Freitag, 26. Februar 2010
Volksheld in Lettland: Hacker deckt Bankabzocke auf
Ein lettischer Hacker deckt Stück für Stück auf, wie Manager und Banken staatliche Finanzhilfen missbrauchen. Das Volk feiert ihn wie einen virtuellen Robin Hood.
In Matrix rettet Neo die Menschheit - so viel haben seine lettischen Hacker-Kollegen wohl nicht auf dem Kasten.
(Foto: picture-alliance / dpa)
Der Hacker, der sich laut BBC wie der "Matrix"-Held "Neo" nennt, veröffentlicht via Twitter beispielsweise die tatsächlichen Einkommen der Managern von geretteten Banken und Unternehmen. Entgegen den Zusagen, im Gegenzug zu Finanzspritzen die Gehälter zu kürzen, ist in den meisten Fällen gar nichts passiert. Im Gegenteil: Die Manager bessern ihre Gehälter weiter fröhlich mit Dividenden und Bonuszahlungen auf, die laut lettischem Rettungspakt verboten sind.
Neo gehört zu einer Gruppe, die sich "Fourth Awakening People's Army" nennt. Sie behauptet, über sieben Millionen Dokumente Dokumente von Steuerbehörden heruntergeladen zu haben. Angeblich haben sie Informationen über bis zu 1000 Unternehmen - möglicherweise auch aus anderen europäischen Staaten.
Nur die Spitze des Eisbergs?
Die bisherigen Enthüllungen könnten also nur die Spitze des Eisbergs sein. Wie viele Informationen noch ans Tageslicht kommen, hängt auch davon ab, wie erfolgreich die lettischen Behörden ermitteln. Denn die Regierung lässt die Hacker jagen. Das hat seinen guten Grund, denn auch sie steht am Pranger. Ihr wird vorgeworfen ihre Aufsichtspflicht fahrlässig oder sogar absichtlich vernachlässigt zu haben. Ein lettischer TV-Mann hat der BBC gesagt, dass Neo inzwischen in Lettland wie ein virtueller Robin Hood gefeiert werde.
Lettland steckt in der tiefsten Krise seit der Loslösung von der Sowjetunion im Jahr 1991. Die Arbeitslosenquote beträgt 23 Prozent. Im vergangenen Jahr schrumpfte die Wirtschaft um mindestens 13 Prozent - voraussichtlich der stärkste Einbruch aller EU-Staaten.
kwe
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