Technik
Qualcomm hilft Android-Herstellern bei der Entwicklung neuer Technologien. Das allein reicht aber nicht aus.
Qualcomm hilft Android-Herstellern bei der Entwicklung neuer Technologien. Das allein reicht aber nicht aus.(Foto: Qualcomm)
Dienstag, 12. September 2017

"Wer hat's erfunden?": Das gab's vorm iPhone schon bei Android

Von Johannes Wallat

Chip-Hersteller Qualcomm veröffentlicht eine Liste mit Technologien, die auf Android-Smartphones Premiere feierten. Die Stoßrichtung ist unmittelbar vor Apples iPhone-Show klar, die Argumentation hat aber Schwächen.

Den 12. September haben sich Apple-Fans, Technik-Experten und Medienmenschen im Kalender rot markiert, denn um 19 Uhr deutscher Zeit stellt Apple sein Jubiläums-Handy vor. Das iPhone X beherrscht seit Wochen und Monaten die Technik-Nachrichten - klar, dass der Konkurrenz der Hype nicht schmeckt. Chip-Hersteller Qualcomm, dessen Prozessoreinheiten in zahlreichen Android-Smartphones stecken und der mit Apple im Clinch über Patentzahlungen liegt, veröffentlicht jetzt eine Liste mit Technologien, bei denen Android-Smartphones den iPhones von Apple voraus waren.

Qualcomm stellt vor: Diese Technologien gab's bei Android zuerst.
Qualcomm stellt vor: Diese Technologien gab's bei Android zuerst.(Foto: Qualcomm)

Was dahintersteckt, ist klar: Mit Blick auf das große Apple-Event, bei dem Tim Cook und seine Kollegen mit Superlativen nicht sparen werden, wenn es um Ausstattung und Funktionen des neuen iPhones gehen wird, stellt Qualcomm trotzig die rhetorische Frage: "Wer hat's erfunden?" Die Liste enthält einige "Android firsts", Neuheiten also, die es zuerst bei der Android-Plattform gab und die "den Weg für andere Nachfolger bereitet" haben, wie es Qualcomm vorsichtig formuliert. Apple, iOS oder das iPhone werden in dem Blog-Eintrag nicht explizit genannt, doch beim Jubiläums-Modell werden einige der aufgezählten Features an Bord sein.

OLED, Iris-Scanner, Randlos-Display

Dazu gehört zum Beispiel ein OLED-Display, das es bei Android-Smartphones schon lange gibt, Qualcomm nennt als Beispiel-Gerät das LG G Flex 2. Samsung verbaut in seinen Premium-Modellen seit Jahren OLED-Bildschirme, erstmals beim 2010 eingeführten Galaxy S - und es fertigt auch die OLEDs für das iPhone X. Die Iris-Erkennung stellte Samsung mit dem Galaxy Note 7 vor, auch das Note 8 hat einen Iris-Scanner. Gesichtserkennung gibt es auf der Android-Plattform schon deutlich länger, allerdings ist dieses Feature nach wie vor unsicher. Das randlose Display-Design ("bezel-less design") gab's schon mit dem Xiaomi Mi Mix, Samsungs S8, das Note 8 und LGs G6 und das V30 haben ebenfalls quasi keine Ränder um den Bildschirm. Augmented Reality bieten zum Beispiel Lenovos Phab 2 Pro und das Asus Zenfone AR - mit bisher beschränktem Nutzen.

Die Liste der Technologien, die mithilfe von Qualcomm auf Android-Smartphones Weltpremiere feierten, ist lang - auch wenn sie bei genauerem Hinsehen etwas aufgeblasen wirkt. Einen Fingerabdruck-Scanner unterm Display beispielsweise zeigte Qualcomm tatsächlich schon 2015 in Barcelona, doch zur Marktreife hat es die Technologie bekanntlich noch nicht gebracht. Zweifelsfrei aber gab es Technologien wie die Dual-Kamera (Premiere im HTC One M8), Gigabit LTE (zuerst im Galaxy S8), Bluetooth 5.0 oder Drahtlos- und Schnelllade-Optionen zuerst bei Android.

Damit hat Qualcomm zwar in der Sache Recht - manche Dinge, die Apple in der Vergangenheit als große Neuerungen verkaufte, gab es so oder so ähnlich schon zuvor bei Android-Smartphones. Doch nur der Erste zu sein, reicht eben nicht aus. Man muss es auch richtig machen. So gibt es genug Beispiele dafür, dass Apple Ideen von Anderen aufgegriffen, sie besser umsetzt und dadurch - und durch die schiere Popularität des iPhones - erst massentauglich gemacht hat. Prominentestes Beispiel dafür ist vielleicht der Fingerabdruck-Scanner, der 2013 im iPhone 5S Apple-Premiere feierte und inzwischen aus der Smartphone-Oberklasse nicht mehr wegzudenken ist. Wer also Erster war, wer's erfunden hat - das tut wenig zur Sache und dürfte Apple und seinen Kunden letztendlich ziemlich egal sein.

Quelle: n-tv.de

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