Technik
Video

Krumme Dinger in Las Vegas: CES stellt die Technik-Weichen

Smarte Kleidung, selbstfahrende Autos und gebogene Fernseher mit 8K-Auflösung: Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas werden Technik-Trends für 2015 gezeigt. Vernetzung aller Lebensbereiche ist wieder mal zentrales Thema.

Im Zocker-Paradies Las Vegas trifft sich jedes Jahr im Januar die Technik-Branche, um neue Produkte und Hightech-Innovationen zu präsentieren. Die Consumer Electronics Show (CES) ist eine der weltweit größten Messen für Unterhaltungselektronik und gibt einen ersten Ausblick auf die wichtigsten Trends des Technik-Jahres. Wie schon 2014 steht auch in diesem Jahr steht die zunehmende Vernetzung des Lebens im Mittelpunkt - von Autos über Fernseher bis zu Armbanduhren und anderer Bekleidung.

Wearables

Schlaue Uhren, Fitness-Armbänder und andere sogenannte Wearables mit Verbindung zum Smartphone und damit zum Internet lagen schon 2014 im Trend. Auf dem Markt für Smartwatches hat sich im vergangenen Jahr einiges getan, Google hat mit Android Wear ein Betriebssystem für Wearables vorgestellt, Hersteller wie LG, Samsung und Motorola haben eigene Uhren ins Rennen geschickt.

Die Alcatel Watch feiert auf der CES Premiere.
Die Alcatel Watch feiert auf der CES Premiere.(Foto: Alcatel)

Die Markteinführung der Apple Watch dürfte im Frühjahr 2015 weiteren Schwung in die Entwicklung bringen. Einen Termin dafür gibt es noch nicht, auf der CES ist Apple nicht vertreten. Dafür stellt Alcatel eine smarte Uhr vor, die wie Apples Uhr schlicht "Watch" heißt und mit Android und iOS kompatibel ist. Auch von HTC könnte es eine Smartwatch zu sehen geben, LG könnte außerdem den Nachfolger seiner G Watch R präsentieren. Sony hat eine Smartwatch mit E-Ink-Display im Programm (FES Watch), der Luxusuhren-Hersteller Tag Heuer könnte ebenfalls eine Smartwatch vorstellen.

Die Brücke zwischen smarter Uhr und Fitness-Armband schlägt Withings mit seiner Activité Pop, einer klassischen Armbanduhr mit Bluetooth-Verbindung zum Smartphone, die die Schritte ihres Trägers zählen, beim Sport Daten erheben und den Schlafrhythmus überwachen kann. Der nächste Schritt ist die Entwicklung smarter Textilien: Sportartikel-Hersteller Ralph Lauren zeigt auf der CES Bekleidung, in der die Sensoren direkt integriert sind.

4K war gestern

Die zunehmende Vernetzung des Alltags schlägt sich auch im TV-Segment nieder: Branchenriese Samsung stattet die nächste Generation seiner Fernseher mit dem hauseigenen Betriebssystem Tizen aus, das auch auf Smartphones und Smartwatches wie der Gear S zum Einsatz kommt. Konkurrent LG setzt derweil auf sein eigenes System webOS 2.0. Smart TVs, also mit dem Internet verbundene Fernseher, werden immer mehr zum Standard. Daneben hält vor allem eine Entwicklung an: Die Bildschirme werden immer größer und immer schärfer.

LG setzt 2015 auf 8K-Auflösung und Quantum-Dot-Displays.
LG setzt 2015 auf 8K-Auflösung und Quantum-Dot-Displays.(Foto: LG)

Während 2014 noch die superscharfe 4K-Auflösung als Messlatte galt, wurde die Anzahl der Bildpunkte in diesem Jahr noch einmal verdoppelt. Die koreanischen Hersteller Samsung und LG präsentieren auf der CES Fernseher mit 8K-Auflösung, deren Displays es auf 7680 x 4320 Bildpunkte bringen, während die heute noch weit verbreiteten Full-HD-Displays nur 1920 x 1080 Pixel anzeigen. Eine neue Display-Technologie namens Quantum Dots soll in LGs Fernsehgeräten außerdem eine verbesserte Darstellung mit breiterer Farbwiedergabe und verbesserter Farbsättigung bewirken.  

900 Kilometer mit Autopilot

Video

Selbstfahrende Autos sind keine Zukunftsmusik mehr. Google führt in den USA bereits seit längerem Testfahrten durch, auch der Autohersteller Audi zeigte bereits im vergangenen Jahr ein Auto mit Selbstlenkung. In diesem Jahr geht Audi den nächsten Schritt und schickt einen selbstfahrenden A7 auf eine fast 900 Kilometer lange Tour, vom Entwicklungslabor im kalifornischen Silicon Valley direkt nach Las Vegas zur Messe. Auch andere Autohersteller arbeiten mit Hochdruck an vernetzten und selbstfahrenden Autos, darunter Daimler, Mercedes, BMW, Volkswagen, Ford, Toyota und Hyundai.

Der Grafikkartenhersteller Nvidia liefert für die autonomen Autos die passenden mobilen Prozessoren: Mit dem Tegra X1 hat Nvidia einen neuen Hochleistungschip vorgestellt, der im Automobil-Computersystem Nvidia Drive eingesetzt wird. Die Plattform Drive PX soll den Weg vom Fahrassistenten zu komplett selbstfahrenden Autos ebnen. Zwei Tegra-X1-Chips werten hier Videodaten von bis zu zwölf Bordkameras aus und ermöglichen zum Beispiel nahtlose 360-Grad-Rundumsichten und selbstständiges Einparken.

Der Nvidia Tegra X1 kommt in selbstfahrenden Autos zum Einsatz.
Der Nvidia Tegra X1 kommt in selbstfahrenden Autos zum Einsatz.(Foto: Nvidia)

Auch der Chiphersteller Intel schickt neue Prozessoren ins Rennen. Die fünfte Generation der Core-i-Prozessoren wird in Desktop-PCs, Notebooks und sogenannten Convertibles, eine Mischung aus Tablets und Notebook, verbaut. Erste Geräte mit den Chips, die auf der 14-Nanometer-Architektur basieren, sollen noch im Januar verfügbar sein. Mit der neuen Prozessor-Familie reagiert Intel auf den steigenden Rechenbedarf durch die wachsende mobile Nutzung, neue Technologien wie Sprach- und Gestensteuerung oder immer bessere Video-Darstellung und aufwändigere Spiele-Grafiken. Die fünfte Core-i-Generation ist dank einer kompakteren Bauweise nicht nur leistungsstärker, sondern gleichzeitig energieeffizienter und verlängert so die Batterielaufzeit.  

Smartphone-Banane

Smartphones stehen traditionell weniger im Fokus der CES, die großen Handyneuheiten werden erst zum Mobile World Congress in Barcelona erwartet, der Anfang März stattfindet. Einziges wirkliches Highlight der CES dürfte das G Flex2 von LG sein. Der Bildschirm des 5,5-Zoll-Smartphones ist bananenförmig gebogen, die Rückseite ist mit einem speziellen Material beschichtet, die kleinere Kratzer von selbst verschwinden lässt. Im Vergleich zum Vorgänger-Modell hat das zweite G Flex ein um 0,5 Zoll kleineres Display, die Auflösung von 1920x1080 Pixel ist zugleich deutlich höher.  

HTC präsentiert im Rahmen der Messe mit dem Desire 320 ein Mittelklasse-Smartphone ohne nennenswerte Alleinstellungsmerkmale, von Alcatel kommt mit dem One Touch Pixi 3 ein Einsteigergerät, bei dem man das Betriebssystem wählen kann - Firefox, Android oder Windows Phone stehen zur Wahl. Archos hat mit dem Diamond 50 ein günstiges Smartphone mit 5-Zoll-Bildschirm und LTE für unter 230 Euro im Angebot, außerdem wagt Kodak seinen Einstieg in den Smartphone-Markt. Dass Samsung und Sony auf der CES ihre neuen Flaggschiffe vorstellen, wie aus den Gerüchteküchen zu vernehmen war, ist unwahrscheinlich.

Auch Laptops und Tablets stehen weniger im Fokus der Messe. Interessant ist hier vor allem das neue Chromebook vom Computerhersteller Acer, das mit seinem 15-Zoll-Display dem Wunsch der Kunden nach Chromebooks mit größeren Bildschirmen nachkommt. Die Notebook-Reihe, die auf Googles Betriebssystem Chrome OS basiert, erfreut sich vor allem in den USA immer größerer Beliebtheit.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen