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Kindererziehung gegen Filesharing: Anwalt empfiehlt Gewalt

Filesharing ist zwar illegal, aber deshalb müssen Eltern ihre Kinder nicht überwachen, urteilte der Bundesgerichtshof. In der Verhandlung echauffiert sich der Anwalt der Musikindustrie über die schlechte Erziehung und berichtet von nicht schadenden Ohrfeigen.

Ein kleines Detail in der Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof verursacht derzeit Wirbel. Die Richter hatten geurteilt, dass Eltern nicht Schadenersatz für das illegale Tauschen von Musik ihres Sohnes - Filesharing - zahlen müssen. Vor der Verkündung dieser Grundsatzentscheidung sagte der Anwalt der vier klagenden Firmen, der Fall werfe "ein grelles Licht", darauf, dass für viele Eltern der Begriff "Erziehungsaufgabe" zu einem "Fremdwort" geworden sei. So weit, so pauschal.

Die entscheidende Ausführung: Während früher "auch mal eine Ohrfeige nicht geschadet" habe, würden Kinder heute "an freier Leine laufen" gelassen, sagte der Anwalt. Nach seiner Ansicht hatten im konkreten Fall die Eltern auf jeden Fall ihre Aufsichtspflicht verletzt und könnten sich nicht damit herausreden, nicht zu wissen, wie das Internet funktioniert. Zunächst erschien der Auszug, ursprünglich von der Nachrichtenagentur AFP veröffentlicht, in einem Blog. Es folgten empörte Kommentare, auch via Twitter wird das Detail diskutiert. "Erziehungsmethoden der Contentindustrie so modern wie ihre Vertriebswege", schreibt etwa "Drachenrose".

"Augenmaß verloren"

Von der Piratenpartei kam harsche Kritik. "Wenn der Vertreter der Musikindustrie die körperliche Züchtigung als Maßnahme gegen Urheberrechtsverstöße bei Kindern empfiehlt, macht sich die Musikindustrie der Anstiftung zu Straftaten schuldig und präsentiert ein Erziehungsbild des letzten Jahrhunderts", sagte Bernd Schlömer. Die "Content-Industrie" habe das Augenmaß verloren, so der Bundesvorsitzende weiter. Anstatt "die Geschäftsmodelle an den digitalen Wandel anzupassen" würden Maßnahmen verlangt, die an den berühmt-berüchtigten "Struwwelpeter" erinnerten.

In der Verhandlung hatte auch der Rechtsvertreter der betroffenen Familie den Erziehungsansatz entschieden zurückgewiesen. Kinder sollten zu selbstständigem Handeln erzogen werden. Der Familienfrieden werde jedoch zerstört, wenn Eltern ihren Kindern grundsätzlich mit Misstrauen begegneten und diese "unter Generalverdacht" stellten. Der beklagte Vater habe getan, was ihm möglich gewesen sei. Von Eltern könne nicht verlangt werden, die Computer ihrer Kinder von einem Fachmann überprüfen zu lassen.

Quelle: n-tv.de

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