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Viele der Gastarbeiter kamen aus Zentralasien.
Viele der Gastarbeiter kamen aus Zentralasien.(Foto: REUTERS)

Systematische Ausbeutung in Sotschi: Viele Olympia-Arbeiter wurden nicht bezahlt

Die Skandal-Meldungen aus Sotschi häufen sich - und dabei haben die Olympischen Winterspiele noch gar nicht begonnen. Einem Bericht zufolge sollen 90 Prozent der Arbeiter bei den Olympiabauten nicht vollständig oder gar nicht bezahlt worden sein.

Keine zwei Wochen vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi droht ein weiterer Skandal. Nach Recherchen der ARD und des WDR wurden die Arbeiter der Olympiabauten in Russland anscheinend systematisch ausgebeutet. Löhne sollen nicht vollständig oder gar nicht gezahlt worden sein. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) soll der ARD bestätigt haben, dass Tausende Arbeiter nicht vollständig bezahlt worden seien.

"90 Prozent aller Arbeiter der Olympiabauten von Sotschi haben entweder ihren Lohn gar nicht bekommen oder nur in Teilen. Mit ihrer Arbeit wurde Olympia erst möglich, aber bezahlt wurden sie dafür nicht", sagte Semjon Simonow, Vertreter der Moskauer Menschenrechtsorganisation Memorial in Sotschi: "Man hat ihnen nicht mal offizielle Arbeitsdokumente gegeben, und am Ende wurden viele von ihnen mit Gewalt ausgewiesen."

"Es hat eine Fülle von Problemen gegeben"

Viele der insgesamt etwa 100.000 Bauarbeiter waren Gastarbeiter aus Zentralasien, ihre Zahl wird auf über 50.000 geschätzt. Bereits im Februar letzten Jahres hatte Human Rights Watch in einem Bericht auf die Missstände auf den Baustellen von Sotschi hingewiesen, die vor allem die Gastarbeiter betreffen. Allerdings war daraufhin nichts passiert.

Viele Gastarbeiter beschuldigen nun auch das russische Staatsunternehmen Olimpstroi, das die Baustellen der Olympiabauten koordiniert. So sagte ein tadschikischer Arbeiter: "Als wir unser Geld haben wollten, hat unser Chef gesagt, Olimpstroi habe nicht bezahlt. Deshalb könne er auch nicht bezahlen." Sowohl Olimpstroi als auch das Organisationskomitee der Spiele lehnten ein Interview oder eine Stellungnahme dazu ab.

IOC-Präsident Thomas Bach betonte in einem vor der ARD-Veröffentlichung geführten Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass sich das IOC für die Arbeiter stark gemacht habe. "Es hat eine Fülle von Problemen gegeben, aber man sollte auch zur Kenntnis nehmen, dass das IOC sich ihrer angenommen hat, so weit sie mit den Spielen zu tun hatten", sagte Bach.

"IOC darf so nicht weitermachen"

Erst kürzlich habe es ein Treffen aufgrund dieser Initiative zwischen dem russischen Vizepremierminister und dem russischen Ombudsmann für Menschenrechte gegeben. "Als Folge wurde eine Übereinkunft erzielt, dass kurzfristig 277 Millionen Rubel (6,1 Millionen Euro) an Löhnen nachbezahlt werden." Wann und wie die Auszahlung bei den zumeist nicht registrierten Gastarbeitern von Sotschi, die überwiegend auch kein Bankkonto haben, erfolgt sein soll, teilte das IOC nicht mit.

"Das IOC darf nicht einfach so weitermachen wie bisher. Man hätte viel früher reagieren müssen, wenn man es ernst gemeint hätte, dass Arbeiter bei der Errichtung der Sportstätten nicht ausgebeutet werden sollen", sagte Barbara Lochbihler, Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Europäischen Parlaments: "Es ist jetzt absolut notwendig, dass das IOC, die russische Regierung und die einzelnen Unternehmen Verantwortung zeigen. Sie müssen dazu stehen, dass sie hier die extreme Ausbeutung der Arbeitsmigranten nicht verhindert haben."

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Quelle: n-tv.de

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