Technik
Der Motor des Pendix-Antriebs sitzt links am Tretlager, darüber befindet sich der Akku am Platz des Flaschenhalters.
Der Motor des Pendix-Antriebs sitzt links am Tretlager, darüber befindet sich der Akku am Platz des Flaschenhalters.(Foto: kwe)
Mittwoch, 10. August 2016

Pendix passt an jedes Fahrrad: Deutscher E-Bike-Antrieb ist top

Von Klaus Wedekind

Der sächsische Hersteller Pendix verspricht, mit seinem Nachrüst-Antrieb jedes Fahrrad zum vollwertigen E-Bike zu machen. n-tv.de hat den Motor ausprobiert und ist begeistert. Die Technik made in Germany hat allerdings ihren Preis.

Wer ein E-Bike fahren möchte, muss nicht unbedingt ein neues Fahrrad mit Elektroantrieb kaufen, denn es gibt inzwischen auch einige Nachrüstsätze, die aus herkömmlichen Drahteseln Elektro-Flitzer machen. Ein Leser empfahl n-tv.de den Antrieb des Zwickauer Herstellers Pendix, der seit vergangenem Herbst auf dem Markt ist und besonders gut sein soll. Grund genug, für einen Monat den Antrieb selbst auszuprobieren.

Teure Wertarbeit

Auch wenn es einfach aussieht: Der Antrieb sollte nur von Fachleuten montiert werden.
Auch wenn es einfach aussieht: Der Antrieb sollte nur von Fachleuten montiert werden.(Foto: kwe)

Billig ist die Sache nicht, rund 1500 Euro kostet der Antrieb. Zusätzlich muss die rund 100 Euro teure Montage durch einen der 147 Fachhändler bezahlt werden, über die der Pendix-Motor vertrieben wird. Die fachmännische Umrüstung ist für einen sicheren E-Bike-Spaß auch unumgänglich. Viel Geld, aber Kunden bekommen dafür Technik, die größtenteils in Zwickau und Umgebung hergestellt wird und einen entsprechend soliden Eindruck macht.

Für den Test ließ n-tv.de ein Trek-ATB von der Stange umrüsten - ein solides Aluminium-Fahrrad ohne Federung. Grundsätzlich ist der Antrieb aber mit fast jedem Rad-Typen kompatibel, da er als Mittelmotor ganz einfach am Tretlager angebracht wird. Sind Kette und der hintere Zahnkranz noch gut in Schuss, können sie am Fahrrad bleiben, der Monteur sucht für den Antrieb passende Kettenblätter aus. Der Akku findet da Platz, wo normalerweise Trinkflaschen am Rahmen befestigt werden. Der Techniker überprüft vor der Montage auch, ob das Fahrrad grundsätzlich verkehrstauglich und für die Umrüstung geeignet ist.

Dosierte Unterstützung

Technische Daten
  • Antrieb: Bürstenloser Tretlagermotor
  • Leistung: 250 W nominal
  • Drehmoment (max.): 50 Nm
  • Akku: 300 Wh nominal, 48 V
  • Maximale Reichweite: 104 km
  • Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
  • Antriebsstufen: 3
  • Gesamtgewicht: 6,5 kg
  • Unterstützte Radgrößen: alle
  • Rahmengrößen: alle mit handelsüblichem Bauraum und Tretlager mit Standardgewinde BSA 68 o. 73
  • Maße Akku: 80 x 276 mm
  • Maße Antrieb: 292 x 206 x 50 mm

Die Einführung vor dem ersten Start ist schnell erledigt. Der Akku wird eingesetzt und mit einer knappen Drehung arretiert. Nach einem Druck auf den Einschalter ist er startklar und es kann losgehen. Zunächst "lernt" die Elektronik über Sensoren, wie kräftig der Fahrer in die Pedale steigt. Der Pendix-Antrieb ist nämlich kein E-Motor, der permanent mit voller Leistung arbeitet, sondern dosiert mithilft und sich dem Krafteinsatz des Fahrers anpasst. Dadurch hat man nach einer Weile fast das Gefühl, ohne E-Unterstützung zu radeln - es geht halt nur ganz einfach.

Bei knapp 25 Stundenkilometern ist es damit aber vorbei, denn ab dieser Geschwindigkeit muss der Antrieb wegen gesetzlicher Vorschriften seine Unterstützung einstellen und man kann nur mit der eigenen Muskelkraft schneller fahren. So genießen sportliche Fahrer auf flachen Strecken vor allem einen rasanten Start, profitieren im Anschluss aber nur bedingt von dem E-Antrieb. Am meisten zahlten sich die Extra-E-Pferdchen bei langen Anstiegen oder stetigem Gegenwind aus. Während Normal-Tretern hier schnell die Puste ausgeht und der Schweiß ausbricht, behält der Pendix-Fahrer mühelos die Geschwindigkeit bei und muss am Zielort nicht die Kleidung wechseln.

Ein leerer Akku ist in etwa drei Stunden wieder geladen.
Ein leerer Akku ist in etwa drei Stunden wieder geladen.

Wie stark der E-Motor mitarbeitet, hängt auch vom Modus ab, der am Steuerrad des Akkus gewählt wurde, drei Stufen stehen zur Verfügung. Je weniger der Antrieb gefordert wird, desto größer ist auch seine Reichweite. Wie's um den Ladestand bestellt ist, zeigt ein Leuchtring am Akku in vier unterschiedlichen Farbabstimmungen. Im Eco-Betrieb  sind im Idealfall mehr als 100 Kilometer drin. Bei steilen Anstiegen oder anderen schweren Bedingungen muss man sich im Sport-Modus auch mal mit 30 Kilometern zufrieden geben.

Schwache Akku-Sicherung

Im Test wurde das Fahrrad in und um Berlin meistens im Smart-Modus bewegt, der ein guter Kompromiss zwischen Reichweite und Unterstützung ist. 50 bis 70 Kilometer darf man hier erwarten, bevor der Akku rot leuchtet und an die Ladestation muss. Nach rund drei Stunden hat er dann wieder volle Kapazität. Etwas nervig war nur, dass man den Akku entfernen und mitschleppen muss, wenn man das Rad längere Zeit unbeaufsichtigt lässt. Zwar gibt es an der Unterseite des Akkus einen ausfahrbaren Stahlbügel, mit dem er gesichert werden kann. Doch er ist zu dünn, um Fahrraddiebe wirklich beeindrucken zu können.

Alles in allem hat der Pendix-Antrieb voll überzeugt. Der E-Motor arbeitet wunderbar dosiert und unkompliziert, die Reichweite ist gut und das Zusatzgewicht von insgesamt 6,5 Kilo verträgt sich bei einem ansonsten leichten Alu-Rad auch noch mit der Treppe zum Fahrradkeller. Der Preis ist allerdings ziemlich happig und man muss sich schon sehr gut überlegen, ob man nicht lieber gleich ein passendes E-Bike kauft und das alte Fahrrad für kurze Touren behält.

Quelle: n-tv.de

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