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Das 2,8 Petaflop schnelle SuperMUC-System ist wassergekühlt und misst 21 x 26 Meter.
Das 2,8 Petaflop schnelle SuperMUC-System ist wassergekühlt und misst 21 x 26 Meter.(Foto: picture alliance / dpa)

"Top 500" der schnellsten Computer: Deutschland ist Europameister

Deutschland leistet sich am Leibnitz-Institut in München eine Supercomputer-Anlage, die in ihrer Leistung europaweit einmalig ist. In der aktuellen "Top 500"-Liste der schnellsten Rechner der Welt rangiert Deutschland gleich mit zwei Systemen unter den Top Ten.

Deutschland rückt in die Spitzenliga der weltweit schnellsten Supercomputer auf. Gleich zweimal schafften es hiesige Rechenanlagen unter die zehn schnellsten der Welt - noch vor einem halben Jahr war Deutschland dort nicht vertreten. Die USA melden sich nach zweieinhalb Jahren Pause an der Liste der "Top 500" zurück. Die Liste wird traditionell zum Start der International Supercomputer Conference veröffentlicht, die in Hamburg begann.

Der erst kürzlich fertiggestellte Supercomputer "SuperMuc" im Leibniz-Rechenzentrum bei München ist Europas leistungsfähigste Anlage und rangiert auf der aktuellen "Top 500" auf Platz vier. Die Spitzenleistung von 2,8 Petaflop (Billiarden Rechenschritten) pro Sekunde der IBM-Anlage steht Forschern an den Münchner Universitäten und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zur Verfügung. Die Rechenanlage JuQueen im Forschungszentrum Jülich, ebenfalls von IBM, schaffte es auf den achten Platz. Das System kommt auf eine Spitzenleistung von 1,38 Petaflop.

Der Schnellste steht in Kalifornien

Weltschnellster Rechner ist die IBM-Anlage Sequoia im Lawrence Livermore National Laboratory des US-Energieministeriums, wo unter anderem Kernforschung betrieben und neue Energiequellen erforscht werden. Mit einer Leistung von nun 16,32 Petaflop hat Sequoia die USA erstmals seit November 2009 wieder an die Weltspitze zurückgebracht. Auf der jüngsten Liste von November hatte der "K Computer" des Herstellers Fujitsu den einstigen Spitzenreiter erneut spielend hinter sich gelassen.

Das "K"-System, das nun mit 10,51 Petaflops den zweiten Platz belegt, steht im japanischen Kobe und wird im RIKEN-Institut für physikalische und chemische Forschung eingesetzt. Es gilt als eines der energieeffizientesten Systeme weltweit. Auf dem dritten Platz folgt "Mira", ein IBM-System, das vom Argonne National Laboratory im US-Bundesstaat Illinois betrieben wird und auf 8,15 Petaflop pro Sekunde kommt.

Kühlung dient als Heizung

Mit Europas schnellstem Rechner will das Leibniz Supercomputing Center (LRZ) jedoch nicht allein in Sachen Schnelligkeit punkten, die mit der Arbeit von mehr als 110.000 Personal Computern vergleichbar ist. Die Anlage soll auch in Sachen Energieeffizienz beispielhaft sein. Dafür haben die Entwickler von IBM eine besondere, ganz neue Art der Kühlung entwickelt: Die Anlage werde mit einem Wasserkreislauf kühl gehalten, die Abwärme könne gleichzeitig für die Beheizung der Räume genutzt werden, erklärt Hans-Jürgen Rehm von IBM. Bis zu 50 Prozent der Energie, die für den Betrieb einer solchen Rechenanlage nötig ist, entfällt inzwischen nicht auf die eigentliche Rechenarbeit, sondern auf die Kühlung der Systeme.

Mit Italien und Frankreich kamen diesmal zwei weitere Supercomputer aus Europa unter die Top Ten. Mit dem IBM-System Fermi gelangt mit dem siebten Platz erstmals Italien unter die ersten der Weltrangliste (1,72 Petaflop pro Sekunde). Frankreich rangiert mit der Anlage "Curie thin nodes" auf Platz neun. Schlusslicht der Top Ten bildet der Supercomputer Nebulae aus dem chinesischen Supercomputer-Zentrum in Shenzen. Seine einst schnellste Anlage, Tianhe-1A ("Milchstraße") aus dem Supercomputer-Zentrum in Tianjin, vor einem halben Jahr noch auf Platz zwei, brachte China auf dem fünften Platz unter.

Die Liste der "Top 500" wird zweimal im Jahr zur International Supercomputing Conference (ISC) veröffentlicht. Die Konferenz findet abwechselnd in den USA und in Deutschland statt, hierzulande diesmal erneut in Hamburg. Sowohl die Rangliste der weltschnellsten Supercomputer als auch die Konferenz-Ausrichtung geht maßgeblich auf den Mannheimer Informatiker Hans Werner Meuer zurück.

Der Betrieb eigener Supercomputer-Anlagen und deren enormen Rechenleistungen werden für viele Länder immer wichtiger. Mit ihnen lassen sich zum Beispiel Klimaveränderungen berechnen und Katastrophen wie Erdbeben vorhersagen. Auch die hochkomplexen Strukturen und Eigenschaften von Proteinen können damit erforscht werden, was in der Biologie und in der Medizin, etwa bei der Bekämpfung von Krankheiten wie Alzheimer oder der Parkinson-Krankheit von großer Bedeutung ist.

Quelle: n-tv.de

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