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Die Smartwatch Pebble setzt auf ein offenes System.
Die Smartwatch Pebble setzt auf ein offenes System.(Foto: getpebble.com)

Apple, Google und Sony im Gleichtakt: Darum brauchen wir Smartwatches

Von Roland Peters

Stehen Armbanduhren vor einem breiten Comeback? Apple, Google, Samsung und Sony könnten das Dilemma der Smartphones auflösen. Uhren, die mit Handys kommunizieren, sind ein Weg in die Zukunft. Voran geht ein Startup.

Vier große Technikkonzerne holen ein überholt geglaubtes Accessoire aus dem vermeintlichen Leichenschauhaus: die Armbanduhr. In Bezug auf Apple etwa gibt es schon lange Gerüchte über eine "iWatch", die nun jedoch immer konkreter werden. So soll der Touchscreen der Uhr zugleich auch das Armband sein und mit einer Solarzelle betrieben werden, wie ein vom Konzern eingereichtes Patent zeigt. Allerdings hält sich Apple wie gewohnt bedeckt über seine Pläne.

Andere sind da offener, etwa Samsung. Die Südkoreaner kündigten die Markteinführung einer eigenen Smartwatch bereits als "definitiv" an. Auch Google arbeitet an einer solchen Uhr, wie die "Financial Times" vergangene Woche berichtete. Und Sony hat bereits eine "Smartwatch" für rund 100 Euro im Angebot. Sie ist per Bluetooth mit dem Android-Smartphone verbunden, informiert über eingehende Anrufe, Nachrichten, Kalendereinträge, Posts bei Facebook und Twitter, steuert den Musik-Player und hat Zugriff auf den Wetterbericht. Und zeigt die Uhrzeit. Das Problem: Sie funktioniert offenbar nicht einwandfrei. So monieren Tester den hakeligen, pixeligen Touchscreen sowie den Zwang, für alle Funktionen zusätzliche Apps von Sony auf dem Smartphone installieren zu müssen.

Niedrigere Barrieren, höhere Barrieren

Der Hype blieb bisher zwar aus, aber trotzdem entwickeln all diese Unternehmen eigene Modelle. Ist die Armbanduhr nicht ein Konzept von gestern? Warum wird sie als zusätzliches technisches Gerät gebraucht? Das Smartphone ist scheinbar mit allen Funktionen versehen, es ist Navigationssystem, Fotoapparat und Kommunikationsmittel auf allen Kanälen. Und es zeigt ebenfalls die Uhrzeit. Die Antwort mutet simpel an. Das vielseitige Mobiltelefon ist zwar praktisch, ermöglicht mehr Kommunikation und baut so Barrieren ab. Doch zugleich scheint die Aufmerksamkeit für die Umwelt abzunehmen und baut so Hindernisse im Alltag auf. Die persönliche Kommunikation, also die Unterhaltung ohne Hilfsmittel, leidet.

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Einen Ausschnitt des Dilemmas zeigt ein Bild mit dem Titel "Die Evolution der Zombies", das im Netz kursiert und eine zeitliche Abfolge von Filmszenen zeigt, die mit "Night of the Living Dead" im Jahr 1968 beginnt. Auf dem letzten, aktuellen Bild sind zwei junge Frauen und zwei junge Männer zu sehen, die nebeneinander stehen. Doch alle haben den Blick gesenkt, bedienen und starren auf ihr Smartphone. Manche Menschen können sich offenbar nicht losreißen von der Funktionsfülle ihres Handys. Und manche erkennen dies womöglich bei sich oder anderen auch als Problem. Es könnte eine Erklärung dafür sein, dass das Crowdfunding-Projekt für die Smartwatch Pebble über 10 Millionen US-Dollar einsammeln konnte.

Die Investition hat sich für die Unterstützer offenbar gelohnt: Durchweg loben Tester die Smartwatch, die in Bluetooth-Verbindung mit dem iPhone und Android-Handys funktioniert. Das Kickstarter-Projekt überzeugte offenbar auch die Hersteller, dass in diesem Bereich möglicher Umsatz schlummert. Pebble kostet 150 US-Dollar und setzt auf eine E-Paper-Anzeige wie Kindle & Co. Dadurch kommt die Uhr auf eine Batterielaufzeit von mindestens sieben Tagen. Ansonsten sind die Funktionen ähnlich der Sony-Uhr. Allerdings hat das Startup für April einen Werkzeugkasten für Entwickler angekündigt, die eigene Apps für die Uhr programmieren wollen.

Mehr Flexibilität, weniger Verbindlichkeit

Ein Indikator für die Überlegungen der Hersteller ist die von Samsung angekündigte Funktion des neuen Galaxy S4, das die Videowiedergabe anhält, wenn der Zuschauer den Blick abwendet. Etwa, weil er abgelenkt wird, oder eine andere Situation wichtiger ist. Dies macht ebenso wie Smartwatches die Nutzung von Mobiltelefonen weniger verbindlich. Es ordnet ihren Platz im Alltag flexibler ein und erschließt so womöglich auch neue Kunden. Menschen, die genervt davon sind, ständig ihr Telefon aus der Tasche zu holen, weil neue Nachrichten eintrudeln; die mit ihren Händen arbeiten und nicht immer auf einem Touchscreen rumtippen können; die große Displays wie beim kommenden S4 zwar mögen, aber diskreter mit der Situation umgehen wollen.

Das vermeintliche Leichenschauhaus der Uhren ist also eher die Quelle notwendiger Zugeständnisse an Smartphone-Skeptiker. Es macht die Nutzung der Geräte individuell anpassbarer und für andere Zielgruppen interessant.  Und kann auch eine Tür aus dem Dilemma anbieten, dass iPhone & Co. die Kommunikation sowohl vereinfachen als auch erschweren. Darum brauchen diese Leute Smartwatches.

Quelle: n-tv.de

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