Technik
Mittwoch, 17. November 2010

Der totale Nachrichtendienst: Kann man Facebook trauen?

Nutzer sollten sich sehr gut überlegen, ob und wie sie die neue Facebook-E-Mail-Adresse verwenden. Denn der gebündelte Nachrichtendienst ist zwar praktisch und bequem, bietet aber auch Kriminellen neue Angriffswege. Außerdem speichert das soziale Netzwerk die komplette Kommunikation. Was mit den Daten passiert, verrät Facebook nicht.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg gilt in Sachen Datenschutz eher als unbekümmert.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg gilt in Sachen Datenschutz eher als unbekümmert.(Foto: REUTERS)

Facebooks neuer Messaging-Service, der E-Mail, SMS und Chat bündelt, bietet Cyberkriminellen laut Sicherheitsexperten noch mehr Angriffsmöglichkeiten. "Facebook-Mitglieder werden durch den Dienst mit noch mehr Nutzern außerhalb ihres persönlichen Facebook-Netzwerks verbunden", sagt Graham Cluley vom Sicherheitsaanbieter Sophos. In sozialen Netzwerken sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein Link geöffnet wird, höher, weil die Nachricht von einem vermeintlich vertrauenswürdigen Profil – einem Facebook-Freund – kommt. Dadurch steige die Versuchung für Cyberkriminelle, persönliche Profile zu hacken und ohne Wissen des Nutzers Schädlinge an sein Netzwerk zu verbreiten, erklärt Cluley.

Facebook-Nutzer sollten daher bei den Sicherheits- und Privatsphäreneinstellungen noch vorsichtiger sein, als bisher. Wichtig ist auch, zu prüfen, welche Anwendungen auf das Konto zugreifen können - im Zweifel ist es besser, ein Programm zu entfernen. Ein schwer zu knackendes Passwort für das Facebook-Profil ist ein weiteres Muss.

E-Mail-Adressse kein Geheimnis

Die neue Facebook-E-Mail-Adresse besteht aus dem Benutzernamen gefolgt von @facebook.com: Max.Mustermann@facebook.com. Nutzer, die ihren Klarnamen als öffentlichen Profil-Namen gewählt haben, geben somit auch ihre Facebook-E-Mail-Adresse preis. Die Privatsphäreneinstellungen sollten daher so geändert werden, dass nur Mails von "Freunden" empfangen werden können.

Mit dem neuen Service können nicht nur Links, Fotos und Videos versendet werden, sondern auch externe Inhalte wie Textdateien und Tabellen. Damit steigt die Gefahr, auch Schadsoftware oder Spam zu erhalten. E-Mails von Fremden werden zwar aussortiert und in einen gesonderten Ordner verschoben, allerdings gibt es keine Erkennungsmöglichkeit für gefälschte E-Mails, bei denen Betrüger den Namen eines Freundes nutzen. Diese Mails landen nach wie vor im "Freunde"-Ordner und sind damit vertrauenswürdig. Bisher ist noch unklar, wie die Bedrohungen durch externe Anhänge verhindert werden sollen. Auch wenn man sich bei Facebook in einem geschlossenen Kreis von Freunden wähnt, sollte man nicht jeder Nachricht vertrauen und stets kritisch bleiben, wenn sie Anhänge enthält, so wie das für jede externe E-Mail gilt.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob man Facebook trauen kann. "Die Anwender müssen sich darüber im Klaren sein, dass Facebook ihre komplette Kommunikation mit anderen Mitgliedern speichert und archiviert", sagt Graham Cluley. "Auch diese Daten können in die falschen Hände geraten und missbraucht werden."

Datenschützer besorgt

Hamburgs Datenschützer Johannes Caspar hätte gerne mehr Informationen von Facebook.
Hamburgs Datenschützer Johannes Caspar hätte gerne mehr Informationen von Facebook.(Foto: Hansestadt Hamburg)

Auch der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar mahnt zur Vorsicht. "Ob es sinnvoll ist, so viele Informationen einem Anbieter in die Hand zu geben, ist fraglich", sagt er. "Jeder muss wissen: Wenn die Daten außerhalb des Landes gespeichert werden, können die deutschen Datenschutzbehörden nicht kontrollieren, wie damit verfahren wird." So betone Facebook ausdrücklich, dass die von Kalifornien aus angebotenen Dienste nicht durch deutsches oder europäisches Datenschutzrecht geregelt würden.

Seine Behörde habe von Facebook keine Vorab-Informationen zu der neuen Plattform erhalten, sagt Caspar. Er beklagt auch, dass Facebook in Deutschland immer noch keinen lokalen Ansprechpartner für Datenschutzbelange habe, was eigentlich laut Gesetz erforderlich sei.

Quelle: n-tv.de

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