Technik
Die Apple Watch 3 mit eSIM erkennt man am roten Punkt auf der Krone.
Die Apple Watch 3 mit eSIM erkennt man am roten Punkt auf der Krone.(Foto: kwe)
Freitag, 29. September 2017

Series 3 mit eSIM: Die Apple Watch ist jetzt komplett, aber ...

Von Klaus Wedekind

Die Apple Watch gibt es in der dritten Generation mit eingebauter SIM-Karte, was ihr mehr Unabhängigkeit verleiht. Telefonieren und Nachrichten empfangen ohne iPhone klappt eigentlich auch prima, allerdings hat die Sache einen Haken.

Neben seinen neuen iPhones hat Apple auch eine neue Generation der Apple Watch am 12. September vorgestellt. Sie hat über alle Versionen hin verschiedene Verbesserungen erhalten. Dazu gehören ein stärkerer Prozessor, ein Höhenmesser und ein schnelleres und effizienteres WLAN-Modul. Außerdem bringt das neue Betriebssystem watchOS 4 unter anderem verbesserte und neue Funktionen für Aktivitäten und Training. Die wichtigste Neuheit ist aber die Apple Watch mit eingebauter SIM-Karte (eSIM), n-tv.de hat sie getestet.

Nur ein Anbieter

Grundsätzlich ist es für Sportler eine feine Sache, wenn sie das iPhone zu Hause lassen können und trotzdem über die Apple Watch erreichbar sind. Sie können unter anderem mit ihr telefonieren, Nachrichten empfangen oder Siri Antworten diktieren. In Deutschland hat die Sache aber einen großen Haken: Nur die Telekom unterstützt eSIMs, Kunden anderer Anbieter können mit der LTE-Version der Apple Watch 3 auch nicht mehr anfangen als mit dem GPS-Modell.

Ist man Telekom-Kunde, ist die Einrichtung der eSIM grundsätzlich unkompliziert: Nachdem man sich im Kundencenter angemeldet hat, kann man telefonisch über den Kundenservice einen Aktivierungscode abrufen, der danach im Kundencenter unter Meine SIM-Karten angezeigt wird. Dann öffnet man in der Watch-App den Menüpunkt Mobilfunk und scannt den Code - das war's. Die ersten sechs Monate sind gratis, danach kassiert die Telekom wie bei Multi-SIMs mit den meisten Verträgen rund 5 Euro pro Monat.

Rätselhafte Aussetzer

Die Watch verbindet sich manchmal ungewollt mit einem bekannten WLAN, kann diese Verbindung aber nicht nutzen.
Die Watch verbindet sich manchmal ungewollt mit einem bekannten WLAN, kann diese Verbindung aber nicht nutzen.(Foto: kwe)

Mit aktivierter eSIM baut die Watch eine eigene Mobilfunkverbindung auf, sobald das iPhone außer Bluetooth-Reichweite ist. Das erkennt man an grünen Punkten auf dem Display, je nach Empfangsqualität sind bis zu vier Stück ausgefüllt. Gewöhnlich ist diese ziemlich gut, die vom Apple im Display untergebrachte Antenne leistet erstaunlich gute Arbeit. Ärgerlich war im Test allerdings, dass die Verbindung gelegentlich trotz bestem Empfang offenbar grundlos abriss und erst nach einem Neustart wieder da war - dann aber oft wieder getrennt wurde. Diese Aussetzer traten vor allem im Zentrum Berlins auf.

Offenbar liegt in diesem Fall das gleiche Problem vor, wie es Tester in den USA berichtet haben: Die Uhr verbindet sich mit WLAN-Netzen, die ihm durch das iPhone bekannt sind, geht dabei aber offline. Der Nutzer kann dagegen nichts unternehmen, weil es keine entsprechenden Einstellungen auf der Uhr oder in der Watch-App gibt. Im Kontrollzentrum wird diese Verbindung angezeigt, aber die Watch kann weder empfangen noch senden. Man kann sie auch nicht vom WLAN trennen, ohne sie neu zu starten. Apple hat angekündigt, mit einem Update nachzubessern. Bis dahin sollte man vor der Einrichtung der Uhr alle im iPhone gespeicherten öffentlichen WLAN-Hotspots in den Einstellungen ignorieren, um unterwegs Empfang zu haben. Zu Hause oder im Büro ist der Fehler schließlich kein Problem.

Wenn eine Mobilfunkverbindung besteht, sieht man auf dem Display grüne Punkte, die die Empfangsstärke anzeigen.
Wenn eine Mobilfunkverbindung besteht, sieht man auf dem Display grüne Punkte, die die Empfangsstärke anzeigen.(Foto: kwe)
Gute Sprachqualität

Die Telefonie-Funktion im Solo-Modus klappt vorzüglich. Hier kann man nicht nur Anrufe annehmen, sondern auch starten, indem man einen Kontakt auswählt. Die Sprachqualität ist dabei für den Gesprächspartner sehr gut und wenn es nicht allzu laut in der Umgebung ist, klingt auch der Lautsprecher der Watch vernünftig.

Nachrichten kann man ebenfalls direkt beantworten oder aus den Kontakten starten. E-Mails kann man empfangen und beantworten. Praktisch ist bei Outdooraktivitäten außerdem, dass man alleine mit der Watch die Karten-App uneingeschränkt zum Navigieren nutzen kann. Und Abonnenten von Apple Music dürfen demnächst Musik streamen und müssen nicht mehr auf gespeicherte Songs zurückgreifen.

Whatsapp klappt noch nicht

Bei anderen Apps ist die Funktionalität allerdings eingeschränkt, die meisten arbeiten (noch) nicht mit der mobilen Internetverbindung der Watch. Bis auf Wechat passiert bei Apps von Drittanbietern bisher ohne Verbindung zum iPhone nicht viel. Gerade bei Whatsapp ist das ein Problem, das für viele Nutzer der wichtigste Kommunikationsweg ist. Hier wird sich hoffentlich noch etwas tun.

Egal, wie weit es weg ist, sollte man das iPhone nicht abschalten, wenn man alleine mit der Apple Watch loszieht. Denn dann werden keine SMS empfangen, sondern nur iMessages. Andere Benachrichtigungen werden überhaupt nicht weitergeleitet.

Bei allen Dingen, die mit der Uhr ohne iPhone funktionieren, ist Siri eine große Hilfe, weil sie per Spracheingabe erledigt, was man sonst auf dem kleinen Display der Watch mühsam eingeben müsste. Und sie antwortet jetzt auch über den Lautsprecher der Watch.

Telefonieren belastet, ist aber kein Problem

Was die Akkulaufzeit betrifft, müssen sich Nutzer eigentlich keine Sorgen machen, so lange sie keine längeren Telefonate führen, was die Batterie ziemlich schnell leersaugt. Die anderen Funktionen belasten die Batterie weit weniger. Wenn man die Watch nur beim Joggen solo verwendet, ist der Unterschied belanglos, auch ein kompletter Tag ohne iPhone ist normalerweise kein Problem für die Uhr. Apple gibt bis zu 18 Stunden Laufzeit bei 4 Stunden mobiler Verbindung an, 10 bis 15 Stunden sind eigentlich immer drin.

Wenn die Mobilfunkverbindung so funktioniert, wie sie soll und von mehr Apps als bisher genutzt werden kann, ist die eSIM vor allem für Sportler eine Bereicherung und die Apple Watch macht erstmals einen kompletten Eindruck. Der Aufpreis von 80 Euro im Vergleich zum GPS-Modell ist für Apple-Verhältnisse durchaus moderat. Eine krasse Einschränkung in Deutschland ist allerdings, dass die Apple Watch mit Mobilfunk bis auf Weiteres Telekom-Kunden vorbehalten ist.

Quelle: n-tv.de

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