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Auf der Messe in Barcelona kommt man an Android nicht vorbei.
Auf der Messe in Barcelona kommt man an Android nicht vorbei.(Foto: dapd)

"Wir haben nichts anzukündigen": Google will keine eigenen Läden

Geräte vor dem Kauf angucken und anfassen? Überflüssig, findet Google-Manager Andy Rubin. Der Android-Chef erteilt Gerüchten um angeblich geplante Google-Flagshipstores eine Absage. Außerdem sorgt er sich im Gespräch mit Journalisten um die Vormachtstellung von Samsung.

Googles Android-Chef Andy Rubin hat auf dem Mobile World Congress in Barcelona Berichte zurückgewiesen, dass Google eigene Geschäfte in den USA eröffnen wolle. "Google hat keine Pläne und wir haben nichts anzukündigen", sagte Rubin bei einer Gesprächsrunde mit Journalisten. Vor einer Woche hatte unter anderem das "Wall Street Journal" berichtet, Google denke über eigene Flagship-Stores nach dem Vorbild von Apple und Microsoft nach. Dort wolle Google Geräte unter dem eigenen Markennamen anbieten, aber auch Technik des übernommenen Handy-Herstellers Motorola, hieß es.

Googles eigenes Hardware-Portfolio ist bislang überschaubar. Das erste Chromebook verkaufte sich nur schleppend, ein neues wurde gerade vorgestellt. Die "Glass"-Brille ist noch nicht massentauglich. Und die mobile Nexus-Reihe beschränkt sich auf wenige Smartphones und Tablets, die anfangs auch nur mit langen Wartezeiten geliefert werden konnten. Solange das Nexus-Programm noch in den Kinderschuhen stecke, gebe es auch keine Notwendigkeit, über einen Vertrieb der Geräte über eine Ladenkette nachzudenken, sagte Rubin. Zudem sei es heute längst nicht mehr so wichtig wie früher, Geräte vor dem Kauf selbst in die Hand zu nehmen. In der Regel würden sich Kunden bei Freunden und über Produktbesprechungen schlau machen.

Samsungs Stellung wird bedrohlich

In dem Hintergrundgespräch äußerte sich Rubin auch zur Dominanz von Samsung im boomenden Geschäft mit Android. Obwohl das Google-Betriebssystem allen Konzernen kostenlos zur Verfügung steht, kommen inzwischen gut 40 Prozent aller Android-Geräte von Samsung. Rubin führt den weiten Abstand auf ein besseres Management zurück: "Das hat nichts mit Android zu tun." Möglicherweise helfe es Samsung auch, ein breit aufgestellter Konzern zu sein, der zentrale Bausteine wie Speicher, Prozessoren und Bildschirme selbst entwickle und herstelle.

Für Google könnte Samsungs Vormachtstellung kritisch werden, falls die Südkoreaner ihre Geschäftsbeziehungen zu Google neu zu verhandeln wollen, spekuliert das "Wall Street Journal". So könnte Samsung beispielsweise ein größeres Stück vom Werbekuchen verlangen. Bislang  ist Samsung mit 10 Prozent an den Erlösen aus Googles Suchmaschinen-Werbung beteiligt. Samsung könnte auch versuchen, schneller an Android-Updates heranzukommen als die Mitbewerber, zitiert das WSJ einen Investmentbanker.

Dass Samsung mit einer selbstentwickelten Plattform von Android verabschieden könnte, glaubt Rubin nicht. Es sei zwar eine natürliche Entwicklung, dass ein großer Hersteller wie Samsung auch Alternativen zu Android auslote. Ein Alleingang eines einzelnen Herstellers wäre aber eine Insellösung. "Und mein Rat ist: Bauen sie keine Inseln, sie funktionieren nicht mehr." Die Haushalte hätten inzwischen immer mehr Geräte verschiedener Hersteller, die alle auf Grundlage von Android laufen. Das Google-Betriebssystem sei "zu so einer mächtigen Kraft geworden, dass es schwer ist, darauf zu verzichten", so Rubin.

Keine Extrawurst für Motorola

In Barcelona trifft sich Google auch mit anderen Android-Herstellern wie HTC und Hewlett-Packard, um ihre Stellung gegenüber Samsung zu stärken. Auch die Übernahme von Motorola Mobility sei eine Absicherung gegen die wachsende Macht der Südkoreaner gewesen, schreibt das WSJ.  Der Handy-Pionier habe im Unternehmen aber keine Sonderbehandlung, betonte Rubin. Sein Team und das von Motorola seien komplett getrennt. Er schließe zwar nicht aus, dass Motorola einmal eines der Flaggschiff-Geräte der Nexus-Serie bauen werde - "wir können sie schließlich nicht dafür bestrafen, dass sie zu Google gehören". Aber Motorola werde durch den gleichen Auswahlprozess wie andere Hersteller gehen müssen. Bei den Nexus-Modellen versucht Google, mit wechselnden Hardware-Partnern die bestmöglichen Android-Geräte zu entwickeln. So wird das aktuelle Smartphone Nexus 4 von LG gebaut.

Quelle: n-tv.de

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