oder Gelsenkirchen? (Foto: REUTERS)

Nun ist die Fußballwelt reich an Klischees. Das schönste aller Klischees ist, dass brasilianische Profis nie dann aus dem Heimaturlaub zurückkehren, wenn sie es sollen. Und das Allerschönste ist, dass sie dieses Klischee Jahr für Jahr zweimal bestätigen. Einmal nach der Sommerpause und einmal – wie jetzt – nach der Winterpause. Ob in Hamburg oder Gelsenkirchen, ob Ze Roberto oder Rafinha – sie kriegen es einfach nicht hin. Wahrscheinlich gibt es in Brasilien ein Gesetz, dass den im Ausland spielenden Profis verbietet, rechtzeitig zum Trainingsbeginn bei ihren Vereinen aufzulaufen.

Das Gute am Klischee ist, dass es, einmal in der Welt, sehr lange bestehen bleibt. Klischees helfen, die Welt zu ordnen und zu verstehen. So weiß zum Beispiel ein jedes Kind, dass Brasilianer sehr gut Fußball spielen. Auch jeder Vereinspräsident weiß das. Und so kommt es, dass sie, wollen sie ihrem Klub etwas Gutes tun, stets einen Brasilianer verpflichten.

Die Herren China und Edu

Wobei es dem VfL Bochum im Sommer 2005 gelang, sowohl den Brasilianer mit dem lustigsten Namen (Leonardo Bruno dos Santos Silva, genannt China) ins Ruhrgebiet zu locken, als auch mit Eduardo Gonsalves de Oliveira, genannt Edu, dem mutmaßlich einzigen Brasilianer einen Vertrag zu geben, der kein Fußball spielen kann.

Jener Edu trat, die Bochumer erinnern sich genau, am 30. September 2004 im Uefa-Pokalspiel gegen Standard Lüttich in der Nachspielzeit nicht gegen den Ball, sondern ein Loch in die Luft. Lüttich erzielte den Ausgleich, der VfL war raus – und stieg am Ende der Saison ab. Da werden sie sich in Bochum gefreut haben, dass nun der FC Schalke 04 eben jenen Edu aus Südkorea zurück in die Bundesliga geholt hat. Oder wie Paul Breitner einst sagte: "Sie sollen nicht glauben, dass sie Brasilianer sind, nur weil sie aus Brasilien kommen."

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Wenn also nur fast alle Brasilianer gut Fußball spielen, ihren Urlaub kosten sie aus. Die Vereine verhängen Geldstrafen, die Trainer toben, die Medien sind empört und die "Bild"-Zeitung schreibt von verschollenen Skandal-Brasilianern.

Und natürlich wissen wir alle ganz genau, was die Jungs da unten in ihren Ferien so treiben. Ein bisschen Kicken an der Copacabana, den Caipirinha in der Hand. Ansonsten: Samba, Sonne, Strandschönheiten. Schuld war nur die Bossa Nova. Hoch lebe das Klischee.