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Der Willkommensbildschirm wird am 1. Juli verschwunden sein.
Der Willkommensbildschirm wird am 1. Juli verschwunden sein.(Foto: google.de/reader / Screenshot n-tv.de)

Viele wollen RSS-Dienst behalten: Google schmeißt Reader raus

Nur noch wenige Monate, dann ist der Google Reader Vergangenheit. Dann müssen Nutzer sich RSS-Feeds auf anderem Wege anzeigen lassen. Zu den strategischen Gründen der Entscheidung hält sich der Konzern bedeckt. Unmut regt sich, Zehntausende protestieren.

Millionen Internet-Nutzer, die auf den RSS-Dienst Google Reader als Nachrichtenticker vertrauen, werden sich zum Sommer eine Alternative suchen müssen. Google macht den 2005 gestarteten Service am 1. Juli dicht. Die Zahl der Nutzer sei gesunken, hieß es zur Begründung in einem Blogeintrag. Man werde die Daten exportieren können, um zu einem anderen Dienst umzuziehen, versprach der Konzern. Auf den Google Reader greifen auch viele RSS-Apps für Smartphones und Tablets zurück. Es könnte also zu einer Art Kettenreaktion kommen, bei der entsprechende Programme nicht mehr mit Daten versorgt werden.

Der Entwickler der populären App Reeder versprach bereits, eine Lösung für die Zukunft zu finden. Zahlreiche Anwender drückten online ihren Unmut über die Entscheidung aus.

Mit RSS ("Really Simple Syndication") kann man neuen Inhalten auf Websites folgen, ohne sie jedes Mal neu aufrufen zu müssen - die Einträge tauchen dann in einer Art personalisiertem Nachrichtenticker auf. Google eroberte mit seinem kostenlosen Reader schnell einen großen Teil des Marktes. Mit der Ausbreitung von Twitter und Facebook wurden die RSS-Ströme allerdings für viele Nutzer weniger wichtig. Google versucht, mit Google+ ein eigenes Online-Netzwerk zu etablieren - die Aktivität der Nutzer ist im Vergleich zur Konkurrenz aber spärlich.

Petition gegen Schließung

Im Netz stieß die Google-Entscheidung teilweise auf Verständnis, aber auch auf scharfen Protest: Der New Yorker Google-Kunde Daniel Lewis startete auf der Plattform Change.org eine Petition, in der Google aufgefordert wird, den Reader weiter zu betreiben. "Unser Vertrauen in andere Google-Dienste - GMail, YouTube und auch (Google) Plus - setzt voraus, dass wir uns darauf verlassen können, dass Sie respektieren, wie und warum wir Ihre anderen Produkte verwenden. Es geht nicht nur um unsere Daten in Reader", schrieb Lewis. "Es geht darum, dass wir dieses Produkt nutzen, weil wir es lieben, weil es unser Leben besser macht und weil wir uns darauf verlassen, dass ihr den Dienst nicht zerstört."

Das Ende von Readers wurde als Teil der nächsten Runde in Googles regelmäßigen "Frühjahrsputz"-Aktionen bekanntgegeben, bei denen Produkte und Dienste ausgemustert werden. Mitgründer Larry Page hatte nach seiner Rückkehr an die Konzernspitze im Frühjahr 2011 die Devise ausgegeben, Google müsse sich auf weniger Projekte fokussieren. So wurden bereits unter anderem eine Gesundheits-Plattform oder vernetzte Stromzähler eingestellt - insgesamt inzwischen rund 70 Angebote. Neben dem Reader traf es unter anderem auch das Bildbearbeitungsprogramm Snapseed für Windows und Apples Mac-Computer sowie die Internettelefonie-App Google Voice für Blackberry.

Quelle: n-tv.de

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