Technik
Der Xperia Touch macht in der Küche eine gute Figur.
Der Xperia Touch macht in der Küche eine gute Figur.(Foto: jwa)
Donnerstag, 02. November 2017

Sonys kurioser Xperia Touch: Dieser Beamer macht alles zum Touchscreen

Von Johannes Wallat

Sonys Android-Beamer Xperia Touch ist ein futuristisches Unikat: Er macht jede Oberfläche zum Touchscreen. Aber ist er nur ein extravaganter Blick in die Zukunft oder bereits ausgereift und alltagstauglich?

Für manche Ohren mag es wie Zukunftsmusik klingen, doch der Projektor, der jede Oberfläche zum Touchscreen macht, ist Realität: Sony hat mit dem Xperia Touch einen kleinen und relativ formschönen Beamer im Angebot, der nicht nur Bildinhalte auf Flächen projiziert, sondern diese auch berührungsempfindlich macht - ein bisschen wie ein großer Tablet-Bildschirm. Wie funktioniert das, und taugt das was?

Android an Bord

Tatsächlich ist der Xperia Touch nicht einfach nur ein Beamer. Er hat ein vollwertiges Android-Betriebssystem an Bord. Anstelle eines Displays wie bei einem Smartphone oder Tablet hat er die Gabe, jede Fläche jederzeit in einen Touch-Bildschirm verwandeln zu können - und weil es ein Kurzdistanzbeamer ist, kann man ihn einfach auf den Tisch, die Arbeitsfläche oder den Fußboden stellen.

Der Xperia Touch sieht schlicht und ansprechend aus.
Der Xperia Touch sieht schlicht und ansprechend aus.(Foto: jwa)

Je nach Entfernung von der Fläche, auf die das Bild projiziert wird, sind dabei Diagonalen von rund 20 bis 80 Zoll möglich, auf einem Tisch bringt er es auf 23 Zoll. Natürlich gilt hier wie immer bei Beamern: Je kürzer die Distanz, desto kleiner, aber auch heller ist das Bild. Die 80-Zoll-Diagonale ist daher auch eher ein theoretischer Wert, weil das Bild auf die Entfernung zu blass ist. Zudem sollte die Oberfläche wie bei anderen Beamern auch natürlich möglichst hell und glatt sein - der Touch bringt es nur auf 100 Lumen, herkömmliche Heim-Beamer leuchten mit 2000 oder 3000 Lumen deutlich heller. Die Auflösung bleibt mit 1366 x 768 Pixeln immer gleich.

Nicht gucken, berühren

Technische Daten
  • System: Android 7 Nougat
  • Projektion (typisch): 23 Zoll, 1366 x 768 Pixel
  • Helligkeit: 100 Lumen
  • Arbeitsspeicher: 3 GB
  • Interner Speicher: 32 GB + microSD
  • Webcam 13 MP, Mikrofon für Videochats
  • WLAN ac, Bluetooth 4.2, NFC
  • USB-C, HDMI-D
  • Abmessungen: 134 x 149 x 69 mm
  • Gewicht: 932 g

So oder so, Kino-Feeling kommt nicht auf, aber es geht beim Xperia Touch ja auch eher um die Touch-Bedienung von vorher "leblosen" Flächen. Die Eingaben werden von einem Infrarot-Sensor erkannt und verarbeitet, das funktioniert erstaunlich gut. So kann man zum Beispiel eines der vorinstallierten Spiele spielen, auf einem virtuellen Klavier klimpern, sich als DJ an zwei Plattenspielern versuchen oder einfache Skizzen anfertigen.

Theoretisch sind die Einsatzmöglichkeiten des Xperia Touch unendlich, von Projektionen von Google Maps über Nachrichtenseiten wie n-tv.de bis hin zu Koch-Apps mit Video-Anleitungen - auf dem Tablet ist die App Kitchen Stories bereits installiert. Im Test stand der Beamer meist in der Küche, Rezepte wurden aufgerufen oder beim Kochen nebenbei die Nachrichten geschaut, dass geht dank der integrierten Lautsprecher ganz gut, denn die Tonqualität ist gut und Sprache kommt klar beim Zuschauer an. Auch ein kurzer Blick in die Fotos vom letzten Urlaub erlaubte der kleine Wunderkasten und entlockte Besuchern dabei regelmäßig bewundernde und überraschte Kommentare.

Noch nicht reif

Kritisieren kann man, dass die Sony-Oberfläche, basierend auf Android 7 Nougat (ein Oreo-Update soll kommen), nicht an die besonderen Einsatzmöglichkeiten angepasst und optisch übersichtlicher gestaltet wurde. Der Xperia Touch läuft mit einer Tablet-Version von Android. Das ist auf der anderen Seite aber insofern gut, als Nutzer so keine Eingewöhnung brauchen und sich direkt zurecht finden - alles funktioniert so, wie es auch bei einem Tablet funktionieren würde.

Doch, und das ist das Problem des Xperia Touch, es funktioniert eben manchmal nicht ganz so gut. Der smarte Android-Beamer ist zwar in den ersten Stunden und Tagen der Benutzung bewundernswert. Doch auf längere Sicht will sich der Touch nicht so recht in den Alltag integrieren, seine Einsatzmöglichkeiten sind durch eine Reihe von Schwächen begrenzt. Dazu gehören Bedienung, Akkulaufzeit und Bildqualität: Touch-Eingaben werden gut erkannt, aber eben nicht so gut wie bei einem richtigen Touchscreen. Das Bild ist verhältnismäßig blass und zu niedrig aufgelöst, als dass es wirklich begeistern könnte. Und die Batterie hält eine gute Stunde, dann ist Schluss.

Dazu kommt noch der Preis: 1500 Euro sind ziemlich happig, dafür gibt's einen guten Heim-Beamer samt Chromecast, um Inhalte vom Smartphone drahtlos auf den Beamer zu übertragen. Sony trifft hier das Schicksal des Pioniers: Der Xperia Touch ist eine beeindruckende Machbarkeitsstudie, mit der man schon viel anfangen kann, die derzeit aber nicht mehr ist als Luxus-Spielzeug. Wirklich alltagstauglich werden aber erst die nächsten Generationen sein.

Quelle: n-tv.de

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