Technik

Viel Geld für nichts: Abo-Abzocke im Internet

Klaus Wedekind

Für Nutzer wird das Internet immer mehr zum Minenfeld. Vorsicht ist oberstes Gebot.
Für Nutzer wird das Internet immer mehr zum Minenfeld. Vorsicht ist oberstes Gebot.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Abzocke mit vermeintlich kostenlosen Web-Angeboten nimmt weiter zu. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat in diesem Jahr bereits 15.000 Anzeigen von Opfern registriert. 2008 waren es noch 6000.

Die Masche der Abzocker ist im Prinzip immer die gleiche: Sie locken ihre Opfer mit Internetseiten, die vermeintlich kostenlose Web-Angebote zur Verfügung stellen. Ob Hausaufgaben, Rezepte oder Virenschutz – es gibt fast kein Thema, das die Fallensteller noch nicht besetzt haben. Dass die Gratis-Downloads gar nicht kostenlos sind, verschleiern die Betreiber. Hinweise finden sich meist nur versteckt im Kleingedruckten der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Oft wird dem arglosen Nutzer auch vorgegaukelt, er befinde sich auf einer legalen und oft auch höchst offiziellen Seite. Pünktlich zur Urlaubszeit werden beispielsweise USA-Reisende, die der neuen Online-Meldepflicht nachkommen wollen, auf Seiten gelockt, wo für den kostenlosen Antrag satte 50 Dollar verlangt werden. Besonders beliebt bei den Abzockern sind auch Kinder und Jugendliche. Sie werden mit Hausaufgabenhilfe und Blümchenerotik geködert. Aktuell melden sich vermehrt Opfer, die auf www.mein-erstes-mal.net reingefallen sind.

Jeder Zehnte zahlt

Auf Opendownload.de wird auf den ersten Blick Gratis-Software kostenlos angeboten - doch der Schein trügt.
Auf Opendownload.de wird auf den ersten Blick Gratis-Software kostenlos angeboten - doch der Schein trügt.

Wer sich gutgläubig registriert, um einen Inhalt herunterzuladen oder zu sehen, bekommt nach einiger Zeit unangenehme Post. Die Verbraucherzentralen haben in einer Umfrage im Jahr 2007 ermittelt, dass ahnungslose Surfer mit Forderungen von durchschnittlich 120 Euro konfrontiert werden. In jedem vierten Fall sind Jugendliche betroffen. Jeder Zehnte Befragte hat bezahlt, als eine Rechnung der Abzocker per E-Mail zugestellt wurde.

Wer die Zahlung verweigert, muss mit weiterem Druck rechnen. Laut Verbraucherzentralen bekamen 57 Prozent Mahnungen, in denen mit Klagen gedroht wurde. Bei 31 Prozent schalteten die Abzocker Inkassobüros, bei nahezu jedem Fünften einen Rechtsanwalt ein.

Berüchtigte Anwälte

Diese Mahnung wurde von Anwalt T. ohne vorhergehende Rechnung zugestellt.
Diese Mahnung wurde von Anwalt T. ohne vorhergehende Rechnung zugestellt.

Zwei Anwälte sind durch ihre Eintreiber-Tätigkeit bereits zu zweifelhaften Ruhm gelangt: die Münchner Rechtanwältin G. und der Osnabrücker Rechtsanwalt T. G. setzt Opfer der Online Contend Ltd. unter Druck, die sich auf grusskarten-versand.de, sudoku-welt.com, hausaufgaben-server.com oder zahlreichen anderen Seiten der dubiosen Hinterleute registriert haben.

T. ist ein "Pionier der Internet-Abzocke" weil er schon seit rund drei Jahren für die Gebrüder Schmidtlein GbR aus Büttelborn, inzwischen Redcio OHG, Geld eintreibt. Die Schmidtleins waren offenbar die Ersten, die für Angebote Geld kassieren, die anderswo tatsächlich kostenlos zu haben sind. Derzeit kassiert T. für über 40 Seiten der Schmidtleins. Die bekanntesten dürften p2p-heute.com und hausaufgaben-heute.com sein. Außerdem ist der Osnabrücker Rechtsanwalt noch für andere Firmen im Einsatz. Besonders lukrativ dürfte seine Arbeit für Content Service Ltd. sein, die die Seite opendownload.de betreiben. Dort werden der Firefox-Browser, OpenOffice.org und andere völlig frei zugängliche Software angeboten. Registrierte Nutzer werden allerdings für ein Zwei-Jahres-Abo zur Kasse gebeten: 96 Euro pro Jahr.

Florierender Adressen-Handel

Sehr häufig werden aber auch Internet-Nutzer mit Rechnungen und Mahnungen bombardiert, die sich nie auf einer der Abzocker-Seiten registriert haben. Ihre Adressen wurden offensichtlich an die Geldeintreiber verkauft, die dann einfach mal auf gut Glück drauflosmahnen. Die für Internet-Abofallen bundesweit zuständige Staatsanwältin in Frankfurt am Main sagte in einem Interview mit dem Finanznachrichtendienst GoMoPa: "Die Adressdaten sind offensichtlich gekauft und wurden zuvor mit technischen Tricks bei ahnungslosen Internetsurfern erschlichen. Dazu werten wir gerade Beweismaterial nach einer Razzia bei Internetfirmen in Frankfurter Raum aus." Den Ermittlern seien "massenhaft Fälle" aufgefallen, bei denen Internetnutzer Abrechnungen bekommen hätten, die glaubhaft versicherten, niemals die Adressdateneingaben bestätigt zu haben.

Die Zahl der Abzock-Seiten im Internet nimmt trotz der Versuche der Staatsanwaltschaft, gegen die Machenschaften vorzugehen, weiter zu. Unter www.abzocknews.de werden ständig neue Fallen veröffentlicht. Die rechtliche Lage scheint kompliziert zu sein, die Gesetze zu viele Schlupflöcher zu haben. Denn zumindest den Eintreiber-Anwälten konnte bisher nicht das Handwerk gelegt werden und sie verschicken munter weiter Rechnungen.

Keine wehrlosen Opfer

Doch auch wenn der Justiz (noch) die Hände gebunden sind, muss ein abgezogener Nutzer nicht klein beigeben. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat die wichtigsten Verhaltensregeln zusammengestellt:

  • Bei Fernabsatzverträgen hat der Kunde zwei Wochen Widerrufsrecht ab Vertragsabschluss und muss eine Widerrufsbelehrung in Textform erhalten. Eine nicht ordnungsgemäße Belehrung kann dazu führen, dass der Vertrag nichtig ist. Für den Widerspruch stellt die Verbraucherzentrale einen Musterbrief zur Verfügung.
  • Ein von Minderjährigen abgeschlossener Vertrag ohne Zustimmung der Erziehungsberechtigten ist nichtig. Eltern sollten dem Anbieter mitteilen, dass der Vertrag unwirksam ist und nicht genehmigt wird. Für diesen Fall stellt die Verbraucherzentrale einen speziellen Musterbrief für Forderungen gegen Minderjährige bereit.
  • Hat der Betroffene auf die erste Zahlungsaufforderung reagiert und der Forderung widersprochen, braucht er sämtliche Mahnschreiben von Inkassobüros, Rechtsanwälten, Inkassodezernaten etc. nicht zu beachten.
  • Ernstzunehmen ist ein gerichtlicher Mahnbescheid. Dabei handelt es sich um amtliche Formulare, denen auch ein Widerspruchsformular beigefügt ist. Mit diesem Formular muss der Forderung unbedingt widersprochen werden, da sonst ein Besuch des Gerichtsvollziehers droht. Die meisten Eintreiber wagen es nicht, diesen Schritt zu tun. Seit einigen Monaten hat allerdings die oben genannte Anwältin G. begonnen, gerichtliche Mahnbescheide zu verschicken. Diese amtliche Schreiben belegen aber keinesfalls die Berechtigung der Forderungen. Das Gericht prüft dies nämlich nicht.

Betroffene sollten auf jeden Fall die örtliche Verbraucherzentrale kontaktieren, nachdem sie der Forderung einer Abzocker-Firma widersprochen haben. Sicher ist sicher und guter Rat muss nicht teuer sein.

 

 

Quelle: n-tv.de

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