"Need for Speed" im KugelhagelIst "The Run" ein Renner?

Mit "The Run" gibt es ein neues Rennspiel der sehr beliebten "Need for Speed"-Serie. Es ist vielleicht nicht der beste Teil der Reihe, aber für ein paar Stunden chaotischen und sehr unterhaltsamen Fahrspaß ist es allemal gut. Nur schade, dass man bei dem Speed, den man meistens drauf hat, die wunderschönen Strecken kaum genießen kann.
Rennspiel-Puristen, die auf Simulationen à la Gran Turismo 5 abfahren, werden das Spiel nicht mit der Beißzange anfassen, denn realistisch sehen in "Need for Speed: The Run" nur Autos und Pisten aus. Das Blechgewitter erinnert eher an den intellektuell tiefergelegten Hollywood-Kracher "The Canonball Run" ("Auf dem Highway ist die Hölle los"), in dem Schnauzbart-Macho Burt Reynolds 1981 ziemlich erfolgreich über die Kino-Leinwände bretterte.
Die Story des Electronic-Arts-Spiels ist entsprechend schnell erzählt: Jack Rourke ist ein junger Mann, der Gangstern einen Batzen Geld schuldet, aber nicht zurückzahlen kann. Deshalb darf er sich nicht wundern, dass er eines Tages ans Lenkrad eines Sportwagens gefesselt aufwacht und seine Gläubiger kurz davor sind, den Zünschlüssel zu ziehen. Jack kann sich im letzten Moment befreien und nach einer rasanten Flucht trifft er seine gute "alte" Bekannte Sam Harper. Die hübsche Brünette weiß eine Lösung für Jacks Problem, die auch für sie recht lukrativ ist. Jack soll an einem illegallen Rennen quer durch die USA von San Francisco nach New York teilnehmen. Dem Sieger winken 2,5 Millionen Dollar Preisgeld. So ein Angebot kann Jack in seiner Situation natürlich nicht ablehnen.
Die Handlung bleibt auf der Strecke
Von da an muss der Spieler über mehrere Etappen hinweg das 200-Fahrer-Feld von hinten aufrollen. Dazu stehen ihm schon am Anfang kräftige bayerische Sportwagen zur Verfügung, die er mit gesammelten Kilometern und Erfahrungspunkten auch gegen Flitzer aus Stuttgart-Zuffenhausen und andere Edelkarossen tauschen kann. Jack muss beispielsweise auf einem Abschnitt eine bestimmte Anzahl Gegner überholen oder auch "einfach" nur Zeit gutmachen. Manchmmal bekommt er es mit besonderen Gegnern zu tun, wofür die wilde Autojagd durch ein kurzes Video und ein paar Infos unterbrochen wird. Ansonsten wird die "Handlung" nur durch Sams Anrufe und einigen Verfolgungsjagden vorangetrieben, in denen Jack zu Fuß vor den Gangstern flieht, die sich an seine Stoßstange geheftet haben.
Sieht man über die spärliche Handlung hinweg, macht das Spektakel richtig Spaß. Die Autos lassen sich allesamt gut beherrschen, auch wenn in der Beschreibung das Handling als "Schwierig" bezeichnet wird. Man muss sich schon sehr bemühen, ohne gerammt zu werden, von der Piste zu fliegen. Die Herausforderungen sind aber trotzdem anspruchsvoll und man muss Gaspedal, Bremse und Nitro-Boost schon gekonnt einsetzen, um das vorgegebene Ziel zu erreichen. Das liegt vor allem an den ätzenden KI-Fahrern, die einem immer bis kurz vor dem Etappenziel am Heck kleben und abfangen, wenn man sich nicht ein wenig Extra-Schub aufgespart hat.
Der Weg ist das Ziel
Die Aufgaben sind abwechslungsreich und die Streckenabschnitte richtig schön. So rast man einmal durch eine traumhaft schöne Wüste, wobei einem verwehter Sand die Sicht nimmt, driftet in malerischen Bergen um Haarnadelkurven und weicht Lawinen aus oder rast über vereiste Highways. Besonders spektakulär wird's, wenn Gangster aus ihren schwarzen Karren schießen, uns die Polizei im Nacken sitzt und dann auch noch ein Helikopter auf uns ballert. Ist man zu langsam oder zerlegt man in einer gelungenen Zeitlupe seinen fahrbaren Untersatz, darf man den Abschnitt mehrmals wiederholen.
Auch als relativer Fahranfänger erreicht man leider viel zu früh New York. Mehr als vier Stunden sitzt man bis dahin kaum hinterm Steuer. Immerhin kann man dann noch im Challenge-Modus ein paar Aufgaben erledigen, die man im Story-Modus freigeschaltet hat. Außerdem kann man sich im Online-Modus (indirekt) mit Freunden messen. Obwohl Pisten und Umgebung so gelungen sind, gibt es auch bei der Grafik ein paar Abzüge, da die Autos durchaus etwas sauberer gearbeitet sein könnten. Dafür klingen die Boliden richtig gut und wenn man sie zermatscht, sehen sie auch entsprechend aus. Etwas nervig sind die unangenehm langen Ladezeiten und ein paar Einstellungsmöglichkeiten für Computer-Schrauber hätte man schon erwarten dürfen.
Alles in allem ist "Need for Speed: The Run" ein unterhaltsames Rennspiel für den schnellen Geschwindigkeitsrausch zwischendurch. Vom Umfang her ist es aber sehr knapp bemessen und vielleicht lohnt es sich, ein paar Wochen zu warten, bis das Spiel für PC, Xbox 360 und Playstation 3 deutlich weniger als 50 Euro kostet.