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(Foto: REUTERS)

Zwischenruf: Griechenland: Ende der Fahnenstange?

Von Manfred Bleskin

Der "Reformdruck" der EU treibt Griechenland an die Grenze des Zumutbaren. Das Elend der Lohnabhängigen wächst. Was folgt? Das Chaos? Neuwahlen wären ein friedlicher Ausweg.

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Mein Großvater pflegte zu sagen, allzu gut sei liederlich. Ungefähr dies passiert jetzt mit Griechenland. Die bisherigen Spardiktate haben vor allem die Lohnabhängigen, Arbeitslosen und Rentner getroffen. Sind sie für das hellenische Drama verantwortlich? In den von Fingerzeigern gern zitierten "goldenen Jahren" zwischen 1993 und 2009 sank der Lebensstandard von fast zwei Dritteln der Bürger des 10-Millionen-Einwohner-Landes. Eine klitzekleine Schicht verdiente sich im selben Zeitraum dumm und dämlich. Der Name Onassis wurde endgültig zum Synonym für schwindelerregenden Reichtum.

Es ist nicht bekannt, dass jene finanziell zur Rechenschaft gezogen wurden. Im Gegenteil. Nahezu im 24-Stunden-Rhythmus erreichen uns Meldungen über den Millionensummen, welche griechische Kapitalbesitzer in schweizerischen Banken deponiert haben. Die Geldhaber in Hellas kaufen überteuerte Immobilien in Londons City, wo heuer Mary und Jack kaum Geld für eine bescheidene eigene Bleibe hätten. Premier Antonis Samaras, vor Monaten noch strikter Gegner jeglichen Sparens, peitscht Streichprogramme durchs Parlament, die die Erwerbslosigkeit in die Höhe, Pensionäre ins Elend und Gutausgebildete ins Ausland treiben.

Samaras’ Koalition aus eigener konservativer Nea Demokratia, einst mächtiger sozialdemokratischer PASOK und ex-eurokommunistischer Demokratischer Linker bröckelt gewaltig. Am Sonntag soll das Parlament der Geburtsstätte der Volksherrschaft über den Haushalt fürs nächste Jahr abstimmen. Dann kann's zum Schwure kommen. Neuwahlen wären ein friedlicher Ausweg. Es kann kurz vor dem Ende der Fahnenstange aber auch schlimmer kommen, Frau Merkel.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 das politische Geschehen für n-tv. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Manfred Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.

Quelle: n-tv.de