Montag, 22. November 2004
Studentische Unkultur: Internet-Klau sehr beliebt
Viele Studenten schmücken ihre Hausarbeiten mit fremden Federn aus dem Internet. Bis zu 15 Prozent der angehenden Akademiker laden sich nach Erkenntnissen der Hamburger Medienkultur-Professorin Joan Bleicher wissenschaftliche Artikel aus dem Internet herunter, um damit ungekennzeichnet ihre eigenen Arbeiten aufzuwerten. "Im schlimmsten Fall werden ganze Hausarbeiten aus dem Netz übernommen, ohne dies durch Zitate kenntlich zu machen", sagte sie in einem dpa-Gespräch. "Meistens handelt es sich aber nur um einzelne Seiten, doch allein das ist schlimm genug."
Bleicher geht davon aus, dass die Betrüger in der Regel auffliegen. "Wir kennen die Fähigkeiten unserer Studenten ziemlich gut und können in etwa einschätzen, ob jemand selbst fabriziert oder aus dem Internet geklaut hat". Auch werde ein Dozent hellhörig, wenn sich das Niveau einer Hausarbeit von Kapitel zu Kapitel unterscheidet: "Die Sätze der Studenten sind stilistisch meistens weniger ausgefeilt als die wissenschaftlichen Artikel aus dem Netz. Daran erkennen wir Internet-Plagiate oft sehr schnell."
Damit sei das Problem aber noch nicht automatisch im Griff. "Wir haben bisher kaum rechtliche Mittel, um gegen die Betrügereien vorzugehen", beklagte Bleicher. "In der Prüfungsordnung ist diese spezifische Form des Netzplagiats noch nicht verankert." Inzwischen berate darüber aber die Lehrplan- und Prüfungskommission.
"Auffallend ist, dass das Rechtsbewusstsein der Studenten völlig unterentwickelt ist", sagte Bleicher. Kaum einer sehe sein Unrecht gleich ein. Meistens rechtfertigen die Studierenden ihre Täuschungsmanöver damit, dass sie das geklaute Internetmaterial schließlich selbst recherchiert haben.
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