Technik
Cozmo spielt am liebsten mit Würfeln.
Cozmo spielt am liebsten mit Würfeln.(Foto: jwa)
Dienstag, 12. September 2017

Verspielt, bockig, clever: Cozmo ist ein knuffiger Roboter mit Charakter

Von Klaus Wedekind

Anki Cozmo ist mehr als nur ein Spielzeug. Der unglaublich knuffige Roboter hat auch ein bisschen Künstliche Intelligenz (KI) und einen kleinen Dickschädel. Man muss ihn einfach gern haben, kann ihn Gott sei Dank aber auch ausschalten.

Auf den ersten Blick könnte Cozmo ein ganz normaler Spielzeugroboter sein, der ein paar vorprogrammierte Tricks kann und sich vielleicht auch fernsteuern lässt. Doch dass er weit mehr als das ist, merkt man schon beim ersten Kennenlernen.

Um den etwa tennisballgroßen Roboter mit Gummikettenantrieb zum Leben zu erwecken, muss man zuerst eine App auf dem Smartphone installieren. Sie verbindet sich per WLAN mit Cozmo, wenn man einen Code eingibt, den das Display in seinem würfelförmigen Kopf anzeigt. Kontakt zum Hersteller nimmt Cozmo laut Anki nicht auf, er ist kein Spion im Kinderzimmer. Der Bildschirm ist Cozmos Gesicht, in dem er nur mit seinen animierten Augen viele Emotionen darstellen und so lieb gucken kann, dass man ihn vom ersten Augenblick ins Herz schließt. Es ist kein Zufall, dass Cozmo aussieht wie eine Mischung aus Trickfilm-Roboter Wall-E und dessen Freundin EVE. An seinem Design haben ein ehemaliger Pixar-Angestellter und andere Trickfilm-Profis maßgeblich mitgewirkt.

Persönliche Begrüßung

Mit dem ersten Würfel fängt es an.
Mit dem ersten Würfel fängt es an.(Foto: jwa)

Spätestens wenn er einen Nutzer mit großen Augen ansieht und dessen Namen spricht, ist das Eis gebrochen. Hier sieht man auch schon, dass Cozmo mehr als andere Spielzeugroboter kann. Denn er spricht nicht einfach nur einen eingegebenen Namen, sondern verbindet ihn mit einem Gesicht, das seine Kamera aufgenommen hat. So erkennt er einen Nutzer jedes Mal, wenn er ihn wiedersieht. Perfekt ist er darin aber nicht, ein 5-Tage-Bart genügt schon zur Tarnung.

Nach dem Kennenlernen gilt es, Cozmo ein paar Fähigkeiten beizubringen. Für die meisten benötigt der kleine Roboter drei Würfel, die auf der Oberseite Dioden haben, die in unterschiedlichen Farben leuchten können. Cozmo kann so ihre Positionen erkennen, sie unterscheiden oder Spiele spielen. Zunächst lernt er, Würfel aufzunehmen, zu stapeln oder zu drehen und mit Hilfe eines Würfels einen "Wheelie" zu machen. Dabei geht der Roboter ziemlich zielstrebig vor und seine Fehlerquote ist sehr gering.

Verspielter Roboter

Bei "Keepaway" geht Cozmo richtig ran.
Bei "Keepaway" geht Cozmo richtig ran.(Foto: jwa)

Mit Cozmo kann man auch einige unterhaltsame Spiele spielen. Bei "Quick Tap" geht es darum, wer am schnellsten erkennt, wenn zwei Würfel die gleiche Farbe oder Farbkombination anzeigen. Bei "Keepaway" muss man einen Würfel wegziehen, bevor Cozmo auf ihn klopft, bei "Memory" tippt man drei Würfel in der Reihenfolge an, wie sie zuvor aufleuchten. Der Roboter stellt sich dabei recht geschickt an, ist aber auch von Erwachsenen zu bezwingen - gegen reaktionsschnelle Kinder hat er selten eine Chance. Auch beim Spielen zeigt Cozmo Emotionen, freut sich über Siege und ist traurig oder sauer, wenn er verliert. Sprachbefehle beherrscht Cozmo nicht. Vielleicht kommt diese Funktion ja noch - über das Smartphone sollte dies möglich sein. Selbst sprechen kann er nur, wenn man die Worte auf dem Smartphone eingibt und dann auch nur Englisch.

Man kann Cozmo nicht einfach nach Belieben Tricks beibringen oder mit ihm spielen. Neue Fähigkeiten muss man mit "Bits" bezahlen und Cozmo pariert nur, wenn man dafür "Sparks" investiert. Man verdient sie im wahrsten Sinne des Wortes spielerisch oder über Nacht und man wird belohnt, wenn man jeden Tag neu gestellte Aufgaben erledigt. Echtes Geld muss und kann man in seine Ausbildung nicht investieren.

Programmieren leicht gemacht

So sieht Cozmo die Spieler.
So sieht Cozmo die Spieler.(Foto: kwe)

Ziemlich genial ist, dass man Cozmo auch programmieren kann. Dafür muss man keinen Code schreiben, sondern Elemente mit bestimmten Aktionen aneinanderreihen. So kann man ihn beispielsweise einen Parcours bewältigen lassen, bei dem er bestimmte Fahrmanöver macht und dabei Würfel aufnimmt und ablegt. Außerdem kann man ihn feiern oder Tiere nachmachen lassen, was ziemlich lustig ist.

Spaß macht auch, die Kontrolle komplett zu übernehmen und Cozmo fernzusteuern. Dabei kann man die Welt durch die Kamera mit "seinen Augen" sehen. Richtig cool ist es, wenn man dem Roboter den Rücken zukehrt und dann nur mit dem Smartphone versucht, Würfel zu stapeln. Die Kamera erkennt auch menschliche Gesichter und man kann Cozmo grüßen lassen.

Cozmo geht aber auch selbstständig vor, erkundigt seine Umgebung oder fordert zu Spielen auf. Trifft er auf ein bekanntes Gesicht, freut er sich. Bei Katzen oder Hunden reagiert er auch mal allergisch. Wird es ihm langweilig, meckert und drängelt er zunächst, schläft aber auch mal aus Langeweile ein. Beschäftigt man ihn, ist er zufrieden und hat mehr Lust zu spielen. Cozmo ist aber kein Tamagotchi, das fast ununterbrochen nervt und stirbt, wenn es vernachlässigt wird. Man kann den Roboter abschalten und in seiner Ladestation schlafen lassen, wo er in einer knappen Viertelstunde genügend Energie für mehr als eine Stunde Aktivität tanken kann.

Regelmäßige Updates

Inwiefern er tatsächlich wie eine echte KI lernfähig ist, lässt sich bisher nicht beurteilen. Dafür braucht es wohl noch etwas mehr Zeit. Für Abwechslung soll jedenfalls gesorgt sein, Hersteller Anki verspricht, regelmäßig weitere Upgrades für Cozmo zu veröffentlichen, die Spieler freischalten können. Außerdem steht Entwicklern ein SDK zur Verfügung, mit denen sie weitere Funktionen programmieren können. Von seiner Entwicklung hängt auch viel ab, ob sich die Investition von 230 Euro für Cozmo lohnt. Wenn der Nachschub nicht versiegt, kann der kleine Roboter für lange Zeit ein unterhaltsamer Mitbewohner sein - für Jung und Alt.

Quelle: n-tv.de

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