Technik
Der Polycarbonat-Riese könnte ein Überflieger am Smartphone-Himmel werden.
Der Polycarbonat-Riese könnte ein Überflieger am Smartphone-Himmel werden.

Smartphone-Platzhirsche horchen auf: HTC präsentiert sein One X

von Klaus Wedekind

Das One X ist das größte und stärkste von drei neuen Smartphones, die HTC in der Android-Hackordnung wieder ganz nach oben bringen sollen. Hochauflösender Großbildschirm, Vier-Kern-Prozessor und 8-Megapixel-Kamera sind auf den ersten Blick sehr beeindruckend. Aber macht der Polycarbonat-Riese auch im Alltag eine gute Figur?

Die Familie mit One V, One X, und One S.
Die Familie mit One V, One X, und One S.

Nachdem sich HTC im vergangenen Jahr mit einer zu großen Produktpalette verzettelte, will sich das taiwanische Unternehmen mit wenigen, aber besonders guten Geräten 2012 zurück auf die Erfolgsspur bringen. Die Umstrukturierung hat HTC viel Kraft gekostet und ließ den Gewinn binnen Jahresfrist um 70 Prozent schrumpfen. Beim Mobile World Congress in Barcelona stellte Firmenchef Peter Chou die drei neuen Android-Smartphones seines Unternehmens vor: Das One X, das One S und das One V. Das Flaggschiff der Serie ist das One X, das zumindest auf dem Papier mächtig Eindruck macht. n-tv.de hat ausprobiert, ob das Gerät hält, was sein schickes Äußeres verspricht.

HTC hüllt das One X in ein weißes oder schwarzes Unibody-Kleid aus Polycarbonat, das exakt 134,36 x 69,9 x 8,9 Millimeter misst. Leicht aus dem Gehäuse gewölbt sitzt auf der Oberseite im wahrsten Sinne des Wortes das Glanzstück des HTC One X. Der Super-LCD-2-Bildschirm ist 4,7 Zoll mächtig und bietet 1280 x 720 Pixel. Dies entspricht einer fantastischen Punktdichte von 312 dpi. Damit erreicht das One X in etwa den Wert des iPhone 4S (320 dpi) und lässt das neue iPad (264 dpi) hinter sich. Einzelne Pixel sind so auf dem One-X-Display natürlich nicht mehr zu erkennen und das Schriftbild von Texten ist gestochen scharf.

Aber auch sonst ist das Display des One X herausragend gut. Farben stellt es äußerst knackig und ohne jeden Stich und Tadel dar. Der Kontrast ist exzellent und beim Blickwinkel ist das HTC-Flaggschiff unschlagbar gut. Das One X lässt sich wirklich gerne schräg ansehen. Sogar gegen direktes Sonnenlicht strahlt das brillante Display tapfer an. Hinzu kommt, das die automatische Bildschirmhelligkeit von HTC sehr gut eingestellt wurde.

Der Touchscreen reagiert ausgesprochen exakt und prompt, und die fettabweisende Oberfläche aus kratzfestem Gorilla Glass 2 fühlt sich angenehm glatt an. Einen kleinen Nachteil weist das aus dem Gehäuse ragende Display allerdings auf: Presst man am linken oder rechten Rand etwas fester auf den Touchscreen, zeigen sich vorübergehend gräuliche "Druckstellen”.

Cloud-Speicher zwei Jahre kostenlos

Auch das Polycarbonat-Gehäuse ist ein Handschmeichler. An den Rändern ist es glatt wie Klavierlack, auf der Rückseite mattiert. Das Material ist robust wie Aluminium, kratzfest, schmutzabweisend - und sehr, sehr leicht. So ist es möglich, dass das One X trotz seiner Größe 130 Gramm leicht ist. Durch den Unibody konnte HTC das Smartphone mit 8,9 Millimetern auch sehr schlank halten. Allerdings gibt es deswegen keinen Akkudeckel und die 1800 Milliamperestunden leistende Batterie kann nicht gewechselt werden. Außerdem hat HTC keinen Slot für SD-Speicherkarten eingebaut. Dafür bietet HTC durch einen Deal mit Dropbox für zwei Jahre 25 Gigabyte kostenlosen Cloud-Speicher.

134,36 x 69,9 x 8,9 Millimeter misst das One X.
134,36 x 69,9 x 8,9 Millimeter misst das One X.

Oberhalb des Displays erkennt man die gefrästen Telefon-Lautsprecher-Löcher, unter denen sich auch die von anderen Herstellern sträflich vernachlässigte Info-LED versteckt, die bei Benachrichtigungen grün blinkt. Rechts neben dem Lautsprecher sitzt eine VGA-Kamera für Videogespräche. Auf der Stirnseite darüber befinden sich Ein-/Aus-Schalter, Kopfhörerbuchse und der Einschub-Schlitten für MicroSIM-Karten. Auf der rechten Seite ist der Volumenregler, links der MicroUSB-Anschluss, unten das Mikrofon-Loch.

Unterhalb des Bildschirms sitzen noch unter dem Glas drei Tasten: Zurück, Home und Letzte Apps (Multitasking). Eine physische Menü-Taste gibt’s unter Android 4 nicht mehr. Bei manchen Apps erscheint sie virtuell und schneidet unten vom Display 80 Pixel-Zeilen ab. Gewöhnlich findet man das Menü-Symbol mit drei vertikalen Punkten in Apps oben rechts.

Die Rückseite wird von der oben sitzenden silbern eingekreisten 8-Megapixel-Kamera beherrscht. Obwohl sie stark aus dem Gehäuse herausragt, wackelt das HTC One X auf Tischplatten nicht, da die Rückseite zum Ausgleich leicht gewölbt ist. Unten befindet sich der Lautsprecher, auf der rechten Seite Kontakte für Dockingstationen.

NFC für sicheres Bezahlen

Angetrieben wird das HTC One X von Nvidias Tegra-3-Prozessor, der vier mit jeweils 1,5 Gigahertz getaktete Rechenkerne hat. Um Strom zu sparen, ist außerdem ein fünfter, langsamerer Kern für Alltagsaufgaben integriert. Der Arbeitsspeicher (RAM) ist 1 Gigabyte groß, intern hat HTC 32 Gigabyte für Software und Daten eingebaut. Im One X sitzt außerdem ein Nahfeld-Chip (NFC), der vor allem für sicheres Bezahlen genutzt werden kann. Anwendungen dafür sind allerdings noch äußerst rar gesät.

Auf den ultraschnellen Mobilfunkstandard LTE hat HTC im europäischen One X verzichtet. Das US-Modell hat einen LTE-fähigen Zwei-Kern-Qualcomm-Chip, der allerdings andere Frequenzen nutzt. Das weitere Innenleben des HTC-Flaggschiffs lässt keine Highend-Wünsche offen.

Ein Handschmeichler für rund 600 Euro.
Ein Handschmeichler für rund 600 Euro.

Als Betriebssystem kommt Googles Android 4 zum Einsatz, dem HTC seine eigene Benutzeroberfläche Sense 4 übergestülpt hat. Puristen hätten vermutlich die blaue Klarheit von Android 4 bevorzugt, allerdings steht das verspielte Sense dem One X doch sehr gut. Das E-Mail-Programm ist sogar besser als die Standard-App und die App WLAN-Hotspot macht das Teilen der UMTS-Verbindung zum Kinderspiel.

Außerdem hat HTC den Equalizer Beats Audio in Sense 4 integriert, der jetzt auch bei Apps von Drittanbietern die Audio-Qualität deutlich verbessert. Dies hört man allerdings nur, wenn man richtig gute Kopfhörer anschließt, die HTC nicht mitliefert.

Apropos Klang: Das HTC One X ist ein richtig gutes Telefon, wobei die Gesprächspartner an beiden Enden keinen Grund zum Klagen haben. Dies liegt unter anderem an einer automatischen Unterdrückung der Umgebungsgeräusche.

Erwartungsgemäß schlägt sich das Gerät im Smartphone-Alltag mit seinen bärenstarken Spezifikationen bestens. Alles läuft sehr flüssig und geschmeidig, der Browser baut Webseiten blitzschnell auf und über Kleinigkeiten wie HD-Videos spielt das One X locker hinweg. Wie von Nvidia angegeben, stellt der Tegra 3 die anspruchsvolle Grafik von Highend-Spielen ausgezeichnet dar. Allerdings stößt der Vier-Kern-Prozessor überraschenderweise doch hin und wieder an seine Grenzen.

Auch für Spiele bestens geeignet

Laufen im Hintergrund viele Anwendungen, kommt das One X bei "Shadowgun THD" ins Stottern.
Laufen im Hintergrund viele Anwendungen, kommt das One X bei "Shadowgun THD" ins Stottern.(Foto: kwe)

Für den Test haben wir den Shooter "Shadowgun THD” und das Jet-Ski-Rennspiel "Riptide GP” installiert. Beide Spiele sehen auf dem One X fantastisch aus und "Riptide GP” bringt das HTC-Flaggschiff auch nie in Verlegenheit. "Shadowgun THD” versetzte das One X dagegen gelegentlich in Schockstarre und manche Schießerei ließ sich erst nach einem Neustart beenden. Der Verdacht liegt nahe, dass der Arbeitsspeicher für Höchstleistungen mit 1 Gigabyte etwas knapp bemessen ist beziehungsweise das Speichermanagement verbesserungswürdig ist. Denn beendete man einige Anwendungen im Task-Manager, konnte man seine Gegner ohne zu zögern niedermähen.

Der Akku des One X hält sich wacker und ein Arbeitstag ist auch bei intensiver Nutzung kein Problem. Tegra-3-Spiele sollte man sich aber für den Abend aufsparen, wenn man keine Steckdose in der Nähe hat. Denn bei diesen Anwendungen läuft das HTC One X buchstäblich warm und leert die Batterie ziemlich zügig.

Kamera eigentlich nicht schlecht

Die Kamera des HTC One X macht Bilder mit sehr natürlichen Farben.
Die Kamera des HTC One X macht Bilder mit sehr natürlichen Farben.(Foto: kwe)

Eine kleine Enttäuschung ist die Kamera, die HTC-Chef Peter Chou in Barcelona in höchsten Tönen anpries. Sie ist nicht schlecht und durch einen eigenen Foto-Chip wirklich extrem schnell. Schlechte Lichtverhältnisse - ob zu hell oder zu dunkel - bekommen dem HTC One X aber oft nicht gut, obwohl der Umgang mit solchen Situationen dessen Stärke sein soll. Wenn das Licht mitspielt, gelingen mit dem Smartphone aber sehr schöne Fotos und Videos, die besonders durch ihre Farben gefallen.

Die Kamera-App selbst ist absolut gelungen. Man kann Filter in Echtzeit anwenden und viele Einstellungen manuell vornehmen. Es ist eine Gesichtserkennung an Bord und wenn man möchte, kann man die App auch auf ein Lächeln warten lassen. Bei Videoaufnahmen (1080p) sorgt ein Stabilisator für eine ruhige Hand und man kann ohne Unterbrechung Fotos machen.

Alles in allem ist HTC mit dem One X ein tolles Smartphone gelungen, das alleine schon wegen des großartigen Bildschirms derzeit herausragend ist. Kann das Unternehmen durch Updates die kleinen Performance-Schwächen und die Probleme der Kamera beheben, könnte der rund 600 Euro teure Polycarbonat-Riese auch ein Überflieger am Smartphone-Himmel werden.

Quelle: n-tv.de

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