Sport
Freitag, 11. September 2009

Deutsche Europameisterinnen: Der Erfolg ist weiblich

Stefan Giannakoulis

Wer jetzt unbedingt etwas kritisieren möchte, der könnte sagen: Wie langweilig. Die deutschen Fußballerinnen haben die Europameisterschaft gewonnen - zum fünften Mal in Folge, zum siebten Mal insgesamt. Die DFB-Auswahl hat nun seit 26 EM-Spielen und seit dem 3. Juli 1993 kein Spiel mehr bei den Europameisterschaften verloren. Und Weltmeister sind sie auch zweimal hintereinander geworden. Also alles so wie immer?

2mbx0726.jpg6804070529464749648.jpgSie ahnen es, diese Frage ist eine rhetorische. Und die Antwort lautet: Nein, natürlich nicht. Jede Fußballtrainerin der Welt weiß, wie schwer es ist, ein Team konstant auf so hohem Niveau zu halten, dass es Titel in Serie gewinnt. Silvia Neid hat das geschafft. Wie schon bei der Weltmeisterschaft 2007 in China hat sie ihre Mannschaft perfekt auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet. Junge Spielerinnen wie die Hamburger Mittelfeldspielerin Kim Kulig sind hinzu gekommen, Altmeisterin Birgit Prinz spielt nicht mehr automatisch die Hauptrolle – und schießt dann doch im Finale zwei Tore. Nur zwei Beispiele dafür, dass die Mischung stimmt.

Das ist der Verdienst von Silvia Neid. Dabei kommt ihr zugute, dass sie beim Deutschen Fußballbund (DFB) angestellt ist, dem unumstrittenen Branchenführer in der Welt des Frauenfußballs. Die Trainer der Konkurrenten bei dieser EM konnten es sich nicht leisten, ihre Spielerinnen acht Wochen lang in Lehrgängen auf dieses Turnier vorzubereiten. Und dass sie schneller und vor allem länger laufen können als die Engländerinnen, haben sei in der zweiten Halbzeit des Finales von Helsinki gezeigt, als sie beim 6:2-Sieg vier der Tore nach der Pause schossen.

Schlicht und ergreifend professioneller

HEL810_SOCCER-EUROPE-FINLAND_0910_11.JPG4873218873762057391.jpgDer DFB arbeitet schlicht und ergreifend professioneller als die Verbände der meisten anderen Nationen. Die Erfolge sind der Lohn einer hervorragenden Nachwuchsarbeit – siehe Kim Kulig. Und der Erfolg ist weiblich. An fast allen Schlüsselpositionen, nicht nur in der Nationalmannschaft, arbeiten Frauen - obwohl die männlichen Übungsleiter im Weltfrauenfußball klar in der Überzahl sind. Silvia Neid und ihre Spielerinnen haben – wieder einmal – leidenschaftlich die Chance genutzt, die sich ihnen bot. Daraus den Vorwurf der Langeweile zu konstruieren, wäre absurd. Die Dominanz der Deutschen ist so wie sie ist.

Was ein strukturelles Problem bleibt, ist die Diskrepanz in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Wenn Deutschlands beste Fußballerinnen spielen, ist ihnen das Interesse der Menschen gewiss. Sie sind ja auch enorm erfolgreich. Ein Höhepunkt war sicherlich die Partie gegen Brasilien im April dieses Jahres, die knapp 45.000 Zuschauer ins Frankfurter Stadion lockte. Dagegen finden die Spiele der Bundesliga fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. In der vergangenen Saison waren es genau 816 Zuschauer im Schnitt, die sich die Begegnungen im Stadion ansahen. Daran wird auch dieser Titel nichts ändern.

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Quelle: n-tv.de