Technik
Auch Mittelklasse-Smartphones haben inzwischen einiges drauf.
Auch Mittelklasse-Smartphones haben inzwischen einiges drauf.(Foto: jwa)
Freitag, 19. Mai 2017

Mittelklasse oder Mittelmaß?: Das taugen Smartphones unter 300 Euro

Mehr Handy braucht kein Mensch: Sparfüchse bekommen für 200 bis 300 Euro heutzutage Smartphones, die kaum noch Wünsche offen lassen. Genaues Hinsehen ist in der Mittelklasse aber Pflicht.

Riesige Displays mit extrem hoher Auflösung, die allerneusten Features, die besten Prozessoren: Wenn neue Smartphones vorgestellt werden, dann klotzen die Hersteller und kleckern nicht. Neben den großen Flaggschiffen für mehr als 600 Euro gibt es aber noch weitere Kategorien - etwa die Mittelklasse mit Geräten zwischen 200 und 300 Euro.

Kaum ein Hersteller, der in dieser Preisklasse nicht vertreten ist. Das ist auch kein Wunder, denn hier sind viele Kunden unterwegs, wie ein Blick in den Consumer Electronics Marktindex Deutschland (CEMIX) der Branchenvereinigung gfu verrät. Demnach geben Smartphone-Käufer für neue Mobiltelefone im Schnitt kaum mehr als 400 Euro aus.

Große Auswahl, hohes Niveau

Neuheiten gibt es in der Mittelklasse deshalb ständig. Auf der größten Branchenmesse Mobile World Congress gab es dieses Jahr zum Beispiel Lenovos Moto G5, das Xperia XA1 von Sony oder mehrere neue Nokia-Modelle zu sehen. Dazu kommen Smartphones wie das LG K10, Samsungs Galaxy A3 (2017), das Archos 55 Diamond Selfie oder das Huawei P10 Lite, das aktuell aber noch etwas über 300 Euro kostet.

Für den Kunden ist die ständige Flut an Neuheiten gut, denn sie verheißt erstens viel Auswahl und zweitens relativ hohe Qualität. Im Labor der Stiftung Warentest schneiden auch günstige Smartphones selten schlechter ab als "befriedigend". Viele Modelle erhalten sogar ein "gut". Und auch in Sachen Leistung und Features muss man kaum noch Abstriche machen, sagt Rita Deutschbein vom Onlineportal "Teltarif.de": "Für 300 Euro bekommen Sie heute ein Gerät, das kaum noch Wünsche offen lässt."

Finger-Scanner darf dabei sein

Bestes Beispiel dafür: der Fingerabdruck-Scanner, bis vor Kurzem noch den teuren Flaggschiffen vorenthalten. "Heute ist der auch in der Mittelklasse fast schon Standard", sagt Deutschbein. Käufer müssen also nicht mehr auf das bequeme und sichere Feature verzichten. Statt Billig-Plastik gibt's auch bei den 300-Euro-Smartphones oft Glas und Metall. Und auch bei den Kameras - einst die Sorgenkinder der Mittelklasse - habe sich inzwischen einiges getan.

Doch während in der Spitzenklasse inzwischen alle aktuellen Modelle Top-Leistung bringen, glänzt in der Mittelklasse nicht jedes Smartphone in allen Kategorien, wie ein aktueller Test der Fachzeitschrift "Connect" (Ausgabe 5/2017) zeigt. Das LG K10 bekommt dort zum Beispiel Lob für seine Performance, schwächelt aber bei der Akkulaufzeit und beim Display. Das 55 Diamond Selfie von Archos hat eine hohe Auflösung, nervt dafür aber mit hohem Gewicht und einer eher schwachen Kamera.

Auch andere Geräte haben oft einen Haken: Den Fingerabdruck-Scanner haben sich LG (K10) und Sony (XA1) gespart, beim LG-Handy ist das Gehäuse aus dünnem Plastik. Dafür hat das XA1 eine starke Kamera - es lohnt sich vor dem Kauf also, genau hinzusehen und abzuwägen, welche Eigenschaften wichtig sind.

Mindestanforderungen

Einen Bogen machen sollten Käufer um Smartphones, die nur 8 Gigabyte (GB) internen Speicher haben. 16 GB sollten es mindestens sein, 32 GB sind besser. Ein microSD-Steckplatz empfiehlt sich zusätzlich. Beim Arbeitsspeicher sind 2 GB inzwischen guter Standard. Bei der Kamera kommt es auf einen Test an: Höhere Auflösung bedeutet nicht gleich bessere Bilder. Scharfe Displays mit mehr als Full HD (1920 x 1080 Pixel) sind selten, aber auch unnötig - für Alltagsanwendungen reicht bei Größen um die 5 Zoll HD oder Full HD vollkommen aus. Auch den schnellen WLAN-Standard 802.11ac können längst nicht alle 300-Euro-Smartphones, genau wie die allerschnellsten LTE-Frequenzen.

Übrigens: Wer ein iPhone haben möchte, hat es in der Preisklasse unter 300 Euro schwer. Alternative könnte aber ein ehemaliges Android-Flaggschiff sein. Ein oder zwei Jahre nach Markteinführung sind die oft deutlich günstiger zu haben, der Preisverfall ist bei Android-Geräten viel höher als bei Apples iPhones. Und nur weil es bereits einen oder mehrere Nachfolger gibt, sind die ehemaligen Flaggschiffe nicht schlechter.

Achtung, Updates

Gegen den Kauf solcher Smartphones spricht grundsätzlich nichts, sagt Deutschbein - mit einer wichtigen Einschränkung: "Es kann sein, dass es dafür schon jetzt oder relativ bald keine Updates mehr gibt." Ist das der Fall, ist eine Neuerscheinung die bessere Wahl. Die kommen zumindest mit aktueller Software auf den Markt - aber auch hier gibt es deutliche Unterschiede.

Lenovos Moto-G-Serie ist dafür bekannt, schnell und zuverlässig Updates zu bekommen. Nokia hat zumindest versprochen, schnelle Updates zu liefern, seine Android-Smartphones sind aber noch nicht auf dem Markt. Huawei behandelt seine Mittelklasse stiefmütterlicher, und auch andere günstigeren Modelle haben bei der Update-Versorgung eher das Nachsehen. Käufer sollten deshalb darauf achten, dass auf ihrem Smartphone mindestens Android 6 installiert ist - eigentlich ist inzwischen Android 7 Pflicht, denn Google hat den Nachfolger schon vorgestellt.

Übrigens: Manchmal lohnt sich auch ein Blick über den Tellerrand der etablierten Marken. Der französische Hersteller Wiko, das ebenfalls französische Alcatel oder der spanische Hersteller BQ haben Smartphones im Angebot, die teils erstaunlich viel draufhaben und trotzdem günstig sind. BQs Aquaris X dient sich als echter Preis-Leistungs-Kracher an - n-tv.de testet den Spanier derzeit. 

Quelle: n-tv.de

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